Empathie und Manipulation in Partnerschaften

Empathie ist ein schwieriger Begriff. Einerseits möchte jeder sensibel und schwingungsfähig sein, andererseits möchten wir Nicht all zu offen für die Impulse anderer sein. Im Berufsleben scheint es oft sogar wichtig zu sein, nicht zu emphatisch zu sein, weil es dem Leistungsgedanken entgegen zu stehen scheint. Eine Ellbogenmentalität ist in vielen Betrieben gang und gebe. Vertraut man Studien, nimmt die Empathiefähigkeit sogar noch ab. Die Angst, durch die eigene Empathiefähigkeit zum Spielball manipulativer Mitmenschen zu werden, verursacht Zweifel und das Phänomen, sich selbst im Weg zu stehen. Empathie und Manipulation in Partnerschaften liegen nahe beieinander.

In der Gegenwart emphatischer Menschen fühlen wir uns wohl. Wir fühlen uns aufgehoben und verstanden, haben das Gefühl, unsere Sichtweise wird verstanden. Mit einem emphatischen Partner fühlen wir uns angenommen und auch ohne Worte wahrgenommen.

warum sind Empathie und Manipulation nahe beieinander?

Empathie wird bereits in der frühesten Kindheit gelernt. Wer egoistische oder schwingungsunfähige Eltern hat, tut sich sein Leben lang schwerer damit als andere. Häufig geraten solche Menschen an Partner, die scheinbar emphatisch sind, unterm Strich jedoch hoch manipulativ. Den Hunger nach einem emphatischen Gegenüber teilen wir alle. Herrscht hier jedoch ein Defizit aus der Kindheit, treibt uns dieser Mangel gern in die Arme eines Manipulators. Manipulation ist der Schatten von Empathie. Bin ich emphatisch, bilde ich das Weltbild des andern in meinem inneren ab. Manipuliere ich, so versuche ich, mein eigenes Weltbild in den andern zu implantieren. Eine meiner wichtigsten inneren Fragen sind: wie machst Du Dir deine Wahrnehmung, Dein Problem, deinen Erfolg oder Dein Glück? Das ist wie ein Schraubenzieher, mit dem man natürlich alles mögliche machen kann.

An was kann man erkennen, dass die gezeigte Empathie manipulativ ist?

Eigene Gefühle werden als Quatsch oder unwahr vom anderen betitelt, die eigene subjektive Wahrheit findet keinen Raum. Stattdessen wird die Subjektivität des anderen zur einzig gültigen Objektivität erklärt. Ein Austausch der verschiedenen Wahrnehmungen findet nicht statt.

statt auf den anderen ein zu gehen eigene Storys erzählen

Es kann auch sein, dass der Austausch eher ein Missionieren ist. Es wird versucht,  dem anderen sein Weltbild nicht zu zeigen sondern ins Gehirn zu brennen.

Wenn ich mich zum Beispiel ungeliebt fühle, dann ist das zwar subjektiv, aber dennoch mein wahres Gefühl. Oft fallen dann Sätze wie: „ja ich mich auch nicht.“ Oder: „hör auf zu spinnen, so ein Quatsch, mach es nicht kompliziert blablabla“, dann wird mir ja mit anderen Worten erklärt, dass in den Augen des anderen meine Wahrnehmung völlig uninteressant ist. Ein Ratschlag oder ein im anderen herum psychologisieren wären ebenso deplatziert und manipulativ.

Ein emphatischer Umgang mit einer solchen Äußerung könnte so klingen: wie kommst du zu diesem Gefühl? Wovon leitest du das ab? Was brauchst du, um zu erkennen, dass ich dich liebe? Wie kann ich dir meine Liebe zeigen… usw

Bewertungen, Abwertungen und Vergleiche statt vorbehaltloser Akzeptanz

Man hat den anderen womöglich ganz gut wahrgenommen, schwingt aber nicht mit. Stattdessen wird das Wahrgenomme benutzt, um sich selbst Aufzuwerten. Dies geschieht bekanntermaßen am leichtesten, wenn man andere abwertet. Ziemlich kurzsichtig. Häufig sind solche Abwertungen auch virtuos subtil.

Ich habe vor Jahren mal begonnen, Beispiele vergifteter Kommunikation in meiner Praxis zu sammeln.

Empathie und Manipulation in Partnerschaften

Empathie beginnt immer damit, dass ich den Partner respektiere. Seine Sichtweisen, Wahrnehmungen und Meinungen in mir zum Schwingen bringe. Das bedeutet, dass ich mich frei von vorgefassten und subjektiven Besitztümern in diesem Moment machen darf.

Im nächsten Schritt hat es sich bewährt, das Wahrgenommene zu überprüfen. Hab ich das richtig verstanden? Ist das Bild vollständig? Fehlen Informationen?

Dann geht die Schere auf. Bin ich emphatisch, gehe ich auf das Bild des anderen ein, versuche den anderen da abzuholen, wo er ist.

Manipulativ wäre es, jetzt im Bild des anderen zu wildern.