Liebeskummer durch Liebesfilm?

Wenn man lange genug Filme geschaut hat, kommt man nicht umhin, das eigene Liebesglück in Frage zu stellen. Denn was wir da so sehen, stimmt mit der eigenen Lebensrealität so gut wie nie überein. Wir streiten uns über Banalitäten, haben manchmal Mundgeruch, sind hin und wieder übellaunig oder ziehen uns zurück und wachen selten umverknittert auf. Auch sind unsere Kinder nie perfekt und durchdesigned. Auch der Sex ist manchmal alles andere als rekordverdächtig, sondern vielleicht einfach nur normal. Dennoch wären wir eigentlich glücklich. Wären da nicht andere Bilder in unseren Köpfen… Selbst Liebeskummer ist im Film sexy.

Viele Menschen messen das eigene Glück in Beziehungen nicht mehr mit dem eigenen Herzen, sondern durch externe Quellen, allem voran die falschen Bilder, die wir in Filmen aufsaugen. Einem solchen Vergleich kann eine echte Partnerschaft, rein analytisch betrachtet, nicht standhalten.

Im echten Leben macht es selten „Bähm“ und der oder die Richtige stehen vor uns, der Blitz schlägt dabei nicht ein, die Geigen fiedeln nicht, sondern die Gefühle bauen sich auf. Die meisten Liebesfilme enden auch genau dann, wenn es aus Sicht einer Paartherapeutin spannend wird –  wenn das Paar richtig zusammen gefunden hat. In Filmen schadet Fremdgehen oder wechselnde Partner der Liebesfähigkeit nicht- doch gibt es diese Leichtigkeit im Bäumchen- wechsel- dich – Spiel des echten Leben so nicht wirklich. Depression, Burnout und echte Sinnkrisen oder innere Leere dagegen werden kaum in einem Film als Folge dargestellt.

Rosamunde Pilcher schafft es immer wieder, statt Liebeskummer Happy Ends zu zeigen, die das echte Leben so nicht kennt. In „Kommissar  Heldt“ haben wir eine Serie, wo die schöne Staatsanwältin immer und immer wieder dem notorischen Frauenheld und drollig prolligen Kommissar treu verfällt… Etwas reeller erscheint mir die Serie „the goodwife“. Hier ist klar, dass jeder sein Ding macht, man jedoch aus politischem Kalkül nach außen hin die Fassade wahrt.

So wie wir zu Anbeginn der Zeiten unseren Kindern am Lagerfeuer Sagen erzählten, um sie mit unseren Werten, Glaubenssätzen  und Überzeugungen zu füttern, kommt diese kulturell grundlegende Prägung heute vom Bildschirm. Da geht es nicht mehr um die Königstugenden eines Schiller, oder um Ehre, Loyalität, Treue sondern meist um Spaß im hier und jetzt und darum, wie leicht es ist, eine dauerhaft glückliche Partnerschaft ohne eigenes Zutun haben zu können. Dies Botschaften prägen sich tief in unser Unterbewusstsein und wirken von dort aus wie das Betriebssystem eines Rechners. Die durch Filme gefütterten Projektionen lassen die Realität schal aussehen. Daraus wird häufig eine grundlegende Unzufriedenheit und ein lebendiger Mensch kann dem aufgesaugtem, unsichtbarem Drehbuch im Kopf des anderen niemals genügen. Das ist auch gut so. Besser jedoch ist es, keine solche unbewusste Programmierung zu haben. Durch innere unwahre Bilder entstandener Liebeskummer ist häufiger als man denkt.

Viele der Beziehungsprobleme in meiner Praxis sind auf unreelle, fixierte Erwartungen zurück zu führen. Viele Menschen haben große Angst vor tiefen Gefühlen. Liebeskummer hat fast immer mit den Zerplatzen einer Projektion zu tun. Vieles erzeugt Projektionen. Nichts jedoch manifestiert sich so gut wie etwas, was wir in Trance aufnehmen. Neben Hypnose mit konstruktiven Suggestionen sind Filme mit unvorhersehbaren Suggestionen wohl die stärksten Möglichkeiten, automatische Vornahmen zu erzeugen.