Angst vor Nähe – reicht mehr Mühe geben?

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Manche Menschen schlittern unbewusst von einer Beziehungskatastrophe in die nächste. Sie glauben, einfach nicht den richtigen Menschen zu finden. Sie schauen meist auf länger gebundene Freunde herunter und belächeln insgeheim genau das, was sie sich am sehnlichsten wünschen. Dabei haben Viele einfach nur Angst vor Nähe. Das ist ein sehr häufiges Thema in der Paartherapie!

 

Angst vor Nähe ist das Leiden an der eigenen Sehnsucht

Angst vor Nähe kann mit einer Bindungsstörung zusammenhängen. Bindungsgestörte befinden sich in bester Gesellschaft. Es gibt Autoren, welche am liebsten unserer gesamten Generation diese Diagnose verpassen würden.

Bindungsgestört ist man jedoch noch lange nicht, wenn man sich zeitweise nicht auf eine feste Partnerschaft einlassen will.

Psychotherapeutin Prof. Dr. Kirsten von Sydow erklärt Bindungsstörung mit folgenden Worten:

„Wenn jemand sich nicht auf eine feste Beziehung einlassen möchte, ist das für den, der mehr möchte, zwar schmerzlich, doch solange der Betroffene sich damit wohl fühlt, ist die Ablehnung noch kein Anzeichen einer Störung. An eine Störung ist dann zu denken, wenn der Betroffene selbst sehr unter seinem eigenen Verhalten leidet, sich beispielsweise seit Jahren eine feste Beziehung wünscht, aber unfähig ist, emotionale und sexuelle Intimität zuzulassen oder zwar kurze Beziehungen haben kann, aber kneift, wenn es möglich wäre, eine Beziehung zu vertiefen.“

An der Angst vor Nähe ist die Kindheit schuld (…wie immer?)

Fast alle Menschen tragen eine tiefe Sehnsucht nach emotionaler Sicherheit, Geborgenheit, Nähe und erfüllender Beziehung in sich. Traumatische Erlebnisse in den ersten Monaten unseres Lebens sind prägend. Eine gestörte Bindung zu unserer engsten Bezugsperson führen später oft zu Problemen in der Partnerschaft. Eine solche unbewussten Erfahrungen ist tief in unser System verankert und kann unser Bindungsverhalten lebenslänglich prägen. Es ist mit purer Willenskraft äußerst schwierig, diese tief verinnerlichten Ängste im Erwachsenenalter los zu werden.

Es muss nicht immer Gewalt, sexueller Missbrauch oder ein häufiger Wechsel der Bezugspersonen sein, Vernachlässigung oder liebloses Verhalten der Eltern reichen schon.

Angst vor Nähe – Kontrolle behalten

Es wurde gelernt, dass es keine emotionale Sicherheit gibt. Diese Sehnsucht wurde  immer enttäusch. Daraus entsteht der Eindruck, dass man am besten damit fährt, wenn man niemals seelische Bedürfnisse zeigt. Menschen mit Angst vor Nähe wollen immer die Kontrolle behalten, weil auf unbewusster Ebene die Gewissheit besteht, dass jede Minute etwas Schlimmes geschehen könnte. Früher durch die Eltern, später durch den jeweiligen Partner. Dem wird vorgebeugt.

Leider besteht eine große Neigung, aus einer solchen Bindungsstörung heraus eine manifeste psychische Störung zu erleiden.

Gesundlieben? Neue, gute Erfahrung?

Positive Erfahrungen in einer Partnerschaften können Angst vor Nähe heilen. Sagen Kollegen.

Meine Erfahrung jedoch ist, dass das nur bedingt stimmt. Die Frage ist aus meiner Sicht eher: wieviel Nähe wird ertragen? Je mehr Gefühl im Spiel ist, desto größer die Angst vor erneuter Verletzung durch befürchtete Zurückweisung. Das bedeutet, wenn mehr Nähe entstanden ist, wird das Bedürfnis größer, auf Abstand gehen zu müssen. Angst vor Nähe ist ein Perpetuum mobile.

Meine Beobachtung: Angst vor Nähe und Sehnsucht nach Nähe sind die Seiten ein und derselben Müntze.

Je größer die Anstrengung, Nähe zu erzeugen, umso größer wird die Angst. Denn je härter ich auf den Lukas haue, umso höher fliegt das Teil. Unbewusste Programme sind an bestimmte Auslöser gekoppelt. Je mehr ich auf die Auslöser achte, umso mehr aktiviere ich eben diese.

Angst vor Nähe – der Alltag

Wer also Angst vor Nähe hat, zieht sich zurück. Rückzüge können auch getarnt sein. So wird jemand sich vielleicht nicht räumlich zurückziehen, sondern gemein oder aggressiv sein. Dadurch schafft zB Horst Distanz. Denn wenn sich Uschi beleidigt zurückzieht, hat Horst seine Ruhe. Kontert Uschi, kann er das Ganze umdrehen und sich selbst beleidigt und sie ignorierend zurückziehen. In einer Kennenlernphase ist dies häufig so, dass mir Frauen erzählen, dass alles toll war, intensive Gefühle im Spiel waren, aber der Mann sich einfach nicht mehr meldet. Manche Frauen beginnen dann zu leiden, versuchen den armen Mann zu „heilen“, was eigentlich immer zu einer Verschlechterung der Situation führt. Diese Frauen haben meist auch einen Bindungsstil, der sie leidensfähig macht.

Vorwärts bringt eine solche Verbindung in den meisten Fällen keinen.

Kluge Frauen oder Männer hingegen fragen sich: Will ich das? Macht mich das glücklich? Und genießen ihr Leben. Und der Partner macht eine Therapie. Denn ohne Hilfe wird das schwierig.

Angst vor Nähe durch Ex

Sehr selten habe ich erlebt, dass im erwachsenen Alter durch extreme Enttäuschungen in Partnerschaften echte Bindungsstörungen entstanden sind.

Was tun?

Erfahrungsgemäß ist es sehr schwer, die Angst vor Nähe selbst in den Griff zu bekommen. Auch als betroffener Partner können sie nicht wirklich helfen. In meiner Praxis analysiere ich Bindungsstile und wende daraus resultierende Beziehungsprobleme ab. Ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und einer glücklichen Beziehung darf sich zeigen und dürfen sich bessere Wege entwickeln, seelisch geschützt zu bleiben. Hierbei hat sich Hypnose bestens bewährt.

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