Alleinsein wollen: in vielen Beziehungen ein Problem

Allein sein wollen- in vielen Beziehungen ein Problem. Frau genießt Tee.

Klingt paradox, ist aber Voraussetzung jeder guten Beziehung: Wer Nähe gut leben will, braucht auch Distanz. Selbstdifferenzierung heißt das Zauberwort.

Was hat Alleinseinwollen mit Paartherapie zu tun?

Jede Partnerschaft besteht aus zwei Polen: Nähe und Distanz

Der Wunsch nach Nähe ist Voraussetzung, um sich auf eine Partnerschaft einlassen zu können. Das Bedürfnis nach Distanz ist im Sinne von „zu sich selbst finden“, „sich selbst differenzieren“ gemeint. Dies ist jedoch oft gar nicht gesellschaftsfähig und entzieht sich dem Bewusstsein. Manchmal gehen die Wege eines Paares aus diesem Grund sogar auseinander! Deshalb möchte ich hier näher darauf eingehen.

Partner schwanken oft zwischen dem Bedürfnis nach Alleinsein und dem Wunsch nach Geselligkeit. Wie der amerikanische Psychologe Clark E. Moustakas, einer der führenden Experten für humanistische und klinische Psychologie, schrieb, finde auch ich, dass bestimmte Selbsterkenntnisse nur durch Nachdenken, Selbstkonfrontation und innere Versenkung möglich sind. Manchmal ist es nötig, allein zu sein. Nur wenn Menschen allein sind, können sie Kräfte sammeln, indem sie über sich selbst nachdenken. Das stärkt das Zusammenleben mit anderen Menschen.

Gleichzeitig ist der wichtigste Weg zur Entwicklung der Persönlichkeit unsere Beziehung zu anderen Menschen.


Bilde ich mir das ein?

  • Vielleicht fragst du dich, ob du zu empfindlich bist.
  • Vielleicht drehst du dich im Kreis, wer schuld ist.
  • Vielleicht fühlst du dich klein, obwohl nichts Greifbares passiert ist.
  • Vielleicht willst du endlich wissen, ob da wirklich ein Muster läuft.

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Bisweilen ist Alleinseinwollen wichtig

Nach einem anstrengenden Arbeitstag ist eine kurze Zeitspanne des Alleinseins für viele Menschen besonders kostbar. Häufig versteht dies der Partner jedoch nicht und rückt einem dann auf die Pelle. Er bombardiert dich mit den Neuigkeiten des Tages, mit Dingen des Haushaltes, der Urlaubsplanung oder gar mit Vorwürfen …

So kommt es statt der gewünschten Erholung oft zu einer Auseinandersetzung. Das eigentliche Bedürfnis, allein sein zu wollen, wird mitunter von dir selbst nicht klar wahrgenommen und kann somit auch nicht klar formuliert werden.

Hätten beide Partner Verständnis nach dem Bedürfnis, gelegentlich allein zu sein, bräuchte sich auch keiner beiseitegeschoben oder ignoriert zu fühlen.

Video: Hintergründe

Lieber eigene Bedürfnisse ignorieren, als zum Wunsch nach Alleinsein zu stehen

Leider erkennen wenige Paare, dass sie auch gelegentlich Abstand benötigen. Auf Dauer führt das Ignorieren dieses Bedürfnisses zu einem Stau, der sich nicht selten in Aggressionen entlädt. Das tangiert dann bedauerlicherweise meist auch andere Bereiche der Beziehung. Manche Paare bekommen dadurch regelrechte Allergien aufeinander.

Viele Konflikte entstehen aus einer selbstauferlegten Verpflichtung, sich den Menschen, mit denen man zusammenlebt, immer ganz zu geben. Das kann man als eine Verleugnung der eigenen Persönlichkeit und des Bedürfnisses nach Selbsterneuerung betrachten.

Die überwiegend unausgesprochene Forderung, dass der Partner ständig zur Verfügung zu stehen habe, hemmt den Partner an seiner Weiterentwicklung. Sie ist ein Übergriff. Manche Menschen rutschen in ein Burn-out, wenn sie sich keine Zeit der Selbstdifferenzierung zugestehen.

Alleinsein hat nichts damit zu tun, sich miteinander zu meiden oder sich aus dem Weg zu gehen zu tun!

Hast du Angst, dass dein Partner sich von dir nicht geliebt fühlt, wenn du Zeit für dich selbst brauchst?

Dann steckt dahinter oft ein Muster, das Nähe und Freiraum gegeneinander ausspielt. Ob eines bei euch mitläuft, findest du in wenigen Minuten im kostenlosen Check heraus.

Allein sein wollen, pflegt die Beziehung!

So paradox es klingt: Menschen, die ihr Bedürfnis in einer Partnerschaft nach Alleinsein befriedigen können, verspüren selten den Drang, aus dieser Partnerschaft zu fliehen. Wenn jeder Partner das Bedürfnis nach Alleinsein bei sich selbst wahrnimmt und beim Anderen akzeptiert, können beide ein Gefühl der Unabhängigkeit entwickeln. Daraus resultiert eine gestärkte Partnerschaft durch die gereifte persönliche Entwicklung.

Dem anderen das Recht auf Alleinsein zuzugestehen, ist anfangs merkwürdig und ungewohnt. Die Zeit, in der man dadurch selbst allein ist, scheint mitunter nicht enden zu wollen. Dennoch ist das eigene Alleinsein wichtig! Wer sich selbst nicht aushalten kann, sollte es dringend lernen. Denn wer es mit sich allein schafft, schafft es auch mit einem Partner. 🥰


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