Sexualisierung in der Partnerschaft

Sexualisierung in der Partnerschaft mal anders herum: Frau hat Schuh ausgezogen und berührt damit einen Mann am Bein unter einem Tisch.

Kompliment oder plumpe Anmache? In der Öffentlichkeit genauso ein Thema wie in der Beziehung. Sprecht über eure sexuellen Wünsche in der Partnerschaft. Verführen ist schöner als bedrängen.

Gleich vorab: Sexualisierung in der Partnerschaft und sexuelle Übergriffe sind nicht dasselbe. Wenn du dich sexualisiert fühlst, hast du den Eindruck, dass du zu einer Projektionsfläche reduziert wirst. Wohl jeder sexuelle Übergriff beginnt so. Aber nicht jede Sexualisierung wird zum Übergriff!

Wohl jede Frau kennt seit der frühesten Pubertät, oft auch schon zuvor, sexualisierte Situationen. Meist war es nur ein dummer Spruch eines erwachsenen Mannes, der das Tragen von Kleidern, Röcken oder engen Oberteilen kommentierte. Bestimmt weißt du als Frau genau, wie sich das anfühlt. Beklemmend, unwohl und meist nicht ansprechbar, da nicht eindeutig übergriffig. Also wird geschwiegen. Und wenn du ein Mann bist? Hast von alldem vermutlich keine Ahnung, du hast einfach nur geschaut, wohin dein Blick dich zog.

Zweideutig eindeutige Kommentare, gaffende Blicke begleiten Frauen jahrelang. Wie Frau damit umgeht, ist ganz unterschiedlich. Doch was, wenn niemand schauen würde?

All das eben Beschriebene, spielt sich nicht nur draußen ab, auf der Straße, bei der Arbeit, in der Schule, an der Uni. Aber es passiert auch in der Partnerschaft, quasi unter vier Augen. Vielleicht ganz unbewusst, aber es kann in der Paarsituation genauso missverständlich sein, zu den gleichen Kommunikationsproblemen führen, wie in der Öffentlichkeit. Jedem ist klar, dass bestimmte Signale, eine bestimmte Art der Kommunikation, nennen wir es salopp Anmache, in der Öffentlichkeit, unter Bekannten, unter Kollegen problematisch ist. Dass dies innerhalb einer Partnerschaft genauso wirken kann, wird oft übersehen.

Kompliment, Sexualisierung oder sexuelle Belästigung?

Freundlich gemeinte, jedoch plump vorgetragene Komplimente können schmierig wirken. Doch wo ist die Grenze zwischen einem Kompliment und sexueller Belästigung zu ziehen?

Der Kontext allein spielt schon eine entscheidende Rolle. Findet das Kompliment zuhause in einer privaten Situation statt oder sind andere zugegen? Zuhause oder allein mit dem Partner, der Partnerin ist es leichter, auf derselben Ebene zu kontern, es mit gleicher Münze spielerisch heimzuzahlen oder das Gesagte zu hinterfragen, zu belachen oder auch zu ignorieren. Dann ist schnell geklärt, ob und welche Grenze überschritten wurde.

Sexuelle Belästigung beginnt nicht erst mit der Hand auf deinem Po. Sie ergibt sich übergangslos aus einer Sexualisierung.

Wenn zwei Menschen in der Partnerschaft auf Augenhöhe sind, ist ein Kompliment ein Kompliment. Manche davon sind vielleicht nicht sonderlich geglückt. Aber ist es schon eine Grenzüberschreitung, ein ein gutgemeintes, jedoch betrüblich missglücktes Kompliment zu machen?

Das liegt im Ermessen des Empfängers, der Empfängerin. Die Wirkung deiner Worte kannst du nur daran messen, wie sie beim Anderen angekommen sind.

Wie kannst du ein missglücktes Kompliment von Sexualisierung oder sexueller Anzüglichkeit unterscheiden?

Du bist dir nicht sicher? Wie fühlt es sich für dich an?

Sobald du ein „Kompliment“ nicht ohne negative Konsequenzen kommentieren oder hinterfragen kannst, du Angst vor einer doofen Reaktion hast, war es kein Kompliment, sondern die Einleitung zur Überschreitung einer Grenze.

Falls du häufiger in deiner Beziehung das Gefühl hast, dich durch „Komplimente“ belästigt fühlst, solltest du hinterfragen, warum du den Kontakt zu diesem Menschen aufrecht erhältst, ob dir diese Beziehung guttut.

Wie ist das mit Sexualisierung in der Partnerschaft?

Zu Beginn der Partnerschaft sieht man in seinem Gegenüber die ganze Welt. Sehnsucht und Verliebtheit prägen eure Begegnung. Ihr spürt eine nie zuvor dagewesene Nähe. Fühlt euch verstanden, angenommen und angekommen. Ihr kommt euch intensiv näher. Aufregendes Kribbeln, Schmetterlinge und die Hormone – du weißt schon. 🙂

Und unverhofft kommt der Alltag. Die Gewohnheiten und die schmutzigen Socken. Statt der flirrenden Gefühle wächst Sicherheit, tiefe Vertrautheit und innige Liebe. Gleichzeitig bleibt oft aber die Erwartungshaltung, das Sexleben müsse genauso sein wie zu Beginn der Partnerschaft.

Diese Erwartungshaltung ist verständlich, hilft aber nicht. Sie törnt ab. Lust entsteht anders. Erotikkiller Nr.1 war schon immer die Bedürftigkeit.

Wünsche und Bedürfnisse verändern sich sowohl im Laufe einer Beziehung als auch im Laufe des Lebens. Innerhalb einer Partnerschaft entwickeln sich diese nicht immer bei beiden Partnern gleich. Musst du die Erwartungen deines Partners, deiner Partnerin erfüllen? Gibt es tatsächlich eheliche Pflichten? Und wenn ja, was hatte sexuelle Leidenschaft je mit Pflicht und Erwartungserfüllung zu tun?

Ich plaudere an dieser Stelle kurz aus dem Nähkästchen: Beim Aufarbeiten von Fremdgehen sagen manchmal die Betrogenen, „er oder sie sagte, dass es nur um Sex ging, der zuhause nicht in der richtigen Praktik oder Häufigkeit stattfand“. Lass dir diese Haltung einmal auf der Zunge zergehen: Dein Partner, dein Objekt. deine Lust, dein gutes Recht. Dein Partner soll deine Lust erfüllen. Tut er dies nicht, sorgst du anderweitig für die Erfüllung deiner Bedürfnisse. Das ist sexualisierte Objektifizierung.

In einer reifen, bewussten Partnerschaft geht es um den Menschen, seinen Charakter, seine Werte, seinen Charme, Esprit, seinen Geruch, Humor und um vieles andere mehr. Und auch um die sexuelle Anziehung.

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Wie wichtig ist Sexualität in der Partnerschaft?

Wenn du deine Beziehung sexualisierst, dann sagst du mit anderen Worten, dass dir die körperliche Anziehung wichtiger ist als der Mensch, der in dem Körper, den du begehren willst, steckt. Doch das bedeutet, dass du deine Partnerschaft pathologisierst.

Denn weitergedacht musst du dann zu dem Schluss kommen, wenn wir uns nicht mehr begehren, ist unsere Partnerschaft schlecht, therapiebedürftig oder zu Ende. Auf dieser Basis wirst du keine glückliche Langzeitbeziehung führen können.

Sexualität ist wichtig, aber sie ist nicht alles. Zumindest nicht in der Partnerschaft.

Ist sexuelles Begehren verhandelbar?

Um es vorweg zu sagen: Jein.

Viele sexuelle Probleme entstehen, weil zu wenig oder nicht gut miteinander geredet wird. Auch das Gefühl, sexualisiert zu werden oder durch sexuelle Verweigerung bestraft zu werden, hat hier meist seinen Ursprung.

Unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche an eine erfüllte Sexualität sollten nicht geheim sein oder bestenfalls vage angedeutet bleiben. Das kannst du dann nicht erst im Streit als Vorwurf formuliert ins Spiel bringen.

Hingabe, Lust und Leidenschaft sind Geschenke. Man kann sie nicht einfordern, weil sie sonst zu einem Gefallen werden. Sexuelle Gefallen fühlen sich jedoch anders an als pralle Leidenschaft. Durch das Einfordern von Sexualität wird das Begehren im Keim erstickt, es herrscht Mangel, Zugzwang und andere Gefühle, die mit Sexualtät nicht viel zu tun haben.

Eine Klientin erzähle einmal, dass sie ihrem Freund „einen geblasen“ hätte. Und er hätte sie darauf hin nicht „geleckt“. Die Frau war sehr empört. War das von ihr wirklich Leidenschaft oder ein Tauschhandel, den ihr Partner nicht bedient hatte? In der Diskussion wurde klar, dass sie eigentlich von ihm geleckt werden wollte, sich aber nicht getraut hatte, darüber zu sprechen. Sie „schenkte“ ihm den Blow-Job, den sie eigentlich gar nicht mochte. Dabei ging sie stillschweigend davon aus, dass er sich revanchieren würde. Doch er hatte nicht das Gefühl, ihr im Gegenzug etwas zu schulden, sondern genoss einfach.

Hier hätte das Miteinander-Reden wahrlich gut geholfen. Gespräche über Sexualität, Wünsche und Ideen können sehr anregend sein, wenn sie nicht mit einer Forderung und gekränkten Erwartungen gekoppelt sind.

Denk immer daran: Dein Partner ist kein Hellseher! Du musst dir schon selbst die Mühe machen, konventionell darüber zu sprechen, was und wie du es dir wünschst.

Die Geister, die ich rief …

Zu Beginn einer Beziehung wird oft zu allem zugestimmt, vielleicht sogar ein falsches Bild der eigenen Bedürfnisse erzeugt. Man möchte dem Anderen imponieren und gefallen. Das so begonnene Verhalten wird dann später nicht weiter hinterfragt, sondern als gegeben empfunden und einfach wie begonnen fortgesetzt. Sexualisierung in der Partnerschaft ist zu Beginn einer Beziehung fast immer zu beobachten. Doch dann entsteht ein Rahmen, den du nicht so leicht wieder verlassen kannst. Versuchst du eines Tages über Abweichungen von der abgesteckten Gewohnheit zu reden, fällt es vielleicht das vielleicht schwer. Aber es zeigt sich, dass es fast immer leicht ist, zu korrigieren und herzhaft gemeinsam über das stillschweigende Missverständnis zu lachen. Aber ohne offenes Gespräch wird von allein nichts anders werden.

Sexuelle Reize: Sender oder Empfänger-Problem?

Sexualisierung in der Partnerschaft lässt die Grenze zwischen Spiel und Spaß einerseits und Belästigung andererseits nicht deutlich ziehen. Das wird von Sender und Empfänger durchaus unterschiedlich empfunden. Wobei ich immer höre, dass es strittig ist, wer sendet und wer darauf reagiert.

Zum Sex gehört verbales und nonverbales Einverständnis. Ist dieses nicht vorhanden, wird jede Annäherung als Sexualisierung empfunden, ganz gleich welch kurzen Rock Frau trägt. Und ja, jeder kann erkennen, ob ein anderer sich bedrängt fühlt.

Sexualisierung in der Partnerschaft als Bremse

Begehren ist nicht unbedingt ein Kompliment. Dein Bedürfnis auszudrücken kann genau das verhindern, was du dir erhoffst. Sexuelle Freizügigkeit, Libido, Lust und Leidenschaft funktioniert nur auf der Basis von Achtsamkeit und Respekt. Druck und Erwartung ist so ungefähr das Gegenteil davon.

Was kannst du tun, wenn du dich in deiner Partnerschaft sexualisiert fühlst?

Sexualisierung in der Beziehung setzt voraus, dass einer den anderen bedrängt. Dies wiederum bedeutet, dass einer von euch sich sexuell eher zurückzieht. Der wichtigste Schritt in einer solchen Situation ist, aus dieser Rollenverteilung auszusteigen.

Vermutlich ahnst du, was ich dir rate: Werde aktiv.

Rede über deine Gefühle. Sexualisierung in der Partnerschaft ist eine gute Gelegenheit, über ein paar dinge zu sprechen:

  • Was möchtest du an euerer Sexualität gerne ändern?
  • Gibt es sexuelle Phantasien oder Wünsche, die dein Partner noch nie von dir gehört hat?
  • Was findest du bereichernd?
  • Welches Verhalten bewirkt, dass du dich unangenehm sexualisiert fühlst, unangenehm zum Objekt gemacht wirst?
  • Wann findest du es erregend, dich als Objekt der Begierde zu fühlen?
  • Was törnt dich an, wie magst du gerne verführt werden, was muss gegeben sein, damit es sich gut anfühlt für dich?

Das erfordert oft enormen Mut. Deshalb kannst du als Gesprächseinleitung ruhig sagen, dass es dir sehr schwer fällt, dieses Thema anzusprechen. Aber bitte nicht zulange drumherum grübeln, sondern lieber nicht druckreif, sondern gerade heraus darüber reden! Wenn du dich das nicht traust, kannst du auch es innerhalb eines Zwiegespräches machen. Das ist eine Gesprächstechnik, die auf den Paartherapeuten Möller zurückgeht.

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