gleiche Augenhöhe in Partnerschaften

In der „Zeit“ vom 8. Juni 17 war im Feuilleton ein großer Artikel über „Liebe auf Augenhöhe“. Gleiche Augenhöhe ist ein wichtiges Thema. Man bemerkt es allerdings erst, wenn es eigentlich fast zu spät ist.

Wenn gleiche oder ungleiche Augenhöhe in einer Partnerschaft ein Thema ist, besteht meiner Meinung nach bereits  eine Schieflage. Denn wenn Paare über gleiche Augenhöhe sprechen, setzt das voraus, daß man keine gleiche Augenhöhe mehr wahrnimmt.

gleiche Augenhöhe sollte in der Liebe kein Thema sein

Stellt sich die Frage nach einer gleichen Augenhöhe aber doch, sollten Paare hinter die Kulissen schauen. Dann fühlt einer der Beiden sich bestimmt nicht in seiner Persönlichkeit gesehen und geachtet.  Oder sich nicht akzeptiert und geliebt. Sich austauschbar zu fühlen ist ein schlimmes Gefühl!

Im Grunde geht es bei der gleichen Augenhöhe wohl eher um eine innere Haltung, mit der wir achtsam anderen Menschen begegnen. Wenn ich Andere gerne belehre und Recht haben will, ist das ebenso wenig förderlich wie Jammern oder Schuldzuweisungen. Erst wenn ich in meiner Mitte und innerlich reif genug bin, kann ich eine gute und gleiche Augenhöhe immer wieder herstellen. Ohne den Anderen oder mich selbst hinunter ziehen zu müssen. Deswegen tun wir alle gut daran, immer wieder unsere eigenen Glaubenssätze zum Thema Partnerschaft zu überprüfen.

Klarheit über das, was ich will

Sind mir meine Glaubenssätze zum Thema Partnerschaft bewusst, benötigt es den Mut, dafür einzustehen und selbstbewusst über das zu sprechen, was mir wirklich wichtig ist.

Denn wenn ich weiß, was ich will und dies klar ausdrücke, entsteht Orientierung. Dann kann beim Anderen eine Projektion die über mich entstanden ist verändert werden.

Je klarer mein Partner ist, umso leichter kann auch ich mein Bild von ihm von Verzerrungen befreien. Dadurch entwirren sich fälschlich gestellte Erwartungen.

Gedankenlesen ist die Fallgrube jeder Augenhöhe

„Ich weiß schon, was Du denkst“ ist das Gegenteil einer offenen, bewußten Kommunikation. Den anderen so zu sehen, wie er wirklich ist hat meist wenig damit zu tun, wie ich glaube, das jemand ist.

Ich würde den Begriff gleiche Augenhöhe gerne als Zusammenfassung folgender Tugenden differenzieren: Ebenbürtigkeit, Empathie, Respekt und Autonomie. Unterschiede werden respektiert und man versucht, sich gegenseitig zu verstehen. Bewertungen werden losgelassen. Das Erkunden der Sichtweise des Anderen ist ebenso wichtig wie der eigene Standpunkt.