Sexuelle Treue= Besitzdenken?

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In der Biologie wird klar zwischen sozialer und sexueller Monogamie unterschieden. In meiner Praxis nicht, wenn es um Verletzungen dieser Werte geht. Sexuelle Treue und soziale sowie emotionale Treue sind beinahe gleich schmerzhaft.

Surft man ein wenig durchs Netz, wird häufig die Untreue in der Tierwelt zitiert. Sogar Schwäne sollen nun doch nicht sexuell monogam leben. Sie sind sich nur sozial treu.

Polygamie in der Höhle?

Sehr spannend finde ich, zu schauen, seit wann Monogamie eigentlich ein Thema in der Geschichte der Menschheit geworden zu sein scheint. Erste Hinweise vermutet man erst mit Auftreten des Ackerbaus. Davor wurde in großen Gemeinschaften gelebt, die Kinder gemeinsam aufgezogen. Durch das Auftreten des Ackerbaus trat womöglich tatsächlich erstmals Besitzdenken in das Bewusstsein der Menschen.

Ist Treue ein Männer Thema?

Noch spannender finde ich die Frage, wo auf der Erde Monogamie überhaupt thematisiert wird.

Mein Eindruck ist, dass so gut wie in jeder matriarchalischen Struktur sexuelle Treue kein Thema zu sein scheint. Vermutlich liegt das auch daran, dass Besitztümer den weiblichen Nachfahren weiter vererbt werden. Egal von welchem Vater die Tochter abstammt. Jeder Frau ist klar, wer ihr Kind ist. Die Frage nach der leiblichen Elternschaft stellt sich keine Frau. Treue, Untreue oder Monogamie sind in matriarchalischen Kulturen ohne Bedeutung.

Sexuelle Treue und monogame Partnerschaften sind, so scheint es, nur in patriarchalischen Gesellschaftsformen zu finden. So wie jede Frau sich ihrer Mutterschaft sicher sein kann, fehlt diese Sicherheit jedem Mann. Wird nun vom Vater zum Sohn Besitz vererbt, macht es schon Sinn, sich der Vaterschaft sicher zu sein und der sexuellen Freiheit Einhalt zu gebieten.

Heutige Doppelmoral

Die Haltung der Kirche ist klar: die Ehe ist heilig. Die Praxis eindeutig: inoffiziell scheint unter Gläubigen mindestens genau so oft fremdgegangen zu werden.

Gerade in unseren modernen Zeiten ist Angst vor tiefen Gefühlen sehr weit verbreitet. Wenn man sich mehrere Optionen offenhalten, ist ist nicht ganz so schlimm, wenn eine davon wegbringt. Auch das Internet trägt viel dazu bei, dass sich zwar die meisten Menschen vom Partner eine monogame Beziehung wünschen, dies jedoch selbst nicht leisten können.

Kulturtat Treue?

Eine andere Überlegung findet sich, wenn man sich mit Partnerschaften unter dem Aspekt der Bewusstseinsentwicklung beschäftigt. Häufig wird von einer langjährigen Partnerschaft immer noch Verliebtheit erwartet. Es ist vielen schlicht nicht klar, dass Beziehung immer Arbeit ist. Jede Verliebtheit ist nach allerspätestens 3 Jahren verflogen. Ohne beidseitige Arbeit an der Beziehung passiert nichts. Partnerschaft ist nichts natürliches wie das Atmen. Dennoch wird häufig genau dies vorausgesetzt. Partnerschaft ist eine Kulturtat, eine Kunst. Eine glückliche Partnerschaft zu führen kann gelernt werden. Es braucht jedoch Disziplin, eine ganze Menge Arbeit und auch einige persönliche Opfer.

Vor allem die Arbeit an sich selbst ist unabdingbar. Falsche persönliche Erwartungen, Vorstellungen und Illusionen müssen aufgegeben werden. Unter diesem Aspekt betrachtet hat Monogamie sehr viel mit Loslassen zu tun.

Lebt man in einer offenen Beziehungen, ist dies häufig eher so, dass man nach dem Lust und Laune Prinzip Begegnungen sucht. Häufig stellen sich entwicklungsrelevante Fragen nicht so deutlich, wenn man bei kleineren Schwierigkeiten aus dem Kontakt geht und es sich woanders gut gehen lässt. Dadurch wird vermieden, sich persönlich verändern zu müssen. Das ist zwar lustorientiert, hat aber häufig mit Festhalten zu tun. Festhalten an persönlichen Unzulänglichkeiten.

Blinde Flecken

Erstaunlich oft erlebe ich in der Praxis, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Uschi findet es für sich in Ordnung, fremd zu gehen, weil dies weil das. Es wäre auch kein echtes Fremdgehen, sondern in einem ganz anderen Kontext zu betrachten. Insgeheim befremdet es sie, warum Horst solch ein Theater darum macht.

Würde Horst seinerseits mit einer Anderen anbandeln, wäre sie schon eifersüchtig und stark verletzt; womöglich würde sie sich auf der Stelle von ihm trennen.

Besitzdenken ist, die eigenen Gedanken in Stein meißeln zu wollen

Besitzdenken ist meiner Meinung nach, immer dieselben Gedanken denken zu wollen und Angst davor zu haben, sich selbst durch den Partner zu reflektieren, Einstellungen zu überprüfen und möglicherweise loszulassen.

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