Zickenkrieg: Zielsicher die Seele der Anderen verletzten

Was haben ein Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und das Lächeln einer authentischen Frau gemeinsam? So wenig, finden meine paartherapeutischen Kollegen, dass man keine systematische Theorie dazu aufstellen könnte. Doch kann man auch einen Versuch wagen, das anders zu sehen?

Sich selbst zu kennen, fällt den meisten Frauen mit zunehmendem Alter immer leichter. Auch wenn keine von uns jemals das  Gefühl hatte, sich selbst fremd gewesen zu sein. Doch rückblickend kennen wir uns heute besser als z.B. noch vor einem Jahr. Je besser wir uns selbst vertraut sind, umso leichter können wir selbst uns annehmen. Uns akzeptieren, wie wir sind.

Mehr noch: uns lieben wie wir sind.

Zickenkrieg: Bedrohung von außen

Selbstwert und Selbstsicherheit gedeihen am Besten mit Bewusstsein. Dieses Bewusstsein wird niemandem in die Wiege gelegt, sondern entwickelt sich in unterschiedlichen Epochen durch die Biographie hindurch.

Babys haben auch Bewusstsein. Es ist jedoch anders. Ganzkörperfreude oder Ganzkörperungemach. Es gibt nur das hier und jetzt. Bedürfnisse dulden keinen Aufschub. Sie sind wundervolle kleine Menschen.

Nun, was auf dem Weg bis zum Erwachsensein so alles ansteht, kennen wir aus eigener Erfahrung. Die Unsicherheit der Pubertät, das erste Schwärmen, erstes Verliebtsein, das „erste mal“…

Wir suchen uns selbst im Außen. Wer bin ich? Große Frage. Fragmentarische Erkenntnisse. Filigranes Bild.

Eine junge Frau, die sich ihrer selbst überhaupt nicht sicher ist, die sich innerlich weder kennt noch annehmen kann, fühlt sich schnell bedroht. Vor allem von anderen Frauen, denen es womöglich ebenso ergeht, dies aber geschickt zu überspielen versuchen.

Zickenkrieg mit Männern?

Selbstverständlich geht es nicht nur heranwachsenden Frauen so, sondern auch jungen Männern. Doch gehen diese meist mit dieser Unsicherheit anders um.

Wenn sich eine junge Frau von einem jungen Mann verunsichert fühlt, wird sie entweder schüchtern, rot, bewegt sich verkrampft und leidet unter plötzlichen Wortfindungsstörungen. Oder sie meidet seine Gesellschaft, obwohl sie ihn eigentlich mag. Es gibt noch viel mehr Beobachtungen hierzu. Häufig wird z.B. auch kokett geflirtet, um die Verunsicherung zu überspielen.

Ein Zickenkrieg lässt das eigene Selbstbild wackeln

Doch wie anders sieht es aus, wenn eine andere Frau das eigene, noch nicht gefestigte Selbstbild in Frage stellt!

Wir befürchteten in jüngeren Jahren insgeheim aktive, geplante Angriffe anderer Frauen auf uns. Wir vermuteten das Ziel, uns sozial auszugrenzen, zu überflügeln und uns doof dastehen zu lassen. Egal ob das in der Klassengemeinschaft, dem Freundeskreis oder in der eigenen Familie war. Auch unter Kollegen. Wir wollen gemocht, anerkannt und akzeptiert werden.

Zickenkriege zielen auf Ausgrenzung ab

Wir wollen dazu gehören, integriert sein! Das betrifft auch unser Arbeitsumfeld. Denn wir Frauen machen meist keine scharfe Trennung zwischen befreundet sein und nur neutrale Kollegin. Gibt es das überhaupt, eine neutrale Kollegin? Eine spannender Studie über Frauen im Zickenkrieg finden Sie bei Sage Journals.

Knirscht es unter Frauen, fühlen wir uns je nach entwickeltem Selbstbild mehr oder minder umfassend abgelehnt. Das kann bis zu einem Zusammenbruch des Selbstwertes führen. Da der Auslöser hierzu von einer anderen Frau gekommen ist, neigen wir dazu, das sehr persönlich zu nehmen. Vielleicht nicht sofort, sondern umgehend erfolgt meist eine Art Retourkutsche. Wir leiten wir Maßnahmen ein, die leider meist nicht unser eigenes Selbstwertgefühl aufbauen, sondern das der Anderen schwächen wird.

Was wäre, wenn…?

Wären wir so richtig selbstsicher, hätten wir ein stabiles Selbstbild. Es würde nicht wackeln, egal was von Außen auf uns einprasseln würde. Wir würden Kritik als Feedback werten, nicht als Angriff.

Dieses Feedback würde uns wertvolle Hinweise geben, wie die Feedlbackgeberin uns wahrnimmt, was ihr selbst wichtig ist. Das würden wir mit unserem Selbstbild abgleichen. Womöglich kämen wir zu dem Schluß, dass es etwas zu optimieren gibt.

Andererseits wäre es denkbar, dass wir es spannend finden, so beurteilt zu werden. Weil wir selbstsicher genug sind um zu erkennen, dass uns gerade eine Projektion, Übertragung oder was auch immer untergejubelt wird. Wir wären sicher, dass da jemand versucht, uns sein eigenes Thema unterzuschieben. Wir würden das nicht als Angriff, sondern als Selbstaussage werten.

Auch daraus kann man prima einen Zickenkrieg anzetteln! Man muss die Andere nur auflaufen lassen. Oder ihr sagen, dass sie wohl über sich selbst spricht. Revanche ist garantiert.

Ziemlich gut wirkt hier meistens ein Nachfragen, was genau an uns wahrgenommen wurde. Wie es zu dem Eindruck kam. Einerseits deuten wir damit eine positive Absicht in den gefühlten Angriff hinein und reagieren nur darauf. Andererseits nehmen wir das Feedback ernst, statt die Andere gleich abzuwerten. Womöglich gibt es ja tatsächlich etwas zu verbessern!

Wie funktionieren Zickenkriege?

Unsichtbare Fädchen aus Verleumdung, Ignoranz und Intrigen müssen installiert werden. Auch werden Gerüchte gut platziert. Jemand muss sozial fragwürdig für andere werden. Wobei vordergründig meist noch nett ins Gesicht gelächelt wird. Es gibt kaum eine Chance, jemals aufzuklären, was eigentlich Sache ist. Oft ist auch gar nicht klar, von wem das ausgeht.

Frauen können ziemlich grausam zueinander sein. Sie setzen im Zickenkrieg recht selten auf der Sachebene an, sondern verletzen zielsicher die Seele der Anderen.

Was tun?

Es gibt eigentlich nur eine Chance: Transparenz.

Je offener Sie kommunizieren, was da gerade um Sie herum wahrnehmbar ist, um so sichtbarer wird die Verursacherin. Je wertschätzender das gelingt, umso weniger Gründe gibt es, darauf mit einem weiteren Angriff zu reagieren.

Zickenkriege basieren im Grunde auf der Fähigkeit, Schwächen anderer sensibel zu erkennen und zu nutzen. Auf sozialer Intuition und einer hohen emotionalen Intelligenz.

Das sind eigentlich große Gaben! Diese könnten Frauen auch einsetzen, sich über Schwächen hinweg zu helfen, geniale Netzwerke zu bilden und sich gegenseitig zu stärken.