Kontrollzwang und Eifersucht, wie passt das in eine Beziehung?

Kontrollzwang und Eifersucht, wie passt das in eine Beziehung? Frau schaut über die Schulter.

Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifers sucht, was Leiden schafft... so Franz Grillparzer. Recht hat er!

Kontrollzwang und Eifersucht… und wie das in eine Beziehung passt… ist ein Artikel meiner älteren Tochter. Sie beschreibt berührend, wie es ihr damit erging:

Als meine Mutter mich bat, zu ihrem Geburtstag einen Artikel über Eifersucht aus der Sicht einer 20-Jährigen zu schreiben, freute ich mich erst einmal über diese einfache Aufgabe. Beim Schreiben selbst aber stellte ich fest, dass Eifersucht bei mir eher selten eine große Rolle gespielt hat. Noch nie, um ganz ehrlich zu sein. Mal ganz abgesehen von einem sehr eifersüchtigen Ex-Freund, der mir einmal das Leben schwer gemacht hatte, ist Eifersucht bei mir persönlich kein großes Thema. Aber dazu später, erst mal erzähle ich euch kurz etwas über meine Mutter und mich: Uns verband schon immer ein großes Verlangen nach Freiheit und Veränderung, das sich auch bei meiner kleinen Schwester in etwas veränderter Form zeigt.

Schnell durfte ich feststellen, dass bei mir nicht nur das Reisen Freiheit bedeutet, sondern auch das Weglaufen oder das Verschließen der Augen vor ungewollten Tatsachen.

Einführung

Daher war für mich die letzte, bereits erwähnte Beziehung, eine große Herausforderung. Was aus einem Zufall heraus entstand (und in meinen Augen eine Affäre darstellte), wurde schnell etwas ernster, als er beschloss, er wäre fortan mein neuer Freund. „Nun gut“, dachte ich mir, „probieren wir das aus.“ So nahm das ganze seinen Lauf. Bei jeder Gelegenheit kritisierte er an mir herum. Alle paar Minuten wollte er wissen, was ich weshalb, wann und wo beziehungsweise jetzt gerade machen würde. Als ich einmal meine Familie besuchen wollte, erklärte er mir, ich müsse ihn vorher um Erlaubnis bitten, er könne seine Familie auch nicht eben kurz besuchen. Aber er wollte auch niemanden kennenlernen, nicht einmal meine Eltern. Stattdessen kritisierte er weiter an mir herum, wenn ich das Verlangen verspürte, meine Freunde einmal in der Woche zu treffen oder meine Zeit in Hobbys zu stecken wie das Theater, in dessen Orchester ich spiele. Es ging mit Kleinigkeiten weiter. Als ich einmal meine Haare zu kämmen versuchte, konnte ich dies auch nicht richtig machen. Und Nase putzen durfte ich ohnehin nur bei geschlossener Tür im Badezimmer. Komplett verboten war es, sich einmal nur ein bisschen mehr Zeit für sich selbst zu gönnen, als unbedingt nötig.

Was hat das mit mir gemacht?

Wie bereits erwähnt, war die Bitte um einige Minuten für mich selbst und sei es im Badezimmer, in meiner letzten Beziehung eine Beleidigung für den Partner und immer mit der Frage verbunden, ob ich mit ihm nichts mehr zu tun haben wolle.

Daher war ich nicht selten erleichtert, wenn er oder ich zu einem Termin musste. Aber auch dann war ein Moment Ruhe selten gegeben. Alle paar Minuten meldete sich mein Handy mit neuen Nachrichten, in denen ich gefragt wurde, was ich warum und wann täte und warum ich nicht mehr Zeit mit ihm verbringen würde. Ich fühlte mich sehr eingeengt, da er sich auch sonst zumindest nonverbal an meinen Rockzipfel hängte, wie eine kleine Klette, die man nie ganz loswird.

Eifersucht ist die Leidenschaft,
die mit Eifer sucht, was Leiden schafft

Franz Grillparzer (1830)

Als er dann bei einem unserer Treffen erwähnte, er (übrigens ein gläubiger Moslem) könne nicht verstehen, warum ich nicht regelmäßig in die Kirche gehe, begann etwas in meinem Kopf zu arbeiten. Wir kannten uns erst kurz. Wie konnte er es wagen, meinen Lebensstil zu kritisieren, ohne vorher nach Gründen zu fragen? Eine meiner muslimischen Freundinnen, die ich um Rat fragte, fand die Situation vollkommen normal und stempelte mich als hyperventilierende Deutsche ab.

Wie die Stimmung kippte

Aber mein eigenes Gefühl siegte letztendlich an dem Tag, als er zu einem meiner Auftritte einfach nicht auftauchte. Ich hatte ihn schon Wochen vorher dazu eingeladen und ihm mehrfach den Weg erklärt. Eine Eintrittskarte war für ihn an der Kasse hinterlegt.

Er entschuldigte sich damit, dass er Ramadan mache: „Du musst Rücksicht auf mich nehmen.“ Mein Kopf rebellierte gegen diese Aussage. Ich wollte nicht recht verstehen, was die Fastenzeit damit zu tun haben sollte, dass mein Freund sich wie ein kleines ignorantes Arschloch verhielt. Er hatte nichts Besseres zu tun, als mir ein schlechtes Gefühl zu vermitteln. Was sollte Ramadan damit zu tun haben, dass er sich nicht für eine Stunde in ein Publikum setzen, gute Musik und ein Theaterstück genießen konnte? Einige meiner muslimischen Orchestermitglieder tanzten sogar während des Ramadan noch stundenlang in brüllender Hitze (die in unseren Probenräumen permanent herrscht) und entlockten ihren Instrumenten sogar die richtigen Töne. Dafür meinen Respekt.

Wie ich die Sache beendete

Da wurde mir klar, dass ich seine Eifersucht (sogar gegenüber meiner Eltern), seine Ignoranz mir gegenüber und seine Unterdrückung einfach nicht ertragen konnte. Und auch nicht wollte. Ich wollte etwas ganz anderes. Ich wollte frisch verliebt nebeneinander aufwachen. Ich wollte, „blöd nur, dass die Verpflichtungen rufen“ denken. Ich wollte enttäuscht sein, sollte es mein Freund nicht mehr zu der Aufführung schaffen. Und vor allem wollte ich mir nicht zweimal überlegen müssen, wen ich vorziehen würde. In dieser „Beziehung“ wären es ohnehin, wenn auch unterbewusst, immer meine Freunde und meine Familie gewesen, wie ich hinterher feststellte. Ich wollte meinen Partner auch einmal vermissen dürfen. Also brach ich das Beziehungsexperiment ab.

Neues Glück

Kurz darauf meinte eine Freundin von mir, sie müsse mich unbedingt neu verkuppeln. So peinlich es auch ist, sie schaffte es – trotz meiner anfänglichen Skepsis. Und ich muss sagen, dass die ganze Sache viel unkomplizierter ist, als die vorherige Geschichte. Eifersucht gibt es nicht, Kontrolle und Ignoranz schon gar nicht.

Fazit

Vielleicht lag es an den kulturellen Hintergründen, vielleicht passten wir auch einfach nicht zusammen – jedenfalls gibt es so einiges was ich gerne aus der ersten Beziehung, von der ich euch erzählt habe, streichen und vergessen würde. Eines habe ich jedoch daraus gelernt: Manchmal ist es besser die Dinge zu beenden, bevor sie eskalieren. Man spart sich eine Menge Kummer und Leid.

Daher möchte ich jedem, der in eine blöde Situation kommt, viel Kraft wünschen und mich noch einmal bei meiner Mutter – Vera Matt, die Paartherapeutin – bedanken, die mir in dieser Zeit sehr geholfen hat.

Sollte etwas nicht grundlegend stimmen, ist es vielleicht besser, sich voneinander zu verabschieden. Sicherlich wird es immer Dinge geben, die als störend empfunden werden, aber das sollte nicht in eine Richtung ausarten, in der es nur noch um das Heruntermachen des jeweils Anderen geht. Persönlich finde ich den Werbespruch von eBay-Kleinanzeigen gut, der lautet: „Trenne dich früher von Sachen von früher“.

June Ryders

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