Auseinandergelebt: Wie ihr wieder zueinander findet

Auseinandergelebt: Wie ihr wieder zueinander findet. Paar mit Brille schaut freundlich nach vorne. Sie haben bestimmt wieder zueinander gefunden und das Auseinander-gelebt-sein überwunden.

In deine einst so glückliche Partnerschaft schleichen sich Nachlässigkeiten, Belanglosigkeiten und Desinteresse ein. Du fühlst dich vielleicht sogar allein gelassen. Wie kommt die Liebe wieder in Schwung?

Stell dir vor, es gäbe eine einfache Formel, die ein Auseinanderleben in der Beziehung verhindert.

Das hieße, du bist und bleibst für immer glücklich in deiner Partnerschaft.

In der Realität einer Beziehung ist es kompliziert. Es gibt es den Alltag, den Job oder auch keinen Job, die Kinder. Es gibt Eltern, Schwiegereltern, Freunde – Außenstehende, die als äußere Ursache für innere Unruhen herhalten müssen.

In deine einst so glückliche Partnerschaft schleichen sich Nachlässigkeiten, Belanglosigkeiten und Desinteresse ein. Du fühlst dich vielleicht sogar allein gelassen.

Früher oder später fragst du dich, ob ihr euch auseinandergelebt habt.

„Wir sind zu Hänsel und Gretel geworden. Und mit dem Schwesterchen mag ich nicht ins Bett. Einerseits sind wir ein super Team – der Alltag funktioniert wie ein Uhrwerk, andererseits fehlt es an Spannung, Leidenschaft und zunehmend auch an Respekt. Wir haben uns auseinandergelebt.“

Wenn ich das in meiner Praxis höre, weiß ich schon, was als nächstes gefragt wird. Richtig. Wird das wieder oder muss ich mich trennen?

Jeder Scheidungsanwalt weiß, wie oft das Auseinanderleben als Scheidungsgrund genannt wird.

Auseinandergelebt oder nie richtig Zueinander gefunden?

Wie kann ein Paar sich auseinanderleben, wenn es zusammenlebt, Tisch und Bett teilt?

Häufig beschweren sich beide Partner unabhängig voneinander, dass der Andere „sein Ding“ machen würde. Die Gemeinsamkeiten sind verschwunden, es dreht sich alles nur noch um gemeinsam verwalteten Alltag.

Wenn sich ein Paar auseinandergelebt hat, kann es sein, dass es zwar nicht streitet, aber viel schlimmer, sich gar nichts mehr zu sagen hat.

„Wir streiten nicht mal mehr miteinander.“

Streiten würde tatsächlich bedeuten, dass man sich mit dem Anderen auseinandersetzt. Doch Paare, die sich auseinandergelebt haben, setzen sich nicht mehr miteinander auseinander. Sie setzen sich innerlich ab vom Partner.

Warum leben Paare sich auseinander?

Bestimmt willst du jetzt wissen, warum sich Paare überhaupt auseinanderleben. Es kursiert die Behauptung, dass es damit zu tun hat, dass jeder irgendwann seine eigenen Interessen verfolgt und zu wenig gemeinsam gemacht wird. Mindestens genauso oft wirst du gehört haben, dass du gut darauf achten musst, nicht alles mit dem Partner gemeinsam zu machen.

Doch was stimmt denn nun? 

  • Paare leben sich nicht auseinander, weil sie zu viel oder zu wenig miteinander unternehmen.
  • Auseinanderleben bedeutet, dass man das Bewusstsein füreinander verloren hat. Auch die Freude aneinander ist der Gewohnheit gewichen. Der Andere wird so selbstverständlich wie der Mittag, der dem Morgen folgt.

Was bedeutet das?

  • Dein Partner oder deine Partnerin nimmt dich nicht mehr bewusst wahr als das, was du bist. Er oder sie geht davon aus, dich in und auswendig zu kennen. Deshalb wird er oder sie sich nicht die Mühe machen, aktiv nachzufragen, wenn du etwas sagst. Stattdessen wird davon ausgehen, dass er oder sie genau weiß, wie du tickst. Du spürst das und wirst es bestimmt ansprechen. Vermutlich streitet ihr euch dann.
  • Irgendwann bekommst du das Gefühl, dass dir Dinge untergeschoben werden, die nichts mit dir zu tun haben. „Unterstellung!“, ruft es in dir. Doch dein Partner oder deine Partnerin weist das von sich und beruft sich auf Situationen, die zur Rechtfertigung herangezogen werden. Du denkst: „Das ist doch völlig aus dem Zusammenhang! Das war doch eine völlig andere Situation!“ oder auch: „Hey, das ist doch Schnee von vor-vorgestern. Mittlerweile denke ich ganz anders, ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht seither. Meine Haltung ist völlig anders inzwischen …“ Du wirst das Gefühl haben, dass dein Partner/deine Partnerin dich einst in eine Schublade sortiert hat, aus der er/sie dich nicht mehr herauslässt.
  • Jetzt reagierst du entweder genervt und entfernst dich innerlich, weil dir das zu anstrengend ist. Oder du bleibst dran und diskutierst. Im ersten Fall wird deine Partnerschaft langsam müde. Im zweiten Fall – je nachdem wie du das machst und auch abhängig von dem Grad der Konfliktfähigkeit deines Partners oder deiner Partnerin kann das tatsächlich etwas bringen.

Woran erkennst du, dass ihr euch auseinandergelebt habt?

Jede Partnerschaft durchlebt Phasen. Wir verbinden uns mit einem anderen Menschen und schenken ihm unsere Aufmerksamkeit. Wir hören ihm zu und verstehen ihn. Wir erwarten nichts dafür und rechnen nicht auf. Intimität, Vertrauen, Zuneigung und das Bedürfnis, sich gegenseitig zu umsorgen, entwickeln sich. Dadurch entsteht eine gute Basis, welche deine Liebe wachsen und gedeihen lässt. In einer perfekten Welt würden jeder Streit und Konflikt diese Basis weiter stärken.

Wenn wir uns auseinanderleben, bröckelt dieses Fundament jedoch.

Zeichen für Auseinanderleben:

Checke folgende Punkte, um zu erkennen, ob ihr Gefahr lauft, euch auseinanderzuleben:

  • Ihr vermeidet es, euch gegenseitig zu reflektieren
  • Kein Lob, keine Anerkennung und keine Komplimente, keine positive Bestätigung
  • Keine Kritik
  • Streit wird entweder vermieden oder aggressiv ausgetragen. Die Lust am konstruktiven Auseinandersetzen ist nicht mehr vorhanden
  • Oft schwindet die Nähe, die zugelassen wird. Das kann sowohl Zärtlichkeiten als auch Sexualität betreffen. Häufig findet Sex statt, jedoch ohne echte Intimität
  • Manipulation
  • Abschottung
  • Flucht in die Arbeit
  • Sich in Gegenwart des Anderen gelangweilt fühlen
  • Sich anschweigen, Keine Lust, mit deinem Partner zu reden
  • Dem Anderen nicht mehr sagen, was man sich von der Beziehung wünscht, Sehnsüchte nicht mehr teilen
  • Vorwürfe, Erpressung, Aufrechnen
  • Sich als Opfer fühlen
  • Sich ständig angegriffen fühlen
  • Du freust dich auf Montag und hast keine Lust aufs Wochenende oder auf Urlaub
  • Jeder macht am Wochenende oder im Urlaub sein eigenes Ding
  • Du kämpfst, fliehst oder stellst dich tot
  • Zunehmende Wut auf den Partner sowie Enttäuschung

Es ist normal, dass der eine oder andere Punkt auf dich zutrifft. Das ist noch kein Grund, die Pferde scheu zu machen. Achte einfach mehr darauf, an deiner Beziehung zu arbeiten.

Doch wenn sehr viele Punkte auf dich zutreffen, stellst du dir womöglich ganz andere Fragen. Allen voran wahrscheinlich: „Wird das wieder oder sollte ich mich besser trennen?“

Schauen wir uns hierzu gemeinsam ein paar Überlegungen an.

Trennen weil auseinandergelebt?

Als du verliebt warst, hattest du Schmetterlinge im Bauch, eine rosarote Brille auf und du warst verrückt nach deinem Partner. Alles erschien dir leicht und dein Leben war plötzlich sehr viel besser. So starten wir beinahe alle in eine Beziehung. Doch das ist ein Trick der Natur und bleibt nicht so. Verliebtsein und Liebe sind zweierlei Paar Schuhe. Das verwechseln wir oft.

Wenn du nicht mehr stündlich Sex hast und auch nicht mehr keine Minute ohne deinen Partner sein kannst, heißt das noch lange nicht, dass du dich trennen musst. Du bist wahrscheinlich einfach nicht mehr in der Anfangsphase einer Beziehung und verliebt. Stattdessen beginnst du, Liebe und Bindung aufzubauen.

Statt also pauschal zu fragen: „Trennen oder bleiben?“ solltest du dich fragen, was denn die Ursache für deine Befürchtung des Auseinanderlebens ist.

Je genauer du erkennst, was dir wirklich fehlt, umso präziser und schneller kannst du das ändern. Das wird unangenehm.

Ich kann es knallhart formulieren: „Je länger du wartest, umso mehr weh wird es dir tun – aber: Je genauer du deinen Schmerz kennst, umso präziser kannst du ihn lokalisieren.“

Stell dir vor, du hast ein körperliches Unwohlsein. Diffuses Unwohlfühlen. Das ist wie ein allgemeines Gefühl des Auseinanderlebens. Dann hältst du kurz inne und fühlst nach, woher dein Unwohlsein kommt. Wenn du eine Frau bist (Männer überlest das bitte) kennst du das, der BH drückt und zwackt. Du bemerkst also, dass du dich verspannst, die Schultern hochziehst, leichte Nacken- und beginnende Kopfschmerzen hast. Hier kennst Du die Ursache. Nun nimmt der Leidensdruck erstmal zu! Dein ganzer Fokus ist auf das nervende Kleidungsstück gerichtet. Du willst das Zwicken loswerden. Je nachdem, wo und in welcher Situation du gerade bist, kann das schwierig werden.

So ist das auch beim Auseinanderleben. Wenn dir klar ist, was drückt, sind sowohl dein Bewusstsein als auch der Schmerzpunkt erhöht.

Unterdrückte Gefühle sind wie tickende Zeitbomben. Damit will ich nicht sagen, dass jeder Wunsch erfüllt werden muss oder dass dein Partner oder deine Partnerin für die Erfüllung deiner Bedürfnisse zuständig sein müssen.

Manchmal kann eine Trennung als der einzige Ausweg erscheinen.

Doch bevor du dich dazu entschließt, rate ich dir zu prüfen:

  1. Weißt du, was dir wirklich in deiner Partnerschaft fehlt.
  2. Hast du versucht, das für dich zu ändern? Oder gehst du davon aus, dass dein Partner oder deine Partnerin dafür verantwortlich ist?
  3. Wie offen und ehrlich hast du mit deinem Partner darüber geredet?
  4. Hat dein Partner verstanden, was du meinst? Oder hast du um den heißen Brei herumgeredet?

Früher hätte ich nicht geglaubt, wieviel wir still voraussetzen in einer Beziehung. Inzwischen bin ich Paartherapeutin seit 2000 und erlebe immer wieder staunend, was ein gut moderiertes Gespräch zwischen Partnern lösen kann.

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Auseinandergelebt: was tun?

3 Expertentipps:

1. Prüfe den Grund des Auseinanderlebens
Oft ist die Ursache dieses Gefühls sehr leicht zu ändern.

2. Was willst du wirklich?
Bist du dir darüber im Klaren, welche Erwartungen, Werte und Ziele du in deiner Partnerschaft leben willst? Wenn du ein diffuses Ziel in ein Navi eingibst, sollst du dich nicht wundern, wenn du an einem diffusen Ort landest. (Man kann in ein Navi kein diffuses Ziel eingeben und was ist ein diffuser Ort?

3. Weihe deinen Partner ein
Du hast richtig gelesen. Er oder sie kann nichts für dich tun, wenn nicht klar ist, was du dir ersehnst.

Vera Matt

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