Neid und Eifersucht in der Partnerschaft

Kaum jemand gibt gern zu, Neid und Eifersucht zu fühlen. Die Begriffe sind oft gar nicht so leicht auseinander zu halten. In der Paartherapie werden beide Worte meist sogar synonym verwendet.

Unsere Partnerschaft sowohl als auch unsere Lebensqualität wird durch unser  Maß an emotionaler Reife bestimmt. Unbewusste, undurchdrungene Emotionen erzeugen Schmerz und Unfrieden. Wir glauben oft, dass wir für unsere Emotionen nicht verantwortlich sind, sondern nur auf andere reagieren. Das ist Quatsch…

Sie sind selbst für ihre eigenen Emotionen verantwortlich. Über Angst, Verlust, Sorgen und Scham zu sprechen ist meiner Erfahrung nach zumindest in der Praxis immer möglich. Dafür Eigenverantwortung zu übernehmen gelingt rasch. Bei Eifersucht meistens auch. Bei Neid beinahe nie.

Wieso Neid und Eifersucht unterscheiden?

Beides sind Emotionen. Aber nicht dieselben!

Eifersucht:

Sie haben etwas und bekommen Angst, es an einen Dritten zu verlieren. Das kann ein Partner sein. Aber auch einen Titel, Anerkennung, Zuwendung oder ein Statussymbol. Sowie Sie es haben, möchte Sie es auch behalten. Jede Bedrohung des Status Quo bedeutet einen Verlust. Hier entsteht Eifersucht. Diese Emotion ist ungewollt und den meisten peinlich. Eifersüchtig ist man auf alles, was droht abhanden zu kommen. Auf das, was man bewahren möchte. Dennoch verwenden wir das Wort Eifersucht eigentlich nur im Zusammenhang mit Partnerschaft.

Neid:

Unser Neid entsteht dann, wenn jemand etwas hat oder darstellt, was Sie sich für sich selbst wünschen. Die Emotion Neid ist ebenso wie Eifersucht eine Tabu Emotion. Wir geben leichter zu, zornig oder ängstlich zu sein. Offen darüber zu reden fällt uns allen schwer.

Worauf sind wir im wesentlichen neidisch:

  • Erfolg
  • sozialer Status
  • Fähigkeiten
  • Glück und Güter von anderen

Neid und Eifersucht können sich überlagern. Somit ist Neid und Eifersucht wiederum nicht sauber voneinander abzugrenzen.

In der Paartherapie sieht man vor allem 3 Formen des Neides, der sich vor allem an glücklicheren Partnerschaften der andern entzündet.

1. Bewundernder Neid

Wenn Sie bewundernden Neid verspüren, nehmen Sie das Glück der anderen als Inspiration. Sie haben ein Vorbild und geben sich Mühe, diesem Ideal möglichst nahe zu kommen. Sie werden sich vermutlich viele Gedanken machen, was Sie tun können.

2. Depressiver Neid

Leider ist es beim depressiven Neid so, dass Sie vermutlich nichts tun, um Ihre Lage zu verbessern. Stattdessen werden Sie sich frustriert zurückziehen. Oder Sie versuchen, nicht mehr an das neiderregende Thema zu denken. Verdrängen und Ablenken sowie sich zurück zu ziehen sind typische Verhalten bei depressivem Neid.

3. Feindseliger Neid

Kaum zu sagen was schlimmer ist, der depressive oder der feindselige Neid. In beiden Fällen geschieht nichts konstruktives. Wenn Sie unter feindseligem Neid leiden, werden Sie dazu neigen, dem Anderen eine “Bananenschale” aus zu legen. Manchmal nutzen wir auch einen Nebenschauplatz, um den Anderen zurecht zu stutzen. Viele Zickenkriege haben vermutlich hier einen guten Nährboden.

Neid auf den Partner

Es gibt in einer Beziehung tausende von erlaubten schlechten Gefühlen. Neidisch auf den Partner zu sein ist jedoch absolut tabu. Kaum jemand spricht offen über Neid. Schon gar nicht über den eigenen. Denn Neid zu haben würde bedeuten, sich unterlegen, unzulänglich und benachteiligt zu fühlen. Um Neid fühlen zu können, muss man sich in Konkurrenz zu jemandem fühlen.

Sich mit dem Partner zu vergleichen und besser, klüger, beliebter oder sportlicher sein zu wollen ist verheerend für eine Partnerschaft. Wo bleibt denn da das Glück über den Partner? Das Stolz- sein auf den Anderen?

In einer Beziehung geht diese Emotion komplett in die falsche Richtung. Am Ende kann man sich eigentlich nur noch trennen. Neid kennzeichnet die verlorene Verbundenheit zueinander stärker als alles andere.

Meistens ist es so, dass hinter dem Neid eigentlich der Wunsch nach Liebe, Verständnis und Erfolg steht. Oft aber auch Unabhängigkeit, Kontrolle und die Möglichkeit, den eigenen Weg zu gehen. Hier ist innerhalb einer Partnerschaft ein Widerspruch. Dies führt zu Vergleichen, zu Aufwiegen, Neid und häufig auch zu Machtrangeleien.

Was können Sie tun?

Es gibt eine ganze Menge therapeutischer Möglichkeiten, Neid zu transformieren.

  • Setzen Sie sich ein Ziel, wenn Sie bemerken, dass etwas Sie mit Neid erfüllt. Planen Sie so konkret wie möglich, wie Sie ihr Ziel konstruktiv erreichen können.
  • Oder Sie prüfen, ob Sie nicht besser etwas loslassen wollen. Nicht jeder kann und braucht alles.
  • Vergeben Sie sich selbst, dass Sie dieses Neid Gefühl fühlen. Sich dafür zu verurteilen verhärtet es nur. Um dies tun zu können, müssen Sie sich allerdings eingestehen, dass Sie Neid empfinden.
  • Nehmen Sie den Neid zum Anlass, eigene Unzulänglichkeiten und verborgene Wünsche unter die Lupe zu nehmen.