Schuldzuweisung: So kommst du aus der „Du bist schuld“-Falle

Schuldzuweisung: Paar, jeder zeigt woanders hin.

Es ist wie im Sandkasten. Du bist schuld! Nein du bist schuld. Schuldzuweisungen in Partnerschaften haben tiefere Gründe als damals, als es um das Schäufelchen ging.

Hannah ist mit ihrem Freund im Auto unterwegs. Sie wollen ein befreundetes Paar treffen und zusammen einen Ausflug mit Picknick machen, es gibt eigentlich gar keinen Grund für eine Schuldzuweisung. Hannah sitzt am Steuer. Ihr Freund sagt: „Fahr schneller, siehst du denn nicht, dass da einer kommt?“ Kurze Zeit später ruft er: „Gib endlich Gas! Wir kommen viel zu spät, du fährst wie eine Schnecke!“ Dann meckert er, weil er keine Lust auf Picknick hat und nur ihr zuliebe zugestimmt hatte. Später wird er vor den Freunden sagen, dass das Picknick seine Idee war und er sich sooo gefreut hätte. Doch zurück im Auto auf der Heimfahrt schimpft er mit Hannah: „Wegen dir konnte ich mein Buch nicht zu Ende lesen, du wolltest ja unbedingt mit diesen Langweilern picknicken. Du bist schuld, dass ich schon wieder kein Wochenende hatte! Dabei hätte ich mich wirklich mal erholen müssen.“ Und er kritisiert im selben Atemzug erneut an ihrem Fahrstil herum.

Hast du so etwas schon einmal erlebt? Kennst du das Gefühl, wenn Schuldzuweisungen locker sitzen und du kritisiert wirst, egal was du machst?

Schuldzuweisung: Alarmsignal für die Partnerschaft

Solange ihr an euch und eure Partnerschaft glaubt, werdet ihr euch gegenseitig nicht die Schuld an irgendetwas geben. Eine glückliche Partnerschaft geht davon aus, dass alles Gute vom Partner und alles Problematische eher von einem Selbst ausgeht. Das ist die Garantie dafür, dass sich jeder gern um den Anderen bemüht. Statt einer aufkommenden Schuldfrage, findet in einer glücklichen Partnerschaft zwar schon eine Problemerhebung statt, doch anschließend werden Lösungen statt Schuldige gesucht.

Zusammen mit Schuldzuweisungen kommen auch Strafen, Gefühlskälte, Liebes- oder Sexentzug in eine Partnerschaft. Das kann ganz schon Entmutigen, Kraft kosten und den Gedanken an Flucht erzeugen.

Schuldzuweisungen in der Partnerschaft sind immer Alarmzeichen. Neben Verteidigung, Kritik und Einmauern gelten Schuldzuweisungen als apokalyptische Reiter, die ernsten Krisen in einer Partnerschaft vorauseilen.

Was steckt hinter Schuldzuweisungen?

In jeder Partnerschaft gibt es Gespräche, um zu wachsen. Das soll auch so sein! Es ist wichtig, Dinge anzusprechen, um vorwärts zu kommen. Das hat mit Schuldzuweisungen nichts zu tun.

Wenn jemand mit Schuldzuweisungen um sich wirft, wirkt das arrogant, unnahbar und soll wohl Überlegenheit demonstrieren. Vielleicht sollst du dich klein und unzulänglich fühlen.

Doch wenn jemand dir die Schuld an etwas zuspricht, heißt das, dass du auch die Verantwortung hast. Wenn du an etwas schuld sein kannst, bist du nicht das Opfer, zu dem dich der Beschuldiger womöglich gerne machen wollte. Denn werverantwortlich ist, hat die Macht. So geht das Spiel.

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Du bist schuld! Oder die Umstände. Aber niemals der Beschuldiger selbst. Er oder sie hätte ja, aber wegen … konnte er leider nicht.

Hinter Schuldzuweisungen steckt meist Angst. Hinter vielen Vorwürfen verbirgt sich eine Art selbstzerstörerischer Vorwegnahme eines befürchteten Ereignisses.

Es gibt psychische Krankheitsbilder, zu denen Schuldzuweisungen absolut dazugehören. Doch normalerweise finden Schuldzuweisungen auch aus folgenden Gründen statt:

  • Bequemlichkeit: Ausreden und den Partner zu beschuldigen sind einfacher, als die Verantwortung zu übernehmen, sich selbst zu reflektieren oder das eigene Verhalten infrage zu stellen.
  • Gewohnheit: Selbstmitleid, jammern und in die Opferrolle zu gehen, kann man sich früh im Leben angewöhnen und aus Gewohnheit beibehalten. Das kann man sogar mit einer weiteren Schuldzuweisung argumentieren: So bin ich halt. So hat man mich erzogen.
  • Sich besser als die anderen fühlen: Wenn andere schuld sind, dann ist man moralisch überlegen.
  • Geringer Selbstwert: sich selbst aufwerten, indem man andere abwertet.
  • Projektion: schlechte Laune, Ärger oder Frust an anderen auslassen. Deshalb werden metaphorische Haare in der Suppe platziert, um Dampf ablassen zu können.

Hannahs Freund übrigens hatte einfach nur schlechte Laune. Er hatte insgeheim keine Lust auf den Ausflug, weil er zugenommen hatte und ihm das ziemlich peinlich war. Dieser Zusammenhang war ihm jedoch nicht bewusst.

Du bist schuld ist wie Schwarzer Peter spielen

Schlechte Laune kann man an anderen auslassen. Dann bekommen die auch schlechte Laune. Vielleicht werden sie auch zickig, laut oder aggressiv. Das kannst du dann ansprechen und die Anderen in die Ecke stellen.

Ich vergleiche das gern mit dem „Schwarze Peter“-Spiel meiner Kindheit. Du hast etwas, was du schnellstmöglich loswerden willst. Wirst du damit ertappt, hast du verloren.

Schuldzuweisung statt Problemlösung

Hannahs Freund kannte sein Problem nicht. Wäre es ihm bewusst gewesen, hätte er zwar nicht schnell abnehmen können, doch er hätte nicht auf Hannah herumhacken müssen. Er hätte andere Möglichkeiten finden können, an dem eigentlichen Problem zu arbeiten.

Das ist der Punkt: Wer mit Schuldzuweisung arbeitet, nimmt sich aus der Problemlösung heraus. Das ist schade, weil ein Kreislauf entsteht.

Wenn ich keine Verantwortung übernehmen will, sehe ich sie außerhalb meines Wirkungsfeldes. Das mag in vielen Fällen richtig sein. Im partnerschaftlichen Konflikt jedoch geht es um die Interaktion. Übernimmst du dort keine Verantwortung und schiebst die Schuld auf deinen Partner/deine Partnerin, dann sagst du indirekt damit, dass du nicht daran glaubst, selbst eine Veränderung bewirken zu können, dass du dich hilflos fühlst.

Wie oben gesagt: Glückliche Paare suchen die „Schuld“ für Glück beim Anderen und die Ursache von Problemen zuerst bei sich selbst.

Angst vor Strafe

Hinter Schuldzuweisungen verbergen sich auch schwierige Erfahrungen aus der Kindheit. Wurdest du bei etwas erwischt, konnte es sein, dass du mit einer Lüge, die man dir glaubte oder nicht, davon gekommen bist. Sagtest du jedoch die Wahrheit, wurdest du in jedem Fall bestraft. Viele Kinder lernen zu petzen, um selbst gut dazustehen. Manche von ihnen lernen auch, falsch zu petzen.

Mein eigener kleiner Bruder stand einmal Vanillekipferl im Mund kauend vor unserer Mutter, als sie fragte, wer hat die Plätzchen geraubt? Er: Die Vera war´s. Nice. Ich wurde ausgeschimpft 🙂 Was hat er dabei wohl gelernt?

Wie du reagierst, wenn dein Partner dir ständig „du bist schuld“ vermittelt

Schuldzuweisungen drücken einerseits die Ängste deines Partners aus, andererseits sind sie meist fehlenden Kommunikationsfähigkeiten geschuldet. Hinter dem „du bist schuld“ verbirgt sich ein Änderungswunsch. Warum auch immer dieser als Schuldzuweisung mittgeteilt wurde. Du kannst als Reaktion die Perspektive wechseln und auf den danhinterliegenden Veränderungswunsch eingehen.

  • Versuche, den positiven Wunsch hinter der Schuldzuweisung zu formulieren
  • Sprich die wahrgenommene Unzufriedenheit an
  • Biete eine Veränderung an

Es gibt aber auch toxische Partnerschaften. Statt dem Wunsch nach der Lösung eines Problems, einer Verbesserung der Partnerschaft haben die Schuldzuweisungen dort ein anderes Ziel. Sie sollen dich klein, gefügig, quadratisch-praktisch-gut halten. Wenn das der Fall ist, brauchst du etwas anderes als Tipps, wie du aus der „Du bist schuld“-Falle heraus kommst.

Doch wenn dein ansonsten toller Partner/deine Partnerin gerade seine Phase des lebendigen Vorwurfs hat, kannst du es auch mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein, Schlagfertigkeit und Humor versuchen:

  • Was genau meinst du denn jetzt mit diesem Seufzer?
  • Einfach lachen, als ob dein Partner einen guten Witz gemacht hätte.
  • Tut mir echt leid, dass du das denkst. Ich denke das nicht.
  • Interessant: Ich komme hier rein und du sagst das. Hmmmm?
  • Benenne, was du wahrnimmst
  • Uiiiiiii, die Pfeile fliegen aber tief
  • Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich gerade richtig verstanden habe. Was genau hast du gemeint?

Mach dir klar, dass du mit der Schuld sowohl die Verantwortung, als auch die Macht zugesprochen bekommst. Nicht du bist somit das Opfer, sondern der Beschuldiger ist es. Nimm das Päckchen nicht an. Bleib in deiner Selbstverantwortung und frage dich, was du für dich tun kannst, um dich weiterhin gut zu fühlen.

Schluss mit Schuldzuweisungen

Wie reagierst du, wenn du dich ärgerst? Sobald du unwillig, grießknöddelig, maulend oder ungehalten reagierst, bestrafst du deinen Partner. Das bedeutet jedoch nichts anderes, als dass du auch ohne es ausgesprochen zu haben von einer Schuld ausgehst. Willst du das?

Vermutlich ist dir das nicht bewusst, oder?

  • Vorwürfe bringen dir keine glückliche Partnerschaft
  • Was möchtest du wirklich?
  • Wie kannst du das Problem lösen?
  • Kannst du es auch konstruktiv ausdrücken

Was kannst du tun? Du sollst nicht säuselnd im Singsang „alles ist schön“ sagen, wenn dich etwas ärgert. Doch ich empfehle dir, nur zwei Fragen zuzulassen, erstens: „Was wollen wir tun, um das Problem zu lösen?“

Nach dieser Frage kannst du die zweite stellen: „Wie können wir sicherstellen, dass das Problem nicht wieder auftritt?“

Diese beiden Fragen führen dich viel weiter, als es Schuldzuweisungen je könnten.

Hannah hat ihren Freund übrigens einfach maulen lassen. Doch später sagte sie: „Grumpy Cat, was ist eigentlich los?“ Kraulte sein Kinn und sagte ihm, dass er schnurrend so süß und so sexy wäre. Seither macht sie immer irgendwelche Katzen-Andeutungen, schnurrt, faucht, knurrt, hält die Hände wie Öhrchen an ihren Kopf oder nennt ihn Peterle, Katerle oder Maunzi, wenn er wieder herumstänkert. Meistens muss er dann lachen und die Wölkchen sind verflogen.

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