Wenn das Elternsein zur Trennung führt

Aus einem Liebespaar werden Eltern. Die Rollen von Mann und Frau sind plötzlich festgelegt. Zweisamkeit tritt in den Hintergrund, Mehrsamkeit ist Alltag. Das führt nicht nur zu Krisen, sondern oft auch zur Trennung.

Überforderung statt Glück

Nach der Geburt des ersten Kindes kommt für viele Paare mit der Glückseligkeit auch die Überforderung. Der Alltag mit einem Baby kann sehr stressig sein. Erstmal ist ja kaum an einen Tages- oder Nachtrhythmus zu denken. Manche Babys weinen sehr viel. Viele Eltern verzweifeln daran. Schlafmangel und Erschöpfung führen zu blank liegenden Nerven. Viele frischgebackene Eltern streiten sich heftiger als sonst in dieser Zeit. Desillusionierung tritt ein. Statt sich gegenseitig zu unterstützen, fühlen sich viele Paare vom Anderen noch abmontiert und hängen gelassen. Dazu kommt dann noch die fehlende Zweisamkeit und eine komplette Umstellung der Lebensgewohnheiten. Spontanes Ausgehen, Durchfeiern oder romantische Inszenierungen sind erstmal gestrichen. Zumindest für einen der Beiden. Es wird immer häufiger über eine Trennung nachgedacht.

Da es kaum noch zu Erholungszeiten kommt, gelingt es häufig auch nicht mehr, den Anderen so charmant zu behandeln, wie vor der Geburt des Kindes. Ernüchterung und Enttäuschung über die Beziehung machen sich breit. Vorwürfe und Forderungen machen die Situation nicht besser.

Eine Trennung nach der Geburt ist keine Seltenheit

Solche Erfahrungen sind leider keine Seltenheit, glaubt man Statistiken. Rund 40% aller Scheidungen (ohne die Trennung von Nichtverheirateten mit einzurechnen) finden im ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes statt. Ohne Trauschein wird das vermutlich noch viel öfter passieren.

Es gibt zu wenig Vorbereitung für Paare

Aus meiner Sicht sind die meisten Eltern zwar gut vorbereitet, was ein Kind so braucht oder wie die Geburt gut stattfinden kann. Ein schicker Kinderwagen und süsse Kleidung jedoch reichen an Vorbereitung nicht aus.

Was den Alltag mit einem Baby für die Partnerschaft bedeutet, scheint vielen Paaren nicht bewusst zu sein. Es muss klar sein, dass danach nichts mehr so ist wie vorher, sich alles ändert. Für beide. Häufig höre ich in der Praxis, dass Frauen klagen, weil der Mann weiterlebt wie vorher. Männer wünschen sich beides, Familienglück und erfülltes Berufsleben. Rund 60% aller Männer (Familienreport) finden es ideal, wenn die Frau in den ersten Jahren des Kindes beruflich zurück steckt. Leider sehen das laut Statistik die meisten Frauen jedoch völlig anders. Hier steckt viel Konfliktpotential!

Häufig bleibt die Frau zuhause bei den Kindern, weil sie weniger Geld verdient als ihr Mann. Da Männer dann alles Finanzielle alleine meistern müssen, sind sie weniger zuhause. Häufig wird sogar mehr gearbeitet als vor der Geburt, um ihr fehlendes Gehalt auszugleichen. Frauen managen zuhause alles, sind oft jedoch unglücklich, alleine gelassen und fühlen sich nicht gewürdigt. Unterstützung oder Anerkennung vom Mann fehlt meistens ziemlich, da auch er meist todmüde ins Bett fällt. So schleicht sich rasch Auseinanderleben ein. Jeder fühlt sich wie ein Rädchen im Getriebe, alles ist organisiert und muss funktionieren. Eine Trennung scheint für viele junge Eltern der einzige Ausweg zu sein, um wieder glücklich werden zu können.

Auseinanderleben statt sich mitzuteilen

Kommunikation wird häufig Mittel zum Zweck und dient der Alltagsverwaltung. Aus Liebespaaren werden so schnell hochfunktionale Eltern. Zwar läuft der Alltag reibungslos, es kommt jedoch kaum noch zu einer echten Begegnung des einstigen Liebespaares. Jeder der Beiden fühlt sich unverstanden und ungesehen. Es gibt kaum tiefe Gespräche, es wird nicht mehr über Gefühle, Gedanken oder Träume gesprochen. Dadurch setzt eine Entfremdung ein. Streit entsteht. Dadurch entstehen Teufelskreise. Je kleiner die gesunden Schnittmengen, die durch gute Kommunikation entstehen würden, umso wahrscheinlicher wird es, dass Nähe im negativen Sinn durch Streit aufgebaut wird.

Häufig fühlen sich junge Väter ausgegrenzt. Die Frau verbringt den ganzen Tag mit dem Kind. Es wird zum engsten Vertrauten. Alle Aufmerksamkeit der Frau wird scheinbar den Kindern gewidmet. Oft sind die Kinder auch ziemlich mutterfixiert. Männer sind oft pragmatischer als Frauen. Wenn sie sich so außen vor fühlen, wird eine Trennung als immer wahrscheinlichere Möglichkeit ins Auge gefaßt

Auch Frauen beklagen sich, dass Männer die Kinder auf einen Thron setzen würden. Sie selbst fühlt sich als Beiwerk, beklagt sich, dass er sein Ding machen würde. Fühlt sich unwichtig, unverstanden und nicht unterstützt. Häufig haben Frauen den Eindruck, er lebt weiter wie vorher, während sie keinen Schritt mehr alleine machen kann.

Wenn Ihnen das irgendwie bekannt vorkommt, kann auch Ihnen statt einer Trennung eine gute Paartherapie helfen!