Pubertät: Zerreißprobe für die Eltern

Noch vor wenigen Tagen saß ein liebes, süßes Mädchen am Frühstückstisch. Scheinbar über Nacht hat die Pubertät sie sich zu einem unbeherrschten, rotzfrechen Geschöpf verwandelt.

Statt freundlicher Gespräche ist sie streitlustigen und extrem reizbaren Pulverfass geworden. Dieses Geschöpf terrorisiert die ganze Familie mit unkontrollierten Wutausbrüchen und Forderungen. Es knallt mit den Türen und hält sich an kein Familienritual, Aufgabe im Haushalt oder gar an eine Absprache. Das eigene Zimmer gleicht einem biologischen Langzeitversuch: schmutzige Unterwäsche auf verschmiertem Teller an Schulheft. Auch drohen diese Wesen mit allem möglichen, um irgendwelche Dinge durch zu setzen.

Pubertät lässt Eltern zweifeln

Gottseidank führen diese Wesen ein Doppelleben. Wer diese Geschöpfe außerhalb der eigenen vier Wände erlebt, kennt nur die zuckersüße, höfliche, charmante und ach so reife Seite. Klagen die Eltern, schütteln Außenstehende ohne eigene Kinder nur die Köpfe.

Je selbstbewusster ein Kind erzogen wurde, umso heftiger pubertiert es. Sagt man. Das hat man nun davon. Das hängt mit dem reifen des Gehirnes zusammen und hat mit den Abnabelungsprozessen zu tun. Prof. Ralph Dawirs sagt, „Eltern kriegen genau die Teenager, die sie verdienen“.

Pubertät stellt Freundschaften auf die Probe

Was sich da familiär in hohen Wogen auf rauer See ausdrückt, hat eine biologische Ursache. Das jugendliche Gehirn wird mit dem Eintritt der Geschlechtsreife auf Abnabelung und Machtübernahme gepolt. Mit dem Zurechtkommen der körperlichen Veränderungen müssen sich die jungen Menschen auch von ihrer Kindheit verabschieden. Sie müssen ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Das kann nicht ohne Blessuren auf Seiten der Eltern und der Jugendlichen stattfinden! Jugendliche trainieren ihre Konfliktfähigkeit und lernen für die eigene Meinung einzustehen, Regeln zu akzeptieren und auch, Kompromisse zu schließen. Das zumindest ist das Ziel. Der Weg dahin ist turbulent.

Pubertät ist, wenn Eltern schwierig werden

Da Mutter Natur es versäumt hat, das Handbuch für die Pubertät mit zu liefern, wird kein biologischer Schutzmechanismus für die geplagten Eltern aktiviert. Die Nerven werden nicht automatisch gestärkt, der Schlaf wird nicht tiefer und es wird auch keine vermehrte Aktivierung von Glückshormonen oder Gelassenheit aktiviert. Statt dessen liegen die Nerven liegen blank und beide Eltern streiten sich häufiger.

Was können Sie als Eltern tun?

Laut Prof. Dawirs ist es wichtig, konsequent und transparent zu bleiben und klare Grenzen zu setzen. Einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, hilft nicht, die Pubertät gut zu überstehen. Zum Erwachsensein gehört Selbstverantwortung dazu. Dies muss der junge Mensch lernen. Das ist oft sehr schmerzhaft, aber der einzige Weg. Packt man junge Menschen in Watte oder gibt ihnen recht, um weitere Konflikte zu vermeiden, führt dies zu einem gefährlichen Mix an Selbstüberschätzung und Überheblichkeit.

Das bedarf guter Zusammenarbeit beider Eltern, um sich situativ nicht in den Rücken zu fallen. Denn auch hier wird die eigene Macht Pubertierender gerne erprobt: Erwachsene werden gegeneinander ausgespielt.