Büßen für den Verflossenen

Büßen für den Verflossenen. Matroschkas in unterschiedlicher Größe.

Gleich, wohin du gehst, du nimmst dich selber mit - auch in eine neue Beziehung. Auch deiner Partnerin / deinem Partner geht es so. Und so stehst du jetzt vielleicht vor alten Problemen.

Menschen sitzen oft bei mir in der Praxis, weil sie, in Worten eines Klienten: „davor einen Scheißpartner hatten“. Das Büßen für den Verflossenen war das, was er meinte.

Hinter dieser, erstmal unreflektiert wirkenden Aussage steckt jedoch eine ganze Menge!

Büßen für den Verflossenen – ein flapsiger Spruch?

Ich glaube nein. So auf den Punkt formuliert hab ich das zuvor noch nie gehört. Im Detail und ausführlicher würde ich das allerdings anders ausdrücken. Auf jeden Fall ist aber etwas dran an diesem Spruch. Da mich gute Sprüche immer inspirieren, ist der Titel meinem Klienten zu Ehren genau so, wie sein cooler Spruch.

Optische Ähnlichkeit:

Neue Partner gleichen häufig optisch den Verflossenen. Man spricht mitunter sogar schmunzelnd vom „Boris-Becker-Syndrom“, weil sich dessen Partnerinnen recht ähnlich sehen. Nicht nur optisch sind diese Wiederholungen zu beobachten. Entweder wird nach dem selben Typ Partner gesucht oder durch eine zufällige Ähnlichkeit wird das Büßen für den Verflossenen in Gang gesetzt.

Charakterliche Ähnlichkeit:

Es gibt auch bestimmte Charaktereigenschaften, die man sich immer aufs Neue anlacht. Es gibt Frauen, die immer wieder an narzisstisch anmutende Männer geraten. Oder Männer, deren Partnerinnen stets ziemlich verzickt sind.

Ähnlichkeit eigener Muster:

Aber es ist durchaus auch so, dass man sich selbst und seine eigenen Wunden mitnimmt. Wir alle haben den tiefen Wunsch, unsere seelischen Wunden heilen zu lassen. Deshalb haben wir das Bedürfnis, die ungelösten Fragen unserer Vergangenheit zu lösen.


So büßt der neue Partner oft für die Fehler und Grausamkeiten seines Vorgängers.

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Lebens- und Liebesthemen sind meist unbewusst

Dennoch re-inszenieren wir alte Dramen auf neuen Bühnen. Die Textbücher dazu verändern sich im Lauf des Lebens. Immer wenn wir einen Level gemeistert haben, rücken wir auf und dürfen uns erstmal mit den neuen Anforderungen vertraut machen. Viele Menschen allerdings bleiben lebenslang auf einer bestimmten Stufe stehen. Dann wird das Meistern des eigenen Lebens verwechselt mit dem Anspruch, der Partner möge uns ohne unsere eigene Anstrengung glücklich machen.

Bei jungen Menschen geht es in Beziehungen meist um das Abnabeln vom Elternhaus. Ist dieser Level erreicht, stellt sich die unbewusste Frage: Brauche ich den Partner noch? Ist in dieser Beziehung eine weitere Entwicklung möglich oder notwendig? Oder hat sie ihre Funktion erfüllt?

Man könnte meinen, dass das Leben sich selbst immer neu korrigieren will und Liebesbeziehungen ein starker Motor dazu sind. Die Themen sind unterschiedlich, ranken sich jedoch um die Loslösung von alten Mustern, das Überwinden von Ängsten und das Erfüllen von Sehnsüchten.

Geheime Verträge und Beziehungsmuster

Oft gibt es unbewusste und vor sich selbst geheimgehaltene Verträge, die Entwicklung garantieren: Es gibt Paare, da hat z.B. der Mann Angst vor dem Verlassenwerden und sie hingegen fühlt sich schnell eingeengt, kontrolliert und liebt eine gewisse Freiheit. Hier könnte der unbewusste Vertrag lauten: Nähe- und Distanzsehnsüchte selbstdifferenziert wahrnehmen zu lernen.

Gerne erzähle ich in der Praxis die Geschichte von meiner Freundin Astrid, die vor Jahren Deutschland verließ, weil alle deutschen Männer untreu wären. Ihr Lebensweg führte sie rund um die Welt. Sie hat viel erlebt. Heute weiß sie, dass alle Männer immer und überall untreu sind. Als ich ihr vor rund 30 Jahren sagte, dass sie sich selbst mitnehmen würde, lachte sie nur.

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Ehrenrunde oder neue Erfahrungen?

Meist werden negativ erlebte Beziehungsmuster wiederholt, auch die aus der Kindheit. Nur die Rolle des Partners wird neu besetzt. Sich selbst jedoch nimmt man mit. Unverändert, wenn es schlecht läuft. So können Übertragungen aus vergangenen Partnerschaften zu weiteren falschen Lösungsversuchen für alte Wunden werden, deren mentale Schutzschilde noch aktiv sind. Büßen für den Verflossenen ist mehr als ein flapsiger Spruch.

Es ist unabdingbar, sich selbst und die sich wiederholenden Muster zu reflektieren, unbewusste Glaubenssätze bewusst zu machen und Reize, die prompt zu Reaktionen führen, lebenslang zu prüfen.

Besonders häufig in meiner Praxis sind es Themenkreise um Dominanz und Unterordnung, Nähe und Distanz sowie Vertrauen und emotionales Sich-Einlassen. Frage dich selbst: „Und was hat das mit mir zu tun?“ 😉

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