Emotionale Abhängigkeit – needy sein

Emotionale Abhängigkeit – needy sein. Mann mit großen braunen Augen schaut bedürftig. Er hat den Kopf in die Hand gestützt.

Viel hilft viel sagt man. Funktioniert das auch, wenn du gemocht werden willst?

Hin und wieder fahre ich gern mit dem Zug. Einerseits ist das sehr entspannt, andererseits sind da immer viele junge Menschen. Dabei bekomme ich häufig sowohl tolle Ideen als auch spannende Einblicke. Zum Beispiel, wie Jugendliche ihre erste Liebeserfahrungen erleben und verarbeiten. In der vergangenen Woche hörte ich zwei Mädchen zu. Der einen ging es wirklich schlecht. Sie hatte sich verliebt und schon sooo lange schrieb er nicht zurück. Keine WhatsApp oder keine SMS auf dem Handy! Sehnsucht nach einem Zeichen von ihm … und die Eifersucht, weil er doch bei WhatsApp gerade „on“ ist, mit wem schreibt er bloß?

Wer nach einem Blick, einer Geste oder dem Beachtet-Werden im Allgemeinen schmachtet, ist needy. Das kommt aus dem Englischen von need = brauchen. Das beschreibt es sehr viel besser als die wörtliche Übersetzung „bedürftig sein“. Wenn du „brauchig“ bist, bist du needy. Das klingt auch cooler als „emotionale Abhängigkeit“ oder „bedürftig“ sein.

Emotionale Abhängigkeit oder fehlende Nähe?

Ist man needy, fühlt man sich irgendwie im Recht. Hier fehlt das Bewusstsein der eigenen Wirkung auf den Partner. Sucht dieser dann das Gespräch und benutzt Worte wie emotionale Abhängigkeit, Klammern oder Druck machen, wird das weit von sich gewiesen. Eine Welt bricht zusammen. Wie kann man nur so missverstanden werden! Das Problem wäre nicht emotionale Abhängigkeit, sondern fehlende Nähe! Das eigene Needy-Verhalten wird nicht als solches gewertet. Ist es soziale Blindheit oder verzerrte Wahrnehmung? Der Grat ist schmal.

Sich needy fühlen – Schmacht und Sehnsucht

Wie fühlt sich emotionale Abhängigkeit an?

Für Menschen, die gerade needy sind, ist es ein Rätsel, wie das eigene Charisma und die eigene Persönlichkeit ausreichend sein könnten, um anziehend auf andere zu wirken.

Das Gefühl, einfach so interessant oder gut gefunden zu werden, fehlt völlig. Vielleicht hast du den Glaubenssatz gebildet, dass du dich sowohl anstrengen und dir Mühe geben als auch über den eigenen Schatten springen musst, um gemocht zu werden. Oder nur, um von coolen Menschen geduldet zu werden.

Typisches Verhalten

Lernst du einen solchen Menschen kennen, wirst du bemerken, dass er von Anfang an zu viel unternimmt, um gemocht zu werden. Er bezahlt die Getränke, das Essen, hält die Autotür auf und redet dir zum Munde. Hofft und bettelt um Treffen, stimmt jedem Vorschlag zu, lässt sich hinhalten, versetzen und nimmt alles hin. Er widerspricht nicht, versucht krampfhaft lustig zu sein oder redet dauernd über sich, seine Erfolge, sein Haus, sein Boot, sein Pferd … oder er schleimt rum und macht Komplimente ohne Ende.

Das fehlende Bewusstsein für den eigenen Selbstwert soll durch materielle Güter, Gefälligkeiten und übertrieben Schmeicheleien wettgemacht werden.

Ist ein Mann needy, kann es sein, dass er sich mit Pick-up beschäftigt. Dann kann er zwar theoretisch verführen, praktisch kommt er so jedoch nie über die eigene innere Bedürftigkeit hinweg. Auf Frauen wirkt das oftmals gruselig.

Needy-Frauen neigen dazu, Männer zu betütteln und zu bemuttern. Auch das ist selten emotional frei oder sexy.

Wie Needy-Sein auf andere wirkt

Wer needy ist, hört aufmerksam zu, versucht sich einzubringen, ist krankhaft witzig, zwanghaft schmeichelnd und hechelt nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, Küssen und Umarmungen. Oder nach Sex.

Ein Needy-Mensch nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um sich irgendwie ins Spiel zu bringen bei dir.

Das Ganze wirkt oft dermaßen gekünstelt und bedürftig, dass keinerlei Anziehung stattfinden kann. Durch die Erwartung, etwas zurückzubekommen für die Bemühungen wirkt das oft sogar abstoßend! Das fühlt sich so an, als ob ein Hund mit den Augen um ein Leckerli betteln würde. Nur nicht so süß. Und das Leckerli bist du.

Du hast nicht das Gefühl, dass das Verhalten echt ist, sondern es gruselt dich. Wie bei einem schlechten Versicherungsvertreter hast du auch hier das Gefühl, dass der Andere nur auf seinen Vorteil bedacht ist. Er tut alles, um genau diesen Eindruck zu verwischen. Doch in der Tat geht es genau darum: Er wünscht sich von dir Aufmerksamkeit, Anerkennung oder deine Zuwendung.

Ihm fehlt Selbstwert und er versucht das zu überspielen. Das klappt aber selten. Meist bemerkst du doch, wie hilflos und verzweifelt der Andere ist.

Statt anziehend zu wirken, wird er abgewiesen.

Was tun?

Bist du needy, musst du an dir selbst arbeiten.

Daher macht es keinen Sinn, andere in eine Art „Bringschuld“ zu stellen. Die jungen Mädchen aus dem Zug wussten es nicht besser, Erwachsene oft auch nicht. Der echte Weg aus diesem Gefühl heraus führt nur durch die Arbeit an der eigenen Authentizität und am eigenen Charisma. Hierbei kann ich dich als Paartherapeutin natürlich professionell unterstützen.

Überspitzt gesagt, wenn dich dein Partner als Stützpfeiler braucht, um fehlende Selbstliebe zu kompensieren, kann es sein, dass du mit der Rolle als Rankhilfe nicht glücklich bist.

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