Lügen in der Partnerschaft

Lügen in der Partnerschaft. Mann mit grünen Augen.

Zwischen Ehrlichkeit und Rücksicht, zwischen Offenheit und Konvention - wo sollst du dich positionieren?

Was haben die alte Geschichte vom Paradies, Kindererziehung und Paartherapie gemeinsam? Mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Alle Drei Themen hängen eng mit Ausprobieren, Erwischtwerden und Schadensbegrenzung zusammen. Aber es gibt weitere Aspekte.

Mark Twain sagte einmal, es sei unmöglich, mit einem notorisch ehrlichen Menschen zusammenzuleben.

Sollten Wahrhaftigkeit, Transparenz und „Nichts hinter dem Berg halten“ in einer Partnerschaft nicht gerade das Ideal sein?

Wie empfinden Paare Lügen in der Partnerschaft?

Die meisten Paare empfinden Lügen in der Partnerschaft als unfair und haben sowohl Ehrlichkeit als auch Offenheit weit oben in ihrer Werteskala.

Dennoch sind Lügen ein sehr häufiger Grund, warum Paare in eine Krise geraten. Neben dem Fremdgehen, was ja auch beinahe immer mit Lügen verbunden ist, sind Lügen der zweithäufigste Trennungsgrund (Studie von ElitePartner).

Was sind die häufigsten Lügen in der Partnerschaft?

In verschiedenen Studien findest du unterschiedliche Listen der häufigsten Lügen in der Partnerschaft. Mal steht der Umgang mit dem anderen Geschlecht an erster Stelle. Das betrifft nicht nur aktuelle Flirts oder Affären, sondern auch vergangene Liebeleien. Doch auch der Konsum von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen wird heftig geleugnet und heruntergespielt.

Ebenfalls an erster Stelle findet sich geheuchelte Sympathie gegenüber der Familie oder den Freunden des Partners.

Auch Geld, Sexualität und Orgasmen sind Themen, die manche Paare wohl nicht gerne ehrlich miteinander besprechen.

Sogar Komplimente sind oft gelogen!

Doch wie Mark Twain schon sagte, wäre das Leben oft ziemlich hart, wenn wir gnadenlos ehrlich wären. Schon Kleinkinder lernen, dass Lügen zwar unerwünscht und moralisch bedenklich sind, die Wahrheit in bestimmten Zusammenhängen jedoch nicht erwartet wird.

Man könnte zu dem Schluss kommen, dass Lügen zwar nicht erlaubt, manchmal jedoch offensichtlich erwünscht sind.

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Formen des Lügens

Lügen ist nicht gleich lügen. Es gibt verschiedene Formen.

In einer Beziehung wird auf die unterschiedlichste Art geschwindelt, gelogen und getäuscht. Hier soll es noch nicht um die Gründe fürs Lügen oder um die Absicht hinter den Lügen gehen. Warum sich Partner gegenseitig anlügen, erfährst du in meinem Kurs.

Die Auslassung-Lüge:

Diese Lügner sagen nichts, solange sie nicht direkt gefragt werden. Sie lügen dann zwar nicht aktiv, nur verschweigen sie wichtige Aspekte der Wahrheit, die gegen Werte und Regeln ihrer Partnerschaft verstoßen. In einer solchen Partnerschaft wirst du ständig auf der Hut sein, weil du immer wieder unvorbereitet mit Problemen konfrontiert wirst, die dein Partner schon länger kennt.

Die Salamitaktik:

Der Lügner gibt immer nur so viel zu, wie ihm gerade nachgewiesen werden kann. Der Rest wird weiter verschwiegen. Diese Vorgehensweise zerstört das Vertrauen in einer Beziehung vermutlich mehr als alle anderen Formen des Lügens. Betroffene Partner werden immer misstrauischer, fragen immer genauer nach und lesen womöglich heimlich Verhörhandbücher des FBI.

Ungenauigkeiten:

Wenn nicht auf den Punkt geantwortet wird, sondern etwas anderes erzählt, Nebel gemacht oder abgelenkt wird, entsteht ein komisches Gefühl. Manchmal wird auch sehr weit ausgeholt und ein nebensächliches Detail ermüdend erläutert. Das erleben wir leider oft, wenn wir zum Beispiel von einem Vertreter dusselig gequatscht werden und das Gefühl haben, mit Textbaustein-Antworten auf unsere Fragen abgefertigt werden. Auch das ist strenggenommen nicht als Lüge in der Partnerschaft zu werten, sondern ein besonders manipulativer Umgang mit der Wahrheit, der die wahren Fakten verschleiern oder beschönigen soll.

Alltagslügen:

Dinge anders darstellen, als sie empfunden werden, ist weit verbreitet. Die Angestellte der Reinigung nimmt Ihre verschwitzen Hemden entgegen und sagt lächelnd: „Gerne“.

Auch auf die Fragen, ob das Lieblingskleidungsstück schmeichelt, man zugenommen hat, die neue Frisur gut aussieht, ob das Essen gut schmeckt oder auf die Frage „wie geht’s“ erhalten wir eher selten eine ehrliche Antwort. Hier geht es vielmehr um höfliche Rituale, die jedoch durch die gesellschaftliche Akzeptanz nicht wahrer werden.

Chronisches Lügen:

Wenn Lügen für Menschen eine Strategie sind, die sie in Ihrer Kindheit gelernt haben, kann es sein, dass sie als Erwachsener aus reiner Gewohnheit schwindeln, sobald irgendetwas für sie unangenehm werden könnte. Manche Lügen werden jedoch auch völlig ohne Grund vorgetragen. Es gibt Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen zwanghaft die Unwahrheit sagen. Menschen mit Münchhausen-Syndrom, Pseudologie, Borderline-Störungen, Pinocchio-Syndrom oder Mythopatologie sind äußerst kreativ sowohl im Umgang mit der Realität als auch der Wahrheit.

Früher wurden gerne Heldengeschichten oder die Zugehörigkeit zum Adel erfunden. Wie es scheint, kann man heute damit nicht mehr viel Aufmerksamkeit oder Zuwendung auf sich lenken. Die erlogenen Geschichten der heutigen Zeit sind häufiger auf Mitleid angelegt. Sexueller Missbrauch, eine furchtbar schwere Kindheit, eine tödliche Krankheit oder eine Traumatisierung sichern sofortige Unterstützung und Anteilnahme.

Das soll das Leid oder die Aufrichtigkeit der wirklich Betroffenen in keiner Weise infrage stellen!

Auch rund um Scheidungen werden extreme Lügen den Kindern gegenüber erfunden und aufrechterhalten mit dem Ziel, die Kinder an sich selbst zu binden und das andere Elternteil in die zweite Reihe zu verbannen.

Keine Lust, dich anlügen zu lassen?

Lerne, Lügen zielsicher zu erkennen.

Direktes Lügen:

Auf eine direkte Frage als Antwort entschieden und prompt lügen. Dieser Art Lügner fließen die Worte wie geschmiert über die Lippen. Oft entwickelt sich die Lüge im Verlauf des Gespräches weiter. Der erste Teil wirkt wie unbewusste Abwehr. Danach sind Intention und Kopf dabei.

Sich selbst belügen:

„So unglücklich bin ich gar nicht – es wird schon“, ist eine beliebte Selbstlüge. „So schlimm war das gar nicht. Eigentlich geht es mir gut.“

Oder im Falle von Fremdgehen: „Ich musste das ja machen, weil mein Partner mir irgendwas zu viel oder zu wenig gegeben hat.“

Wir machen uns oft ein X für ein U vor, weil wir keine Lust auf den Stress der Konsequenzen haben, die wir ergreifen müssten, wenn wir ehrlich zu uns selbst wären.

Lügen in der Partnerschaft sind unangenehm, aber leider weit verbreitet

Die wohl bekannteste überlieferte Lügnerin der Geschichte war eine Schlange, die durch eine Lüge Eva dazu brachte, vom verbotenen Baum der Erkenntnis einen Apfel zu essen. Die Konsequenz war die Abspaltung von Gott und der Rauswurf aus dem Paradies. Doch damit verbunden zu sein schien auch das Erlangen der Fähigkeit, fortan weitere eigene Entscheidungen treffen zu müssen. Ähnliches kann man in der Entwicklung von Kleinkindern beobachten.

Lügen markiert in der Entwicklung die Abnabelung von den Eltern und das Autonomiebestreben. Das ist laut Studien bereits bei zweieinhalbjährigen Kindern zu beobachten, die Fähigkeit zu täuschen jedoch noch viel früher (Chandler et al. 1989, Hala et al. 1991).

So ist auch das Thema „Lügen in der Partnerschaft“ mit einer Reihe weiterer Fragen verbunden. Mehr dazu im Kurs und im Newsletter.

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