Kontrollzwang und Eifersucht, wie passt das in eine Beziehung?

„Eifersucht ist die Leidenschaft,
Die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“ – Franz Grillparzer (1830)

Als meine Mutter mich bat, zu ihrem Geburtstag einen Artikel über Eifersucht aus der Sicht einer 20-Jährigen zu schreiben, freute ich mich erst einmal über diese Aufgabe mit wenig Herausforderung. Beim Schreiben selbst aber stellte ich fest, dass Eifersucht bei mir eher selten eine große Rolle gespielt hat. Noch nie, um ganz ehrlich zu sein. Mal ganz abgesehen von einem sehr eifersüchtigen Ex-Freund, der mir einmal das Leben schwer gemacht hatte, ist Eifersucht bei mir persönlich kein großes Thema. Aber dazu später, erstmal erzähle ich euch kurz etwas über mich und meine Mutter: Uns verband schon immer ein großes verlangen nach Freiheit und Veränderung, welches sich auch bei meiner kleinen Schwester in etwas veränderter Form zeigt.
Schnell durfte ich feststellen, dass bei mir nicht nur das Reisen Freiheit bedeutet, sondern auch das weglaufen oder das verschließen der Augen vor ungewollten Tatsachen.

Einführung

Daher war für mich die letzte, bereits erwähnte Beziehung die ich vor der jetzigen hatte, eine große Herausforderung. Was aus einem Zufall heraus entstand (und in meinen Augen eine Affäre darstellte) wurde schnell etwas ernster, als er beschloss er wäre fortan mein neuer Freund. „Nun gut“ dachte ich mir, „probieren wir das aus“ dachte ich mir. Und so nahm das ganze seinen Lauf. Bei jeder Gelegenheit kritisierte er an mir herum. Alle paar Minuten wollte er wissen, was ich weshalb wann und wo, beziehungsweise jetzt gerade machen würde. Als ich einmal meine Familie besuchen wollte, erklärte er mir ich müsse ihn vorher um Erlaubnis bitten, er könne seine Familie ja auch nicht eben kurz besuchen. Aber kennen lernen wollte er auch niemanden, nicht einmal meine Eltern. Stattdessen kritisierte er weiter an mir herum, wenn ich das Verlangen verspürte meine Freunde einmal in der Woche zu treffen oder meine Zeit in sinnlose Hobbys wie das Theater, in dessen Orchester ich spiele, zu stecken. Es ging gerade weiter, als ich einmal meine Haare versuchte zu kämmen, konnte ich dies auch nicht richtig machen. Und Nase putzen durfte ich ohnehin nur bei geschlossener Tür im Badezimmer. Komplett verboten war es, sich einmal nur ein bisschen mehr Zeit für sich selbst zu gönnen als unbedingt nötig.

Was hat das mit mir gemacht?

Wie bereits erwähnt, war die Bitte nach einigen Minuten für mich selbst, und sei es im Badezimmer, in meiner letzten Beziehung eine Beleidigung und immer mit der Frage verbunden, ob ich mit ihm nichts mehr zu tun haben wolle.
Daher war ich nicht selten erleichtert, wenn er oder ich zu einem Termin musste. Aber auch dann war ein Moment Ruhe selten gegeben. Alle paar Minuten ließ mein Handy verlauten, dass ich einige neue Nachrichten bekommen hätte, in denen ich gefragt wurde was ich warum und wann täte und warum ich nicht mehr Zeit mit ihm verbringen würde. Infolgedessen fiel mir sehr schnell auf, dass ich mich sehr eingeengt fühlte, da er sich auch sonst zumindest nonverbal an meinen Rockzipfel hängte, wie eine kleine Klette die man nie ganz loswird.
Als er dann bei einem unserer Treffen erwähnte, er (übrigens ein gläubiger Moslem) könne nicht verstehen, warum ich nicht regelmäßig in die Kirche gehen würde, begann etwas in meinem Kopf stutzig zu werden. Wie konnte er es nur wagen, meinen Lebensstil zu kritisieren, obwohl wir uns erst so kurz kannten, ohne vorher nach Gründen zu fragen?
Ich fragte eine meiner muslimischen Freundinnen um Rat, welche aber die Situation als vollkommen normal und mich als hyperventilierende deutsche abstempelte.

Wie die Stimmung kippte

Aber mein eigenes Gefühl siegte letztendlich an dem Tag, als er zu einem Auftritt von mir, zu dem ich ihn Wochen vorher eingeladen und bereits mehrfach den Weg erklärt, sowie eine Eintrittskarte an der Kasse hinterlegt hatte, einfach nicht auftauchte.
Er begründete dies mit „ich mache Ramadan, du musst doch Rücksicht auf mich nehmen“. Mein Kopf rebellierte gegen diese Aussage und wollte nicht recht verstehen, was die Fastenzeit damit zu tun haben sollte, dass mein Freund ein kleines ignorantes Arschloch war, welches nichts Besseres zu tun hatte als mir ein schlechtes Gefühl zu vermitteln. Was sollte Ramadan damit zu tun haben, dass er sich nicht für eine Stunde in ein Publikum setzen konnte, gute Musik und ein Theaterstück genießen konnte, während einige meiner muslimischen Orchestermitglieder sogar während Ramadan noch stundenlang in einer brüllenden Hitze (die in unseren Probenräumen permanent herrscht) tanzen und ihren Instrumenten sogar die richtigen Töne entlocken. An dieser Stelle übrigens meinen Respekt dafür!

Wie ich die Sache beendete

Da wurde mir klar, dass ich seine Eifersucht (sogar gegenüber meiner Eltern), seine Ignoranz mir gegenüber und seine Unterdrückung einfach nicht ertragen konnte. Und auch nicht wollte. Ich wollte etwas ganz anderes. Ich wollte frisch verliebt nebeneinander aufwachen. ‚Blöd nur, dass die Verpflichtungen rufen“ denken. Wollte enttäuscht sein, sollte es mein Freund nicht mehr zu der Aufführung schaffen. Und vor allem wollte ich mir nicht zweimal überlegen müssen, wen ich vorziehen würde (in dieser „Beziehung“ währen es ohnehin (wenn auch unterbewusst) immer meine Freunde und Familie gewesen, wie ich hinterher feststellte). Ich wollte meinen Partner auch einmal vermissen dürfen. Also brach das Beziehungsexperiment ab.

Neues Glück

Kurz darauf meinte eine Freundin von mir, sie müsse mich unbedingt neu verkuppeln. So peinlich es auch ist, sie schaffte es – trotz meiner anfänglichen Skepsis. Und ich muss sagen, dass die ganze Sache viel unkomplizierter ist, als die vorherige Geschichte. Eifersucht gibt es nicht, Kontrolle und Ignoranz schon gar nicht.

Fazit

Vielleicht lag es an den kulturellen Hintergründen, vielleicht passten wir auch einfach nicht zusammen – jedenfalls gibt es so einiges was ich gerne aus der ersten Beziehung, von der ich euch erzählt habe, streichen und vergessen würde. Aber eines habe ich doch daraus gelernt: manchmal ist es besser die Dinge zu beenden, bevor sie eskalieren. Man spart sich eine Menge Kummer und Leid.
Daher möchte ich jedem, der in eine blöde Situation kommt viel Kraft wünschen und mich noch einmal bei meiner Mutter – Vera Matt, die Paartherapeutin – bedanken, die mir in dieser Zeit sehr geholfen hat.
Sollte etwas nicht grundlegend stimmen, ist es vielleicht besser sich voneinander zu verabschieden. Sicherlich wird es immer Dinge geben, die als störend empfunden werden, aber das sollte nicht in eine Richtung ausarten, in der es nur noch um das runtermachen des jeweils anderen geht. Persönlich finde ich ja den neuesten Werbespruch von eBay Kleinanzeigen gut, welcher lautet „trenne dich früher von Sachen von früher“.

June Ryders