Neid und Eifersucht in der Partnerschaft

Neid und Eifersucht in der Partnerschaft. Mann redet auf Frau ein.

Es gibt in einer Beziehung tausende von erlaubten schlechten Gefühlen. Neidisch auf den Partner zu sein, ist jedoch absolut tabu. Kaum jemand spricht offen über Neid.

Kaum jemand gibt gern zu, Neid und Eifersucht zu fühlen. Die Begriffe sind oft gar nicht so leicht auseinanderzuhalten. In der Paartherapie werden beide Worte meist sogar synonym verwendet.

Sowohl unsere Partnerschaft als auch unsere Lebensqualität werden durch unser Maß an emotionaler Reife bestimmt. Unbewusste, undurchdrungene Emotionen erzeugen Schmerz und Unfrieden. Wir glauben oft, dass wir für unsere Emotionen nicht verantwortlich sind, sondern nur auf andere reagieren. Das ist Quatsch.

Du bist selbst für deine Emotionen verantwortlich. Über Angst, Verlust, Sorgen und Scham zu sprechen, ist meiner Erfahrung nach zumindest in der Praxis immer möglich. Dafür Eigenverantwortung zu übernehmen gelingt rasch. Bei Eifersucht meistens auch. Bei Neid beinahe nie.

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Wieso Neid und Eifersucht unterscheiden?

Beides sind Emotionen. Aber nicht dieselben!

Eifersucht:

Du hast etwas und bekommst Angst, es an einen Dritten zu verlieren. Das kann ein Partner sein. Aber auch einen Titel, Anerkennung, Zuwendung oder ein Statussymbol. Sowie du es hast, möchtest du es auch behalten. Jede Bedrohung des Status quo bedeutet einen Verlust. Hier entsteht Eifersucht. Diese Emotion ist ungewollt und den meisten peinlich. Eifersüchtig kannst du auf alles sein, was dir abhanden zu kommen droht. Auf das, was du bewahren möchtest. Dennoch verwenden wir das Wort Eifersucht eigentlich nur im Zusammenhang mit Partnerschaft.

Neid:

Neid entsteht dann, wenn jemand etwas hat oder darstellt, was du dir für dich selbst wünschst. Die Emotion Neid ist ebenso wie Eifersucht eine Tabu-Emotion. Wir geben leichter zu, zornig oder ängstlich zu sein. Offen über Neid und Eifersucht zu reden, fällt uns allen schwer.

Worauf sind wir im Wesentlichen neidisch:

  • Erfolg
  • sozialer Status
  • Fähigkeiten
  • Glück und Güter von anderen

Neid und Eifersucht können sich überlagern. Somit sind Neid und Eifersucht wiederum nicht sauber voneinander abzugrenzen.

In der Paartherapie sieht man vor allem 3 Formen des Neides, der sich vor allem an glücklicheren Partnerschaften der andern entzündet.

1. Bewundernder Neid

Wenn du bewundernden Neid verspürst, nimmst du das Glück der anderen als Inspiration. Du hast ein Vorbild und gibst dir Mühe, diesem Ideal möglichst nahe zu kommen. Du wirst dir vermutlich viele Gedanken machen, was du tun kannst.

2. Depressiver Neid

Leider ist es beim depressiven Neid so, dass du vermutlich nichts tust, um deine Lage zu verbessern. Stattdessen wirs du dich frustriert zurückziehen. Oder du versuchst, nicht mehr an das neiderregende Thema zu denken. Verdrängen und Ablenken sowie sich zurück zu ziehen sind typische Verhaltensweisen bei depressivem Neid.

3. Feindseliger Neid

Kaum zu sagen was schlimmer ist, der depressive oder der feindselige Neid. In beiden Fällen geschieht nichts Konstruktives. Wenn du unter feindseligem Neid leidest, wirst du dazu neigen, dem Anderen eine „Bananenschale“ auszulegen. Manchmal nutzen wir auch einen Nebenschauplatz, um den Anderen zurechtzustutzen. Viele Zickenkriege haben vermutlich hier einen guten Nährboden.

Neid auf den Partner

Es gibt in einer Beziehung tausende von erlaubten schlechten Gefühlen. Neidisch auf den Partner zu sein, ist jedoch absolut tabu. Kaum jemand spricht offen über Neid. Schon gar nicht über den eigenen. Denn Neid zu haben, würde bedeuten, sich unterlegen, unzulänglich und benachteiligt zu fühlen. Um Neid fühlen zu können, musst du dich in Konkurrenz zu jemandem fühlen.

Sich mit dem Partner zu vergleichen und besser, klüger, beliebter oder sportlicher sein zu wollen ist verheerend für eine Paarbeziehung. Wo bleibt denn da das Glück über den Partner? Der Stolz auf den Anderen?

In einer Beziehung geht diese Emotion komplett in die falsche Richtung. Am Ende kannst du dich eigentlich nur noch trennen. Neid kennzeichnet die verlorene Verbundenheit zueinander stärker als alles andere.

Meist ist es so, dass hinter dem Neid eigentlich der Wunsch nach Liebe, Verständnis und Erfolg steht. Oft aber auch nach Unabhängigkeit, Kontrolle und der Möglichkeit, den eigenen Weg zu gehen. Hier ist innerhalb einer Partnerschaft ein Widerspruch. Dies führt zu Vergleichen, zum Aufrechnen, zu Neid und häufig auch zu Machtrangeleien.

Was kannst du tun?

Es gibt eine ganze Menge therapeutischer Möglichkeiten, Neid zu transformieren.

  • Setze dir ein Ziel, wenn du bemerkst, dass etwas dich mit Neid erfüllt. Plane so konkret wie möglich, wie du dein Ziel konstruktiv erreichen können.
  • Oder du prüfst, ob du nicht besser etwas loslassen willst. Nicht jeder kann und braucht alles.
  • Vergib dir selbst, dass du dieses Neid-Gefühl spürst. Sich dafür zu verurteilen verhärtet es nur. Um dies tun zu können, musst du dir allerdings eingestehen, dass du Neid empfindest.
  • Nimm den Neid zum Anlass, eigene Unzulänglichkeiten und verborgene Wünsche unter die Lupe zu nehmen.

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