Sind sie Burnout gefährdet?

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Wie kann man einen Erschöpfungszustand (Burnout Syndrom) erkennen? Paare in der Krise erzählen oft, dass sie ein Burnout vermuten. In der Paartherapie ist das ein recht häufiges Thema geworden.

Der Begriff Burnout wird meistens mit Menschen in Verbindung gebracht, die in Führungspositionen stehen. Aber auch Menschen ohne eine solche Stellung werden oft in den Strudel emotionaler Netze gezogen, verwickelt und schließlich ausgebrannt. In den therapeutisch- helfenden Berufen spielt die Gefahr der inneren Erschöpfung eine besonders relevante Rolle.

Dies gibt Anlass zu Vermutungen, dass sich gerade in diesen Berufsgruppen Menschen befinden, die nicht nur aufgrund der asymmetrischen Beziehungsstruktur zu den Patienten, Klienten, Betreuten etc. Burnout- gefährdete Persönlichkeiten sind, sondern dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen.

Im Zentrum des Burnout Syndroms scheinen Ziele, Wünsche, Bedürfnisse zu stehen, die fast unmöglich zu realisieren sind.

Bei dem Versuch, das Verlangte zu erreichen, kann es sein, dass die Anstrengungen immer verzweifelter werden. Ist dann keine Kraft mehr da ist, tritt Erschöpfung ein. Das Aufgeben des Ziels scheint aber ebenso unmöglich zu sein wie seine Erreichung.

Anfangsphase des Burnout
Burnout beginnt meist so, dass ein Überengagement für Ziele stattfindet

  • freiwillige, unbezahlte Mehrarbeit
  • Gefühl der Unentbehrlichkeit
  • Gefühl, nie Zeit zu haben
  • Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschung
  • Hyperaktivität
  • Verleugnung eigener Bedürfnisse
  • Beschränkung sozialer Kontakte auf Klienten

Burnout zeigt auch oft Zwang, sich zu beweisen zu müssen

Wünsche werden dann zu Zwängen, ein nagendes Unbehagen setzt ein bis zur Befriedigung derselben. Ansprüche werden riesengroß und wahnhaft verfolgt.

  • Zwanghaftigkeit, alles richtig machen zu wollen
  • Tempo stimmt nicht mit eigenem Rhythmus und Reaktionen überein

Verstärkter Einsatz

Burnout bewirkt, dass Dinge eine unerträglich wirkende Dringlichkeit bekommen. Erschöpfung wird zwar schon gespürt, Burnout jedoch weit von sich gewiesen. Statt einer glücklichen Beziehung kommt es mehr und mehr zu Beziehungsproblemen.
Zur Legitimation des daraus folgenden verstärkten Einsatzes wird oft eine Verwechslung von Zwang mit Gewissenhaftigkeit, Idealismus und Engagement vorgenommen. Man will sich verbissen etwas beweisen und will nichts delegieren aus Angst, die absolute Kontrolle zu verlieren. Manisch wirkendes Verantwortungsgefühl kann in dieser Phase des Burnout sichtbar sein.

Erschöpfung und Kraftlosigkeit werden häufiger

  • Enttäuschungen
  • chronische Müdigkeit
  • Energiemangel
  • Schlaflos; Abgeschlagen; Müde; Gefühl, trotz ausreichend Schlaf nicht Ausgeschlafen zu sein
  • erhöhte Unfallgefahr

Subtile Vernachlässigung von eigenen Bedürfnissen

Persönliche Dinge beginnen in den Hintergrund zu treten und werden als unnötige Störungen empfunden. Menschen in diesem Zustand des Burnout verlieren den Überblicks, schieben Aufgaben auf, Missachten eigenen Bedürfnissen nach Ruhe, Pflege und Ernährung. Beginn der Vermeidung von Sozialkontakten sowie der Änderung von Gewohnheiten zum Negativen hin.

es folgt reduziertes Engagement für Partner, Kollegen etc.

  • Größere innere Distanz
  • Kontakt zum Partner meiden
  • Stereotypisierung von Partner
  • Sexualität uninteressant
  • Dehumanisierung
  • Betonung von Fachjargon
  • Verlust positiver Gefühle gegenüber Partner
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Verschiebung des Schwergewichts von Hilfe zur Beaufsichtigung
  • Schuldzuweisung
  • Höhere Akzeptanz von Kontrollmitteln wie Strafe oder Tranquillizern

für Andere allgemein

  • Unfähigkeit, zu geben
  • Verständnislosigkeit
  • Schwierigkeiten, Anderen zu zuhören
  • Zynismus
  • Emotionale Kälte
  • Verlust von Empathie

Für die Arbeit

  • Desillusionierung
  • Negative Einstellung zur Arbeit
  • Widerwillen und Überdruss
  • Höheres Gewicht materieller Bedingungen für die Arbeitszufriedenheit
  • Fluchtphantasien
  • Unregelmäßigkeiten bei der Arbeitszeit
  • Vermehrte Fehlzeiten
  • Verlagerung des persönlichen Schwergewichts auf die Freizeit
  • Besserung am Wochenende

Burn- out erhöht Ansprüche

Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Erst in dieser Burnout Phase wird das eigene unausgeglichene Verhalten und Empfinden bemerkt. Oft setzt jetzt ein übersteigertes Denken an Gesundheit, Schlaf, Energiemangel etc. ein. Aber anstatt kürzer zu treten, werden Empfindungen verleugnet, denn alles andere scheint wichtiger zu sein. Man beginnt, Ausreden und Verschiebungen zu erfinden, wie z.B. Diät, viel Geld ausgeben um das Gefühl der eigenen Selbstvernachlässigung zu überdecken. Abweisen von Sozialkontakten und Rückzug von “warnenden Stimmen ” der Freunde. Manchmal kommt es schon in dieser Phase zu einer Trennung. Das Vermeiden von Selbstreflektion ist typisch für Burnout.

Umdeutung von Werten

Grundwerte werden unklar empfunden. Vereinsamung und Isolation sowie das Kreisen der Gedanken um sich selbst. Die Empfindungsfähigkeit ist eingeschränkt. Es treten Probleme auf im Unterscheiden von Wichtigem im Gegensatz zu Unwichtigem. Irreale Wahrnehmung der Zeit – man hat das

Gefühl, überhaupt keine zu haben. Durchtrennung der Beziehung von Vergangenheit und Zukunft. Desorientierung und Verwirrung setzt ein- Gefühl, etwas verloren zu haben, an dem man früher Dinge messen konnte. Anderen unverständliche emotionale Reaktion und ungerechtfertigte Schuldzuweisung treten Burnout bedingt auf.

Burnout steigert sich

  • Schuldgefühle
  • Reduzierte Selbstachtung
  • Selbstmitleid
  • Verringerte emotionale Belastbarkeit
  • Abstumpfung, Gefühl von Abgestorbensein und Leere
  • Befühle von Insuffizienz
  • Humorlosigkeit
  • Angst und Nervosität
  • Stimmungsschwankungen
  • Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle
  • Pessimismus/ Fatalismus
  • Apathie
  • Lebensmüdigkeit
  • Bitterkeit
  • Schwächegefühl
  • Neigung zum Weinen
  • Ruhelosigkeit
  • Gefühl des Festgefahrenseins

Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme

Burnout weitet sich aus zum Ausgeweichen vor Gefühlen, Empfindungen, Enttäuschungen, Ängsten. Außerhalb des aus Zwang festgelegten Rahmens werden reale Ereignisse zwar wahrgenommen, die eigenen Bezüge dazu aber negiert. Sprache beginnt vor Zynismus und Bitterkeit zu strotzen.

Neigung zur Selbstisolation wird zur Intoleranz sich selbst und anderen gegenüber gesteigert.

Man merkt, dass man sich zwar “verhält”, aber nichts dazu empfindet.

Aggression können auftreten

  • Schuldzuweisung an andere oder “das System”
  • Ungeduld
  • Intoleranz
  • Kompromissunfähigkeit
  • Nörgeleien
  • Reizbarkeit
  • Vorwürfe an andere
  • Verleugnung der Eigenbeteiligung
  • Launenhaftigkeit
  • Negativismus
  • Misstrauen
  • Häufige Konflikte mit anderen

Burnout kann schließlich zu Rückzug führen

Die Leugnung der inneren Bedürfnisse wird auf die Gefühle ausgedehnt. Ein Gefühl des “wie hinter Glas” Sitzens entsteht, doch die eigene Orientierungs- und Haltlosigkeit wird durch roboterhaftes Weitermachen Verkapselung in seinen Kokon aus feindseligem Kontrollbedürfnis, beschreibend für die innere Haltung. Das nach außen gezeigte Spiel sieht aus wie immer, aber man ist selbst nicht wirklich dabei, es kommt zu einer Unfähigkeit, echten Kontakt herzustellen. Oft erkennt man den inneren Rückzug unter der Fassade des gespielten “normalen Lebens” an besonders ritualisiertem Verhalten sowie daran, dass Gespräche kaum anders als zur bloßen Informationsvermittlung benutzt werden. Äußere Formen der menschlichen Tätigkeiten und Handlungen werden eingehalten, aber es gibt keine Gefühle dazu.

Anfängliche Enttäuschungen, die Zorn und Wut hervorriefen, sind zum Ohnmachtserlebnis geworden.

Die emotionale Verflachung der Seelenlandschaft führt jetzt je nach Veranlagung zu Tränenausbrüchen oder zum stummen ” sich verhärte fühlen”.

Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit

  • Konzentrations- und Gedächtnisschwäche
  • Desorganisation
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • Ungenauigkeit
  • Unfähigkeit zu klaren Anweisungen

Abbau der Motivation

  • Dienst nach Vorschrift
  • verringerte Initiative
  • verringerte Produktivität
  • verringertes Engagement

Abbau der Kreativität

  • verringerte Phantasie
  • verringerte Flexibilität

Vereinfachung

  • rigides Schwarz- Weiß- Denken
  • Widerstand gegen Veränderungen aller Art

Beobachtbare Verhaltensänderungen im Burnout

Jede Kritik wird als direkter Angriff empfunden. Ein Unvermögen tritt auf, den Wunsch nach Unterstützung und Aufmerksamkeit auseinander zu halten von der Angst eines Angriffes. Die Urteilsfähigkeit ist ebenso eingeschränkt wie die Ansprechbarkeit.

Es wird durch Ausreden versucht” sich Menschen fern zu halten, da man denkt, sowieso von niemandem gemocht zu werden. Nach außen spielt man die Rolle des “flippigen, rastlosen ” Menschen, jedoch fehlt es am nötigen Gehalt, an Flexibilität und Toleranz, um diese Rolle wirklich überzeugend herüber bringen zu können. Beobachtbar wird bei Menschen in diesem Stadium eine allmähliche Veränderung der Einstellungen in Richtung Pessimismus.

Verflachung, Einengung des emotionalen Lebens

  • Verflachung gefühlsmäßiger Reaktionen
  • Gleichgültigkeit
  • Verflachung und Einengung des gefühlsmäßigen Erlebens und Verhaltens

Erschöpfung im sozialen Leben

  • Meidung informeller Kontakte
  • Meidung von Gesprächen über die eigene Arbeit
  • Eigenbrötlereien
  • Einsamkeit
  • weniger persönliche Anteilnahme an andere oder betonte Bindung an einzelne
  • Einengung der sozialen Kontakte
  • mit sich selbst beschäftigt sein
  • Rückzug und Einsamkeit

Burnout bis zur Depersonalisierung / Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit

Eigene Gefühl und Bedürfnisse werden jetzt nicht nur bloß verleugnet, sondern überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Abhandenkommen von Logik und Verstand, Selbstverneinung setzt ein, man geht z.B. nicht zum Arzt, wenn der ” Körper ” krank ist. Bewusstes Denken und Fühlen scheint jetzt keine Rolle mehr zu spielen, Prioritäten haben keine Bedeutung, die Zeitperspektive ist auf die unmittelbare Gegenwart zusammen geschrumpft. Man glaubt nicht, dass das gegenwärtige Verhalten irgendwie die Zukunft beeinträchtigen kann.

Auch andere Menschen werden nicht wahrgenommen, man geht weg über sie in diesem Burnout Stadium.

Das Leben erscheint entwurzelt und sinnlos” man selbst funktioniert, aber kalt, gefühllos, distanziert, unberührbar.

des geistigen Lebens

  • Aufgeben von Hobbys
  • Desinteresse
  • Langeweile

Innere Leere durch Burnout

Aus dem Zustand der Depersonalisierung geht es tiefer hinunter in die Aushöhlung, Nutzlosigkeit und Ausgezehrtheit. Als Schlüsselsymptom ist in diesem Stadium die Übermäßigkeit zu betrachten, mit der die innere Leere zugedeckt und nach außen hin getarnt werden soll

Oft kommt es jetzt zu Platzängsten und spontanen Panikattacken.

Psychosomatische Reaktionen

In dieser Phase des Burnout sind zu beobachten:

  • Schwächung des Immunsystems
  • Unfähigkeit zur Entspannung in der Freizeit
  • Schlafstörungen
  • Engegefühl in der Brust
  • Atembeschwerden
  • Beschleunigter Puls
  • Erhöhter Blutdruck
  • Muskelverspannungen
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Verdauungsstörungen
  • Veränderte Eßgewohnheiten
  • mehr Alkohol/ Kaffee/ Tabak/ Drogen oder Medikamente
  • Alpträume
  • sexuelle Probleme
  • vegetative Beschwerden
  • Herzklopfen
  • Übelkeit
  • Nervöse Ticks
  • Magen- Darmgeschwüre
  • Gewichtsänderungen

Bei vielen Menschen ist in diesem Stadium des Burnout “alles egal”. Vielleicht kann durch völlig neue Eindrücke so etwas wie ein kurzes Aufleben eintreten, doch stürzen Menschen in diesem Stadium rasch zurück in die Hoffnung- und Freudlosigkeit, Verzweiflung und Erschöpfung. Initiative und Motivation sind auf dem Nullpunkt.

Wichtigstes Symptom ist der Wunsch nach Dauerschlaf.

Die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, kommt abhanden, man kann sich z.B. zum Essen nicht aufraffen oder gegensätzlich dazu, nicht mehr mit Essen aufhören.

Burnout macht Verzweifelt

Es kommt zu Gefühlen von:

  • Hoffnungslosigkeit
  • Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Existentielle Verzweiflung
  • negative Einstellung zum Leben

Besonders oft sind Partner betroffen, wenn Fremdgegangen wurde. Das reißt beinahe jedem den Boden unter den Füßen weg. Aber auch in Partnerschaften, die als besonders eifersüchtig, symbiotisch oder einengend empfunden werden, ist Burnout häufiger zu finden.