Warum Verliebtsein keine Liebe ist

Warum verliebt sein keine Liebe ist. Zwei Schwäne bilden mit ihren Hälsen ein Herz.

Verliebt sein - die Droge, die den Erstkontakt ermöglicht. Doch jeder Rausch lässt einmal nach.

Horst und Uschi waren zwei Teenager, die sich mit Schüchternheit, Selbstzweifeln und Pickeln herumschlugen. Von Gefühlen des verliebtseins keine Spur. Da hatte Gott Mitleid und erschuf die Faszination für das andere Geschlecht. Schnell konterte der Teufel, indem er die Angst vor Ablehnung in die Welt brachte. Gott hielt dagegen und gab den Menschen die Sehnsucht mit. Nun raufte sich der Teufel die Haare und zwang sich zum Nachdenken.

Nach langem Grübeln erschuf er die Verliebtheit samt Schmetterlingen im Bauch, rosaroter Brille, hormonellem Supergau, speziellen Hirnstrukturen, absoluter Fixierung auf den anderen und dem unwiderstehlichen Drang, den anderen Menschen ausschließlich für sich selbst haben zu wollen. Nebenbei erfand der Teufel die Projektion, Heilsversprechen, den Tunnelblick, Komm-her-geh-weg-Spiele, die Untreue, die Lüge und einiges obendrein. Er war euphorisiert und gleichermaßen selbstverliebt und sprudelte über vor Schöpferdrang.

Das Spiel zwischen Anlocken und Verlustangst zu erzeugen, gefiel im gar wohl.

Gott runzelte die Stirn und erschuf die Zunft der Paartherapeuten. Er hatte keine Lust mehr, sich mit diesem Chaos zu beschäftigen. Zumindest erzählt man sich das so hinter vorgehaltener Hand; schon seit Generationen.

Verliebt sein

Wer verliebt ist, spürt einen ungeahnten Kräfteschub, braucht kaum noch Schlaf, vernachlässigt Freunde, bombardiert das Objekt seiner Begierde mit Nachrichten, kauft sich neue Kleidung, telefoniert stundenlang und ist wie im Rausch unterwegs. Wird er oder sie nicht erhört oder spielt der oder die Angebetete Spielchen, verschlimmert sich das Ganze, angereichert durch Stiche ins Herz, Verlust des Bodens unter den Füßen und Symptome eines kalten Entzuges.

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Was im Gehirn passiert

Was während dieses Ausnahmezustands im Gehirn passiert, wurde in den vergangen Jahren intensiv erforscht. Im MRT (Magnetresonanztomografie) zum Beispiel konnte Dr. H. Fisher nachweisen, dass nicht nur vermehrt Dopamin ausgeschüttet wird, sondern auch Areale aktiv sind, die sonst nur in akuten Wahnanfällen oder unter Drogeneinfluss tätig werden.

Verliebt sein ist ein rauschartiger Zustand

Abhängigkeit und Projektion sind starke Themen. Verliebte sehen im anderen das, was sie sehen wollen. Sie deuten ein perfektes Wesen in den anderen Menschen hinein. Je idealisierter die Betrachtung, umso tiefer der unvermeidliche Sturz. Denn kein Verliebtsein ist lange aufrecht zu erhalten. Das würde unser Gehirn gar nicht aushalten. Der Rausch verfliegt und entweder ist schon eine gute Basis der Liebe entstanden oder heftiger Liebeskummer beginnt. Letzteres kann durchaus mit dem kalten Entzug von einer harten Droge verglichen werden.

Verliebt sein ist für junge Menschen wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, über den eigenen Schatten zu springen und sich einem potenziellen Partner anzunähern. Der junge Horst und seine Uschi hätten sich wohl sonst nie angesprochen.

Nach der Verliebtheitsphase sollte am Abbau der Verklärung des anderen gearbeitet werden und auf die tieferen, ruhigen Gefühle geachtet werden.

Im Laufe des Lebens wird man weiser, ruhiger und geduldiger … und vertraut eher dem Schwan im Herzen als dem Schmetterling im Bauch.

Quellen:

[1] Jankowiak WR and Fischer EF. A cross-cultural perspective on romantic love. Ethnology 31: 149–155, 1992
[2] Aron, A., Fisher, H., Mashek, D. J., Strong, G., Li, H., & Brown, L. L. (2005). Reward, Motivation, and Emotion Systems Associated With Early-Stage Intense Romantic Love. Journal of Neurophysiology, 94(1), 327-337.

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