Mangelndes Selbstbewusstsein überwinden

Mangelndes Selbstbewusstsein: Junger Mann ist nicht selbstbewusst.

Bist du dir deiner Selbst bewusst? Oder lebst und liebst du auf Autopilot?

Bist du immer selbstbewusst? Ich nicht. Mangelndes Selbstbewusstsein bedeutet, dass du oder ich oder wir nicht immer bewusst sind, wer wir selbst sind.

Ha! Also betrifft das wohl alle Menschen, oder?

Wie äußert sich ein mangelndes Selbstbewusstsein konkret?

Selbstbewusstsein oder Selbstsicherheit? Grafik mit Begriffen

Bei der Recherche zu diesem Artikel begegnete mir mancher Quatsch. Mangelndes Selbstbewusstsein hieße, besonders schüchtern oder ängstlich zu sein? Glaubst du das auch? Ich vermute, Selbstwert, -sicherheit und -bewusstsein werden oft verwechselt, durcheinandergeworfen oder synonym verwendet.

Wenn du dir deiner Selbst bewusst bist, kannst du sehr wohl schüchtern oder ängstlich sein. Manchmal erinnere ich mich an meine Pubertät zurück (werde heute noch rot dabei). Damals war ich oft überbewusst. Wenn ich über einen offenen Platz lief, oder vom Tisch meiner Freunde im Restaurant zur Toilette, war mir jeder meiner Schritte so bewusst, dass ich hölzern lief. Jede meiner Bewegungen kommentierte und korrigierte ich innerlich. Statt des erhofften wiegenden Gangs lief ich wahrscheinlich von außen betrachtet wie eine Ente. Ging es dir besser damals?

Auch das negative Sprechen über sich selbst oder eigene Erfolge nicht anerkennen zu können ist kein Zeichen mangelnden Selbstbewusstseins, sondern eher mangelndem Selbstwert zuzuordnen.

Ich bin völlig erschrocken, wie die Worte, die dein Selbst beschreiben sollen, durcheinander purzeln. Zuerst möchte ich die Begriffe kurz klären.

Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob du dein Selbstbewusstsein, deinen Selbstwert, den Glauben und das Vertrauen dir selbst gegenüber oder deine Selbstliebe aufbauen willst. Zwar fühlt sich eine Stärkung eines jeden Bereiches toll an, doch kannst du schneller vorwärts kommen, wenn du die Begriffe kurz genau anschaust.

Selbstwert: Grafik

Selbstwert

Dein Selbstwert beschreibt deine Einstellung dir selbst gegenüber. Er reguliert, wieviel du dir zutraust und was du von dir selbst hältst.


Selbstvertrauen

Selbstvertrauen regelt, wie du deinen eigenen Kräften und Fähigkeiten vertraust und was du dir selbst zutraust. Selbstvertrauen entsteht durch positive Erfahrungen, die du machst und dich an deine Selbstwirksamkeit glauben lassen.

Du traust dir zu, Probleme zu lösen und weißt um deine Stärken und Schwächen. Du stehst zu beidem und kennst deine Baustellen. Da du mit dir selbst weißt, woran du bist, kannst du dich auf deine Stärken konzentrieren und das Beste daraus machen. Je öfter du Erfolg damit hast, umso mehr traust du dir zu.


Selbstbewusstsein: Grafik

Selbstbewusstsein

Wer oder was bist du?

Du bist dir im Klaren darüber, wer du bist, was du willst, kennst deine Ziele und deine Werte. Das machst du einerseits immer wieder aktiv, indem du dich selbst reflektierst, andererseits ist es aber eine Haltung.

Um Selbstbewusstsein geht es hier in diesem Artikel.


Selbstliebe: Grafik

Selbstliebe

Selbstliebe ist die Art, wie du dich selbst liebst. Doch weit mehr. Als Paartherapeutin sage ich dir: Der Grad deiner Selbstliebe ist der Grad deine Liebesfähigkeit insgesamt.

Wenn du dich selbst nicht magst, hast du keine Basis, einen anderen Menschen zu lieben.

Selbstliebe beinhaltet, dass du dich annimmst, so wie du bist und darüber hinaus auch noch liebst! Dazu gibt es noch eine Handvoll weiterer Selbst- … Begriffe: Selbstachtung, Selbstannahme und Selbstakzeptanz.


Selbstsicherheit: Grafik

Selbstsicherheit

Bei der Selbstsicherheit geht es weniger darum, wie du dich wahrnimmst, sondern darum, mit welcher sozialen Kompetenz du anderen gegenüber für dich und deine Meinung einstehst.

Wie kannst du dir deiner Selbst sicher sein? Sicherheit entsteht aus Bewusstsein plus positiver Erfahrung.

Falsches Selbstbewusstsein ist laut und weit verbreitet

Manche Menschen tragen ein scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein vor sich her. Sie sprechen laut, auffällig und sind nicht zu übersehen. Oft lieben wir diese Menschen ganz besonders. Doch hin und wieder geht es dir bestimmt auch so, dass du den Eindruck hast, dass sich dieser Mensch nicht wirklich für dich interessiert, er oder sie arrogant, überheblich, abwertend oder auch respektlos wirkt.

Gerade hier in Berlin wird Schlagfertigkeit und die „Berliner Schnauze“ oft mit Selbstbewusstsein gleichgesetzt. Falsch. Das ist Sozialisation, liegt an unserer Luft 🙂 oder hat mit unserer Selbstsicherheit und Selbstvertrauen zu tun. Nichts jedoch mit Bewusstsein, denn die coolen Sprüche purzeln automatisch heraus.

Je lauter, auffälliger oder publikumswirksam-bewusster du dein Gegenüber wahrnimmst, umso wahrscheinlicher kannst du davon ausgehen, dass sich hinter diesem Auftreten mangelndes Selbstbewusstsein und auch mangelnder Selbstwert verbirgt.

Echtes Selbstbewusstsein ist leise

Bestimmt kennst diese Wirkung. Jemand ist scheinbar am Rande des Geschehens. Schaut interessiert, beobachtet. Dieser Mensch muss sich nicht im Gerangel mit anderen bewusst werden, er braucht keinen Streit, um sich zu spüren. Er ist sich bewusst, wer er ist. Das sind oft nicht die auf den ersten Blick schillernden Figuren. Sie müssen auch niemand beeindrucken, abwerten oder sich vergleichen, um bestehen zu können.

Wenn du weißt, wer du bist, musst du es nicht ständig zur Schau tragen oder beweisen.

Mangelndes Selbstbewusstsein

Anders sieht es aus, wenn du kein Bewusstsein für dich selbst hast. Dann weißt du einfach noch nicht, wer du bist. Oder du verlässt dich selbst in bestimmten Situationen, weil dein Selbstwertgefühl nicht gut entwickelt ist. Häufig wirst du dann andere fragen, wie du wirkst, was du tun sollst und wie du gewesen bist.

Wenn du dich gar nicht spürst, kannst du einen Streit beginnen. Denn dadurch setzen du oder dein Gegenüber eine Grenze. An Grenzen stoßen wir uns und werden bewusst.

Typische Zeichen für mangelndes Selbstbewusstsein:

  • Anderen oder den Umständen die Schuld und somit Verantwortung für Schieflagen geben
  • Um Aufmerksamkeit buhlen
  • Skeptisch, neidisch oder missgünstig anderen gegenüber sein
  • Hintenrum nörgeln oder kritisieren, abwerten
  • Vorschnell urteilen, statt Informationen zu sammeln oder einfach zu fragen, was etwas zu bedeuten hat
  • Keine Akzeptanz oder Toleranz Fehlern anderer gegenüber, immer bewertendes Denken
  • Besserwisserei
  • Nicht zuhören, selbst lange Monologe halten
  • Entscheidungen schwer treffen können
  • Sich mit anderen Vergleichen
  • Komplimente nicht glauben oder sie peinlich finden
  • Offenen Konfrontationen aus dem Weg gehen
  • Nicht zu sich selbst stehen, Mühe haben, Nein zu sagen
  • Eigene Meinung nicht gern äußern, da sie falsch sein könnte. Oder keine eigene Meinung haben
  • Schnell aufregen, schnell ärgern
  • Ja sagen, obwohl Nein authentischer wäre

Vielleicht versuchst du auch, Meinung, Stil oder Verhalten anderer anzunehmen, ahmst sie gewissermaßen nach. Ähm, das ist in der Pubertät ok. Aber danach solltest du zu dem Bewusstsein deines Selbst gelangen.

Bevor ich dir (und mir – man kann das nicht oft genug üben) zeige, was du tun kannst, möchte ich noch kurz zum Thema Partnerschaft kommen.

Was bedeutet ein mangelndes Selbstbewusstsein für deine Partnerschaft?

Mit gesundem Selbstbewusstsein ausgestattet kannst du ganz anders in einer Beziehung leben, als wenn du ein mangelndes Selbstbewusstsein hast. Du reflektierst dich und bist daran interessiert, nicht deinem Partner, deiner Partnerin zu erklären, wie er oder sie tickt. Stattdessen denkst du über deine eigenen blinden Flecken nach und übernimmst die Verantwortung, wenn du der Stinkstiefel gewesen bist.

Selbstbewusstsein ist neben der Liebe der wichtigste Garant, um eine erfolgreiche Partnerschaft führen zu können.

Du kannst keine bewusste Partnerschaft leben, wenn du dir deiner Selbst nicht bewusst bist. Klingt doch total logisch, oder?

Dein Partner sollte zwar deine Sonne sein, du aber nicht der Mond, der nur durch die Sonne leuchtet. Sei selbst eine Sonne.

Eifersucht, Streit, Meckern und Unzufriedenheit finden keinen Raum, wenn du deiner Selbst bewusst bist. Denn dann verlieren viele Dinge an Bedeutung, die dir zuvor entscheidend vorkamen. Sogar das leidige Thema Fremdgehen hat viel damit zu tun, wie bewusst ihr euch seid.

Uschi, deren Geschichte ich im Kurs „Streiten ohne Verlierer“ erzähle, sagte: „Sprache ist immer missverständlich. Aber krasserweise beginnen die Missverständnisse schon im eigenen Kopf. Oder verstehst du deinen eigenen inneren Dialog immer?“

Auch in der Liebe verstehen wir uns oft nicht richtig. Obwohl wir dieselbe Sprache sprechen, schaffen wir es jedoch nicht, unsere Emotionen so auszudrücken, dass bei unserem Schatz ankommt, was wir meinen. Auch das hat mit Bewusstsein zu tun.

Kennst du das? Dann habe ich etwas für dich:

5 Tipps für eine erfülltere Beziehung, die du heute noch umsetzen kannst

kostenloses PDF

Mach jetzt das Richtige, ohne zu murren und knurren, meckern bei der besten Freundin ausheulen oder „du-wir-müssen-reden“.

Wir gehen davon aus, dass der Andere unsere Worte genauso versteht, wie wir sie gemeint haben. Irrtum! Wir können die Worte anderer nur so verstehen, wie sie in unserem Kopf „verkabelt“ sind. Bewusstsein ist der Schlüssel, bei Spannungen den Anderen einfach zu fragen, statt empört, beleidigt oder rechtfertigend zu reagieren.

Warum ist dein Selbstbewusstsein so wichtig?

Es ist egal, wie du eine Krise überwinden möchtest. Egal, wie du Streit mit deinem Partner oder deiner Partnerin vermeiden möchtest. Solange du auf der Problem-Ebene agierst, erreichst du kleine Verhaltensänderungen. Doch bekanntlich halten diese nicht lange an. Stimmt’s?

Bewusstsein ist der Anfang  jeder Veränderung!

Vera Matt

Fang also mit deinem Bewusstsein an. Es ist wie der Strahl einer Taschenlampe. Du kannst ihn lenken und dir zeigen lassen, worauf es dir in deinem Leben ankommt.

Je bewusster du dir selbst wirst, umso mehr Selbstwert, Selbstliebe und Selbstvertrauen wachsen gleichzeitig. Setze also hier an!

Wie kannst du mangelndes Selbstbewusstsein stärken?

Dein Selbstbewusstsein kannst du immer stärken, indem du dir deiner Selbst bewusster wirst. Lach nicht. Bestimmt kennst auch du dich selbst nicht so gut, wie du vermutest.

Deine Gedanken, dein Handeln, deine Emotionen und dein Tagesablauf haben sich über die Jahre verselbstständigt. Automatisch stehst du mit dem richtigen Fuß auf und startest mit deiner Morgenroutine. Jeder Tag gleicht dem anderen und du lebst stellenweise so, wie du auch Auto fährst: ohne groß nachdenken zu müssen und weitgehend mit einer unbewussten Kompetenz.

Nur wenn wir uns im übertragenen Sinne den Zeh anstoßen, werden wir wach. Doch solltest du deinen Zeh nicht immer als Teil deines Körpers in deinem Bewusstsein haben? Wäre das so, wären wir überfordert!
Denn dann müsste unser bewusstes Denken, unser Pilot, tausende Eindrücke gleichzeitig verwalten. Also zumindest ich wäre auf Dauer damit überfordert.

Es ist gut, manches unserem Autopiloten zu überlassen. Es reicht, wenn man hin und wieder reflektiert, hinterfragt und sich selbst in Bezug auf das eigene Selbst updatet.

Von innen nach außen

Beginne dein Selbstbewusstsein von innen her aufzubauen.

  • Wofür stehst du?
  • Welche Haltung, Einstellungen und Werte hast du?
  • Kennst du dein Temperament?
  • Wann und wie deutlich setzt du Grenzen?
  • Weißt du immer, was du wirklich willst?
  • Welche Stärken und Schwächen hast du?
  • Was liebst du?
  • Kennst du den roten Faden deiner Biografie?
  • Was baut dich auf?
  • Wie denkst du über dich selbst?
  • Was würdest du in deinem Nachruf gerne über dich selbst hören wollen?

Um eine echte Stärkung des Selbstbewusstseins zu bewirken, rate ich dir, dich selbst unter die Lupe zu nehmen. Lebst du auf Autopilot und wenn ja, in welchen Bereichen? Falls es dir so geht wie mir, hast du manchmal andere Menschen bewusster auf deinem Radar als dich selbst.

Verhaltens-Tipps zur Stärkung deines Selbstbewusstseins

  • Wie bewusst nimmst du dich selbst wahr? Beginne mit deinem Körper. Dabei kann dir die progressive Entspannung gut helfen. Hier habe ich einen Link für dich. Du findest dort eine Anleitung und die Möglichkeit, kostenlos ein MP3 herunterzuladen.
  • Du kannst und solltest auch deine Gewohnheiten auf den Prüfstein legen. Hier habe ich ein Beispiel einer Kleinigkeit: Falte jetzt mal deine Hände. Schau, welcher Daumen oben liegt. Übe heute so oft wie möglich, die Hände genau andersherum zu falten. Zum Erinnern ist ein Handy-Wecker gut geeignet.
  • Wie nimmst du deine Mahlzeiten ein? Wie bewusst isst du? Gehörst du zu denjenigen, die während des Essens mit vollem Mund sprechen, lesen, fernsehen oder im Stehen oder gar im Laufen essen?
  • Was machst du sonst noch völlig automatisch und ohne nachzudenken?
  • Reflektiere dich selbst: Gibt es stereotype Antworten, die du häufig verwendest? Rote Knöpfe, auf die du so gut wie immer anspringst?

Innen und außen

Diese Übung ist genial. Sie zeigt dir ungeschönt, wie es um dich bestellt ist.

Schnapp dir eine Handvoll von diesen kleinen, getrockneten runden Dingern, Erbsen oder so. Steck sie in deine linke Hosen- oder Rocktasche. Nimm dir morgens vor, mehrmals täglich einen bewussten Moment inne zu halten und dich selbst zu fühlen, bewusst zu atmen und bewusst wahrzunehmen, wie du gerade denkst. Immer wenn du das tatsächlich machst, greifst du in deine Tasche, holt eine Erbse und beförderst sie nun in deine rechte Tasche.

Abends kannst du „Erbsen zählen“ 🙂 Dann siehst du, wie bewusst du warst!

Beginne mit kleinen, alltäglichen Dingen. Hol dir das Bewusstsein für dein Leben!

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