Fremdgehen- Krise programmiert

Fremdgehen und Betrogen werden tut sehr weh. Ist das in der Paartherapie ein häufiges Thema? Leider ja.

Niemand will das erleben. Trotzdem passiert es andauernd.

Fremdgehen lässt eine Art Dreieck entstehen

Plötzlich ist man nicht mehr zu zweit, sondern zu dritt. Eine Dreiecksbeziehung bringt das gewohnte Gleichgewicht völlig durcheinander.

Obwohl ein Seitensprung in der heutigen Zeit sehr im Bereich des Möglichen – oder pessimistisch gesagt – Wahrscheinlichen liegt, ist es kein vorhersehbares Lebensereignis. Kein gemeinsames Gespräch hat vorbereitet. Man konnte sich nicht darauf einstellen, sondern wird schlagartig damit konfrontiert.

Fremdgehen wird oft mit der Metapher “Boden unter den Füßen weg gezogen” beschrieben

Ähnlich wie ein Unfall oder unvorhersehbarer Todesfall bricht die Situation plötzlich über einen herein. Unvorhersehbare, leidvolle Erfahrungen sind jedoch sehr viel schwerer zu verarbeiten als Situationen, auf die man sich hat vorbereiten können.

Damit steht der oder die Betroffene alleine da. Sie haben kein Ritual und keine Handlungsmöglichkeit, auf die sie vorbereitet wären. Es gibt kein tröstendes Modell, das Erfahrene einzuordnen und zu verarbeiten. Auch hieraus entsteht Stress.

Beglückungs- und Befriedigungserwartung

Häufig gibt es in Beziehungen eine ganze Reihe von unausgesprochenen Erwartungen in die Richtung, dass der andere verantwortlich ist, für persönliche gute Gefühle zu sorgen. Hier ist einer der Gründe zu sehen, warum der „Betrogene“ sich so extrem enttäuscht fühlt. Es ist häufig so, als ob alles, worauf früher das eigene Leben und die eigene Existenzberechtigung begründet war, für null und nichtig erklärt worden wäre.

Moralische Bewertung

Nicht vorhersehbare kritische Lebensereignisse sind in der Regel unvermeidbare Schicksalsschläge. Fremdgehen jedoch entsteht aus freiem Willen. Es gibt hierfür keine existenzielle Notwendigkeit. Schnell ist das Wörtchen “Schuld” auf den Tisch. Das Thema Fremdgehen hat den Geschmack des Schändlichen.
Fremdgehen, Beziehungsdreiecke oder wie auch immer man es nennen möchte, sind nach wie vor fest mit moralischen Tabus umgeben. Nahezu unmöglich ist es, mit Freunden oder Bekannten offen darüber zu reden, ohne sich Peinlichkeiten auszusetzen. Das gilt für alle Beteiligten. Dies macht eine Verarbeitung oder Bewältigung nahezu unmöglich.

Hilflosigkeit…

Da man nicht weiß, wie man mit dem Fremdgehen umgehen kann, entsteht Hilflosigkeit. Diese erlaubt nur zwei Lösungsmuster: in einer überstürzten Reaktion wird entweder die “Neben-” oder dieHauptbeziehung gekappt, ohne dass dabei eine gemachte Erfahrung ausgewertet oder integriert würde.

Außenbeziehung als Chance?

Bei einem Paar kann die über lange Zeit hinweg entstandene Balance nicht nur zu Gleichgewicht, sondern auch zu Langeweile führen. Vieles der ursprünglichen Lebendigkeit kann einschlafen und zu einem Gebundensein an leere Wiederholungen von Ritualen und Alltäglichkeiten führen. Der Schrecken und Schmerz, der durch Fremdgehen verursacht wird, macht wach. Es daraus kann der Aufruf zum Aufbruch in eine nächste Stufe einer bewussten Beziehungsführung aus der Krise heraus erwachsen, wenn alle Beteiligten sich den Erfahrungen ehrlich stellen.

Sprachlosigkeit und Erklärungsmodelle

Eine Außenbeziehung stürzt alle Paare in irgendeiner Art von Krise. Jeder erste Schritt, die Krise  des Fremdgehens zu bewältigen, fängt damit an, dass die Betroffenen die Situation als solche und die vermutlichen Hintergründe in Worte zu fassen versuchen. Da es jedoch keine objektive Wahrheit einer Situation gibt, beschreibt jeder auf seine eigene subjektive Art.

Es ist so ähnlich, wie sich zwei Kinder über “Hund“ unterhalten und dabei gar nicht bemerken, dass die inneren Bilder dabei völlig verschieden sind. Das eine Kind hat den kleinen Welpen vor Augen, mit dem es neulich erst gespielt und gekuschelt hat. Das andere Kind ist noch ziemlich verschreckt, weil es von einem Dobermann gebissen wurde. Beide benutzen dasselbe Wort, die Bilder und Gefühle dahinter sind jedoch grundverschieden.
Die Beschreibung einer Außenbeziehungen oder des Fremdgehens ist als Annäherung zu verstehen. Die Art und Weise, wie beschrieben wird, ist ein guter Ansatz für den Bewältigungsprozess. In jeder Beschreibung, egal wie fragmentarisch auch immer sie ausfällt, ist eine geschützte Sichtweise und Interpretation integriert. Hieraus lassen sich bestimmte Möglichkeiten, das Problem zu lösen, bereits erkennen. So ist es von großer Bedeutung, auf welche Art und Weise die Betroffenen über die Krise sprechen.

Diese Beschreibungen finden hauptsächlich aus fünf verschiedenen Blickwinkeln statt. Diese hat der Paartherapeut Jellouschek entwickelt und ich schließe mich ihnen an. Nach meiner Erfahrung ist eine solche Einteilung der Beschreibung des Fremdgehen typisch.

Moralisierend

Bei dieser Sichtweise werden den Beteiligten klare Rollen von Opfer und Täter, schuldig und unschuldig zugeschrieben. Das Oper ist betrogen worden, unschuldig und ihm wurde schweres Unrecht (böswillig) angetan.
Die Täterrolle wird entweder dem Untreuen, dem von außen Hinzukommenden oder beiden zugewiesen. Erstaunlicherweise meistens jedoch alleine dem von außen Hinzukommenden.
Ihm oder ihr werden raffinierte Verführungsstrategien unterstellt und der untreue Partner als schwach angesehen. Diese Beschreibung schützt die ursprüngliche Beziehung, da beide Partner Opfer geworden sind. Ziel dieser Beschreibung ist es meist, die alte Beziehung genau so weiterführen zu können wie bisher. Der oder die Dritte muss weg, der Partner wieder her.
Leider beinhaltet dieses Modell wenig Wachsstumschancen,  denn es ist fast wie der Versuch, etwas Geschehenes ungeschehen machen zu wollen.
Moralisierende Beschreibungen helfen den „Opfern“, Selbstachtung zu wahren, weil ja die „Schuld“ völlig klar zuzuweisen ist.

Bagatellisierend

Den moralisierenden Beschreibungen stehen die bagatellisierenden gegenüber. Es wird hier davon ausgegangen, dass es keinen Anspruch auf Ausschließlichkeit der Geschlechterliebe gibt. Treue wird als Treue zu sich selbst verstanden und beinhaltet, dass man tut was immer man tun will, ohne große Rücksicht auf die Gefühle anderer. Die Lust im „Hier und Jetzt“ ist das wichtigste Gebot. Wie es dem Partner damit geht ist dessen Problem.
Eine solche Beschreibung sieht als Lösung entweder die Akzeptierung der Außenbeziehung oder eine Trennung vor.  Schwierigkeiten und Verletzungen werden als unangebrachtes „Besitzdenken“ abgewertet.
Dieses Modell der Beschreibung versucht, dem Ereignis den Krisencharakter zu nehmen und die alte einengende Moral über Bord zu werfen.
Problematischerweise ist die emotionale Betroffenheit der Beteiligten so existentiell wie bei allen anderen Beschreibungen. Das macht diese Beschreibung des Fremdgehens zur Überforderung. Häufig schwappt sie sehr schnell über zur moralisierenden.

Pathologisierend

Hier wird in der Kindheit gesucht und gefunden. Ein Entwicklungsdefizit, die Mutter oder der Vater, frustrierende frühkindliche Beziehungsmuster oder was auch immer bedingen das heutige Verhalten.
Klar können diese Zusammenhänge eine Rolle spielen!
Oft jedoch ist in diesen Beschreibungen eins sichtbar: der Versuch, nicht zu moralisieren, sondern scheinbare „unschuldige“ Ursachen zu finden und daran festzuhalten. Das macht das Fremdgehen zu einem unverdienten Schicksal, dass wie aus heiterem Himmel „passiert“, weil es ja in der Kindheit angelegt wurde.

Funktionalisierend

Auch diese Beschreibung versucht sich klar von der moralisierenden abzugrenzen. Es wird nicht nach einem Sündenbock gesucht, sondern nach Konstellationen. So wird davon ausgegangen, dass manche Paare einen „Dritten“ brauchen, um ihre Paarbeziehung aufrecht erhalten können.
Nicht berücksichtigt wird bei dieser Beschreibung, dass das Fremdgehen als Krise empfunden wird. Es wird als Bewältigungsversuch anderer Probleme ins Abseits wegerklärt. Die Beteiligten werden zu mehr oder weniger automatischen Repräsentanten größerer „Systeme“ und „Ordnungen“ (Hellinger) gesehen. Die Dinge nehmen halt ihren Lauf, so muss es sein… Eigenverantwortung ist in diesem System nicht vorgesehen. Die angebliche Mitbeteiligung des treuen Partners ist oft ein weiterer Schlag ins Gesicht des Betroffenen.

Entwicklungsorientiert

Hier wird die Krise des Fremdgehens als Aufforderung zur Veränderung begriffen. Die Krise wird als Motor gesehen, sich weiter zu entwickeln.
Hierbei wird im Angesicht der Verletzung neues Gleichgewicht gesucht. Die Parole hierbei ist: „Wozu wird die Krise eines Tages einmal gut gewesen sein?“

 

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