unbekannte Fakten über Treue

Als Paartherapeutin bin ich  jeden Tag mit dem Beseitigen der Scherbenhaufen des Fremdgehens beschäftigt ist, glaubt und hofft man, dass sich mehr Paare zu Treue entschließen.

Es gibt Menschen, die treu sind.

Manche davon haben keine Sehnsucht, keine Träume und oft auch keine Gelegenheit, etwas „anzustellen“. Es fällt nicht schwer, treu zu sein, wenn kein Verlangen da ist.

Aktive Treue hingegen ist beinahe eine Kulturtat. Wenn du dich dafür entscheidest, verpflichtest du dich dafür, an dir selbst und  deiner Beziehung zu arbeiten und zu wachsen, statt auszuweichen.

Nicht fremdzugehen ist nicht gleich Treue

Manch einer geht zwar mit niemand anderem ins Bett, denkt aber den ganzen Tag darüber nach. Woran es allerdings liegt, dass nicht aktiv fremdgegangen wird, kann die unterschiedlichsten Gründe haben.

Vielleicht fehlt dir die Erfahrung, wie einfach fremdgehen ist, oder du bist zu schüchtern oder hälst dich für unattraktiv. Oder du bist voller Regeln und in Konventionen gefangen. Lautstark kann das treu sein von dir eingefordert sein. Vielleicht  bist du zwar monogam, aber irgendwie nicht treu, weil mit den Gedanken ganz wo anders. Vielleicht hast du gar kein Verlangen, weder nach Sexualität noch nach Nähe. Bist du dann treu? Ja, aus versehen.

Dass Frauen emotionale Nähe zu anderen Frauen beinahe schmerzhafter empfinden als sexuelle Abschweifungen, ist beinahe Allgemeinwissen. Dass dies bei Männern andersherum ist, auch.

Das setzt voraus, dass es unterschiedliche Ebenen der Treue gibt.

In  meiner Praxis hat es sich bewährt, Treue wie folgt aufzuschlüsseln:

Emotionale Treue

Lieben heißt nicht zu besitzen. Es geht nicht darum, Treueherzchen zu sammeln. Seinem Partner emotional treu zu sein heißt, nichtsexuelle Intimität exklusiv zu behandeln. Emotionale Affären bauen Nähe zu anderen auf, hegen romantische Gefühle, fahren sich nach Hause und gehen miteinander aus. Es ist im kein kein körperliches Fremdgehen, sondern ein Betrug des Herzens.

Typische Zeichen emotionaler Untreue:

  • Emotionale Intimität zu einer dritten Person. Austausch über die Gefühlswelt und Teilen von Geheimnissen, auch von intimen. Es wird viel von Erfahrungen und Erlebnissen erzählt.
  • Verniedlichung dem Partner gegenüber. Wieviel Zeit oder Nachrichten mit dem anderen geteilt werden, was man empfindet wird meist verschwiegen oder verkleinert.
  • Der Partner wird beredet. Oder analysiert und im schlimmsten Fall schlecht geredet.
  • Zwar besteht keine zugegebene sexuelle Anziehung, dennoch werden die Treffen inszeniert wie ein Date. Tür auf halten, Rechnung bezahlen, nach Hause fahren…
  • Zu hohe Erwartungen an den Partner. Wenn ich zuviel erwarte, habe ich eine geheime innere Matrix. Die sehe ich immer als Ideal. Meinen Partner kenne ich- und weiß, dass er meiner geheimen Matrix nicht entspricht. Deshalb wird weitergesucht…

Emotionale Treue bedeutet, sich darüber klar zu werden, dass es Dinge gibt, die innerhalb einer Partnerschaft bleiben sollten. Dass es exklusive Zuwendung  gibt. Nicht die beste Freundin am Rande einer Party ist wichtig, sondern dein eigener Partner.

Soziale Treue

Hierbei geht es darum, sich nicht aus der Verantwortung zu schleichen, wenn eine Beziehung in die Brüche gegangen ist. Doch häufig wird genau dies meist von deinem neuen Partner als emotionales Fremdgehen empfunden. Der Grat ist sehr schmal.

Sexuelle Treue

Je nach Definition betrifft sexuelle Treue das Kuscheln, Küssen und die Sexualität mit anderen Menschen. Selbst in polyamorösen Beziehungsformen gibt es definierte Grenzen.

Wir suchen Verlässlichkeit

Wenn du in einer Partnerschaft lebst, ist dir Vertrauen bestimmt sehr wichtig. Jede Form der Untreue tut dir weh. Treue erfinden wir als innere Stärke. Treue setzt eine gute Bindungsfähigkeit voraus und die Fähigkeit, Ziele nicht aus den Augen zu verlieren wenn es schwierig wird. Auch Ausdauer und soziale Intelligenz sind eng mit Treue verbunden.

Untreue entsteht oft als Folge innerer Distanzierung. Häufig scheinen Konflikte unlösbar zu sein. Ob man in einer glücklichen oder unglücklichen Partnerschaft eher treu ist, ist nicht erwiesen. Es wird aus Angst vor Nähe fremdgegangen. Aber auch, wenn es besonders nah gewesen ist. Einerseits wird fremdgegangen um die eigene Autonomie zu spüren, anderseits um das eigene Ego zu stützen oder um sich von sich selbst abzulenken.

Treue als Entscheidung

Treu zu sein ist eine Entscheidung.

Untreue auch.

Es nützt nichts, die Moralkeule zu schwingen. Unterschiedliche Beziehungskonzepte bergen unterschiedliche Werte. Treu zu sein ist nur einer davon.

Jeder handelt nach seinen besten Optionen. Wenn Dein Lebensziel jederzeit Spaß im hier und jetzt ist, brauchst du keine Basis für Frustrations-Toleranz oder Genuss-Aufschub noch eine nachhaltige Kommunikation.

Dem Partner treu zu sein bedeutet in allererster Linie, dir selbst und deinen eigenen Werten bewußt und verbunden zu sein. Dadurch wird deine Partnerschaft besser. Du bist nicht treu, weil es eingefordert wird oder du mit Drohungen dazu gebracht wurdest, sondern aus einem inneren Bedürfnis heraus. Nicht fremdzugehen als Liebesbeweis sich selbst gegenüber. Keine Regel oder Forderung kann dich dazu bringen, gerne und freiwillig aktiv treu zu sein.

Treu zu sein heißt, aktiv treu zu sein und an sich selbst zu arbeiten.

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https://www.paartherapeut-in.de/blog/neid-und-eifersucht-in-der-partnerschaft/