Streit beenden

Streit beenden. Mann und Frau legen ihre Hände ineinander.

Eine glückliche Partnerschaft ist viel mehr wert als ein gewonnener Streit. Das sagt sich in der Theorie leicht. Wenn ein Gespräch erstmal eine ärgerliche Wendung genommen hat und die Emotionen hochkochen, braucht es eine guten Plan, um aus der Streitfalle zu kommen.

Häufig erlebt man beim Streit Déjà-vus. Weder du noch dein Partner können den Streit beenden, weil ihr euch immer dieselben Dinge an den Kopf werfen müsst. Manchmal sind sogar die Dialoge wie aus einem Drehbuch: Sie wiederholen sich. Ein andermal ist zwar der Inhalt eurer Auseinandersetzung ein anderer, doch die Choreographie dieselbe.

Eisiges Schweigen, Weinen und Türenknallen sind wie der Vorhang nach dem 5. Akt eines italienischen Dramas im Opernhaus. Nach Stunden, Tagen oder manchmal auch Wochen geht ihr dann wieder aufeinander zu. Einer von euch entschuldigt sich. Dann vertragt ihr euch eine Weile, bevor es wieder von vorne losgeht. Die Wogen waren zwar geglättet, doch der Ursprungskonflikt wurde anscheinend nicht gelöst.

Nach einigen Kreisläufen dieser Art setzt Resignation ein.

Streit beenden – so dass er beendet ist

Wie kann man einen Streit beenden, so dass er wirklich beendet ist? Du denkst vielleicht, gar nicht, weil du befürchtest, dass dein Partner dich nicht versteht und du sowieso keinen Einfluss darauf hast. Die meisten Paare, mit denen ich gesprochen habe, gehen davon aus, dass der Andere es ist, der Streit beginnt. Diese Ohnmacht möchte ich dir gerne nehmen.

Sie können sehr viel dazu beitragen, dass einerseits immer weniger Streit entsteht und andererseits der Streit beendet werden kann, falls er doch mal wieder ausgebrochen sein sollte.

Was muss ich verinnerlichen, um Streit beenden zu können?

1. Sich und den Anderen verstehen, um den Streit zu beenden

  • Was hast du wirklich gesehen und gehört?
  • Welche Gefühle löst das bei dir aus?
  • Wie wird es wohl deinem Partner gehen?
  • Und dann REDEST du mit deinem Partner erstmal darüber!

Nicht jeder Streit muss beendet werden, weil er nach diesen vier simplen Schritten gar kein Streit geworden ist. Wenn du so vorgehst, haben du und dein Partner offen über eure Wahrnehmung und über eure Gefühle gesprochen. Meist ist damit die Angelegenheit auch geklärt. Recht oft entsteht Streit in Partnerschaften aufgrund einer falschen Interpretation.

Man könnte auch die Formel der gewaltfreien Kommunikation verwenden:

  1. Ich habe beobachtet…
  2. Ich frage mich…
  3. Ich fühle…
  4. Ich wünsche mir…

Meiner Erfahrung nach gelingt dies Paaren bei kleineren Konflikten gut, bei schwereren Verletzungen jedoch gehen die Pferde durch. Manche Menschen fühlen sich durch diese Vier-Fragen-Strategie sogar veräppelt.

Deshalb braucht es Aha-Erlebnisse, die verinnerlichen helfen, wie schwer es ist, sich so auszudrücken, dass man wirklich das sagt, was man meint. Was der Andere vom Gesagten versteht, ist etwas, was wir selten prüfen.

2. Innerlich zur Ruhe kommen

Um einen Streit gut beenden zu können, solltest du dich selbst prüfen, ob du auch wirklich das sagst, was du meinst. In Rage versetzt neigen wir dazu, Dinge zu sagen, die wir hinterher bereuen. Erstmal abrüsten.

Innerlich mögest du erhitzt sein und deine Gedanken feuern dich an, die gefühlte Ungerechtigkeit, Verletzung oder den Vorwurf niederzuschmettern, dich zu wehren und den Anderen in seine Schranken zu weisen. Doch halt. Einen Moment noch. Versuche von 10 rückwärts herunterzuzählen und bei jeder Zahl zu atmen. Oder laufe ums Haus, mache etwas Sport, Yoga oder höre Musik.

  • Was war wirklich?
  • Was willst du erreichen? Eine vertrauliche Klärung oder einen Gegenangriff?

Entspannter spricht es sich leichter.

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3. Keine Reaktion auf rote Tücher

Gewollt oder unbewusst provozieren sich Partner den Tag hindurch immer wieder. Je nach Grundstimmung reagieren sie entsprechend. Versuchst du allerdings gerade, einen sich anbahnenden Streit zu beenden, solltest du dich tunlichst nicht dazu hinreißen lassen, auf eine Provokation zu reagieren. Selbst wenn du glaubst, dass es absichtlich geschehen ist!

4. Ziel vor Augen halten

Statt einen Streit zu gewinnen, ist dein Ziel doch sicherlich, eine glückliche Partnerschaft zu leben. Wenn du dir das immer wieder klar machst, ist es nicht wichtig, wer von euch den Streit beendet, sondern dass er beendet wird.

5. Gib deinem Partner das Gefühl, dass du dich um Verständnis bemühst

Es ist egal, wie unvernünftig und unnachvollziehbar dir dein Partner im Streit erscheint, wenn du den Streit beenden willst. Dein Partner wird dich ähnlich empfinden. Es geht nicht darum, dem Anderen Macht zu nehmen, sondern Verständnis zu geben. Dies gelingt durch warmherziges Nachfragen, wie es dem Anderen geht. Durch Nachfragen wird sich dein Partner verstanden fühlen. Du kannst deinem Partner auch direkt sagen, dass er oder sie dir wichtiger ist als das Thema, über das ihr euch gerade uneins seid.

6. Empathie zeigen

Sich in andere hineinversetzen zu können, öffnet Türen. Das ist insbesondere beim Streit so! Du kannst z.B. beschreiben, was du wahrnimmst: „Ich sehe wie du nach Luft schnappst und erregt bist. Es scheint so, als ob du gerade sehr verletzt bist. Das war nie meine Absicht. Aber ich sehe, dass es so auf dich gewirkt hat.“

Das entwaffnet. Danach kann man meist miteinander reden.

7. Teile deine eigenen Gefühle mit, um einen Streit zu beenden

Bevor du deinem Partner deine Gefühle mitteilst, beruhige dich bitte und halte dir dein Ziel vor Augen. Wie fühlst du dich gerade? Je reflektierter du dies deinem Partner mitteilen kannst, umso besser kann dein Partner die Situation aus deiner Sicht nachvollziehen.

Je ehrlicher du dabei bist, umso stimmiger ist auch deine Körpersprache. Dein Partner würde es dir nicht abnehmen, wenn du erzählen würdest, wie traurig du bist, wenn du dabei innerlich vor Wut kochst.

Streit beenden: Das kannst du tun

Um einen Streit zu beenden, ist es wichtig, die verschiedenen Phasen des Streits rechtzeitig zu erkennen. Je weniger der Streit eskaliert ist, umso leichter kann das Streiten aus der Welt geschafft werden. Dies gelingt auf verschiedenste Arten.

Nach dem Beenden eines Streits ist es wichtig, sich zu versöhnen und in die Klärung zu gehen. Nur so gelingt eine Prophylaxe, die langfristig dabei hilft, versöhnlich zu streiten, falls Dinge nicht friedlich vorab im Gespräch geklärt werden konnten.

Warum es schwer sein kann, einen Streit zu beenden

Wenn du mit deinem Partner streitest, bedeutet das meist, dass du gerade dabei bist, an eurer Beziehung zu arbeiten. Soweit, so gut. Was aber, wenn es nicht gelingt, einen Streit zu beenden? Streit beenden gelingt am besten, wenn man sich klar macht, dass es ein paar Stolperfallen gibt, die Teufelskreise aufrechterhalten können.

Ärger in anderen Lebensbereichen

Stress bei der Arbeit, Streit im Freundeskreis oder ein anderes Ärgernis kann dazu führen, dass sich schlechte Laune aufbaut. Ungeklärtes aus der Vergangenheit verhindert das Beenden des Streites

Oftmals dreht sich ein Streit mit deinem Partner um nichts Neues. Wenn du bemerkst, dass du denselben Streit inhaltlich schon kennst, kann es entweder mit deinem Partner oder mit deiner Vergangenheit zu tun haben. Sehr häufig projizieren wir Vergangenes in gegenwärtige Situationen hinein. Wenn wir als Kind recht streng behandelt wurden und immer zur Ordnung gerufen wurden, kann es sein, dass wir überempfindlich auf eine wohlwollende Bitte des Partners reagieren. Das Anliegen des Partners fühlt sich dann nicht an wie eine Bitte, die ein Erwachsener einem anderen Erwachsenen gegenüber ausspricht, sondern wie eine frühere Situation, als einem emotional verletzten Kind Unrecht geschah.

Nörgeln, statt auszusprechen, worum es geht

Meistens nörgeln wir Frauen und Männer schweigen, wenn es darum geht, Probleme anzusprechen. Beides ist nicht besonders konstruktiv. Nicht zu sagen, was stört, lässt das Problem noch lange ungelöst bleiben. Geht es gar so weit, dass Gespräche zwar angedeutet, aber dann verweigert werden, wirkt das bestrafend oder manipulativ. Nörgeln wirkt genauso. Frauen sagen dann meist, sie hätten nur versucht, ihren Partner zum Reden zu bringen und emotional aus der Reserve zu locken.

Überkritisch sein

Manchmal verhindert auch der Wunsch nach Perfektion das Beenden eines Streits. Du bist mit deinem Partner überkritisch, möchtest die perfekte Partnerschaft, die perfekte Familie, das Vorzeige-Bilderbuch-Paar sein. Wusstes du, dass Ken und Barbie aus Plastik sind?

Wenn du deinen Partner ständig kritisierst, „spurt“ er vielleicht. Glücklich hingegen wird er wohl eher nicht sein. Worte wie, „immer“ und „nie“ sowie Sätze, die mit „du hast…“ beginnen, sind Zeichen dafür, dass man wenig bei sich selbst nach Verantwortung und Optimierung sucht.

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