Krise mit dem Partner durch Zwiegespräch überwinden

Eine verletzende Bemerkung kann bei einem Paar unzählige liebevolle Gesten vernichten.

Das ist so wie beim Hinfallen: es dauert nur Bruchteile von Sekunden. Die Schrammen jedoch können unter Umständen viel länger spürbar sein. Was aber tun, wenn sich bei einem Paar bereits Vorwürfe, Liebesentzug, persönliche Angriffe und Abwertung vom Partner wie ein schlechtes Ritual etabliert haben?

Wir lernen Schreiben, Lesen, Autofahren. Wie aber lernen wir, als Paar glücklich zu sein?

In der Therapie und Coaching für Paare hat sich der kontrollierter Paardialog in Form von Zwiegespräch gut bewährt. Paare schätzen den geschützten Raum, sich ohne Gegenrede und Rechtfertigungstiraden ausdrücken zu können. Beim anderen, zunächst nur zuhörenden Partner wird die sehr förderliche Fähigkeit des „Zuhörens“ kultiviert.

Empfohlen Paaren solche Themen, in sie als Paar das Gefühl haben, nicht verstanden zu werden…

Nach kurzer Zeit wird es den meisten Paaren auch möglich, auch Themen wie Sexualität anzusprechen. Insgesamt kommt es zu einem vertieften Verständnis für den Partner, so dass das Paar im Ganzen gestärkt und entwicklungsfähiger wird.

das Zwiegespräch (nach Lukas Moeller)

Im Zwiegespräch geht das Paar der Frage nach: „Was bewegt mich zur Zeit am stärksten?“ Es gibt kein anderes Thema im Zwiegespräch als das eigene Erleben. Ein Partner erzählt dem anderen Partner, wie er gerade sich, den anderen, die Beziehung und sein Leben erlebt. Die Partner tauschen sozusagen Selbstporträts aus. Dies mutet wie ein Ritual an. Probieren Sie es erst aus, und urteilen dann selbst!

Der Rahmen für ein gelingendes Zwiegespräch ist sehr einfach, so einfach, dass er oft nicht beachtet wird:

Verabreden Sie sich. Paare kommen da mit der Zeit manchmal aus der Übung.

Also: Verabreden Sie sich „So wie damals“

  1. „wann würde es Dir am besten passen“
    Vereinbaren Sie gemeinsam einen Haupt- und einen Ausweichtermin von Anfangs 20 Minuten Dauer pro Woche.
  2. Setzen Sie sich im Zwiegespräch so gegenüber, dass Sie sich in die Augen schauen können.
  3. Die Parole lautet: der eine Partner spricht, der andere schweigt.
    Ich erzähle Dir,

    • was mich zurzeit am stärksten bewegt (oder die letzte Woche besonders bewegt hat) – sei es innerhalb oder außerhalb der Beziehung.
    • was ich fühle
    • was ich denke
    • was ich wünsche etc.
  4. Schweigen und auch schweigen lassen, wenn es sich ergibt.
    Keine Angst. Manchmal sind Pausen sehr produktiv. In der Hypnose zum Beispiel finden während Pausen die meisten inneren Prozesse statt. Zwiegespräche sind kein Offenbarungszwang und ebenso wenig ein Dialog.
  5. für den Anfang für ein Paar außerhalb der Paartherapie sind 20 Minuten genug. Paare in der Paartherapie beginnen gleich mit je 45 Minuten. Dies ist ein großer Zeitraum, der jedoch aus der klinischen Hypnose wissenschaftlich empfohlen wird.
  6. Pünktlich beginnen, pünktlich aufhören. Zwiegespräche nie ohne Uhr oder nach gefühlter Zeit. Bewährt hat es sich, ein akustisches Signal zu programmieren. Halten Sie als Paar sich immer genau an die Zeit. Beide.
  7. Handy etc aus, Störungen vermeiden, Kinder, Hamster und Hunde zur Oma…
  8. Bei sich bleiben – man hat in der Welt des anderen nichts zu suchen, es geht nicht darum, dem anderen zu erklären wie er ist- Selbstporträt ist die Parole. Hinhören das Motto.
    Tipp: Schildern Sie kleine, konkret erlebte Szenen.
    Anschließend verabreden Sie sich mit ihrem Partner erneut.

Tipp aus dem Coaching:

Beachten Sie beim sich verabreden, dass es wirklich für beide einen günstiger Zeitpunkt ist. Die Erfahrung zeigt, dass wenn das Gespräch zu einem bestimmten Zeitpunkt so halb erzwungen wurde Schwierigkeiten absehbar sind.

Regelmäßigkeit ersetzt Kraft. Versuchen Sie, das Zwiegespräch zu einem Paar Ritual werden zu lassen.