Präventive Paartherapie – wie gelingt Glück?

Präventive Paartherapie - wie gelingt Glück? Paar schaut sich verliebt an.

In einer Partnerschaft kann viel schief gehen. Präventive Paartherapie sollte meiner Meinung nach als Beziehungskunde an Schulen unterrichtet werden. Und zwar bevor die Funktionsweise der Geschlechtsorgane erklärt wird…

Zu mir kommen in den letzten Jahren vermehrt auch sehr junge Menschen in die Praxis. Sie treten mit der Frage an mich heran, was sie denn von Anfang an richtig machen könnten. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich das berührt. Freut und traurig macht zugleich.

In der Verliebtheit wird alles durch die rosarote Brille gesehen. Das ist eigentlich die beste Zeit für eine präventive Paartherapie. Denn in einer späteren Krise ist man weder derart euphorisiert noch gelingt es dermaßen leicht und elegant, die richtigen Dinge umzusetzen…

Was ist präventive Paartherapie?

Natürlich könnte ich ein ganzes Lehrbuch schreiben über die vielen Themen, die darüber entscheiden, ob aus Verliebten auch ein dauerhaft glückliches Paar wird. Dennoch macht es Sinn, nur maßgeschneidert an den relevanten Themen mit dem Paar zu arbeiten. Um was es dabei geht, muss individuell herausgearbeitet werden. Klar sieht das ein Paartherapeut sehr schnell. Doch darum geht es ja nicht. Das Paar muss sich in seinen Stärken und Schwächen selbst erkennen. Deshalb ist der erste Ansatz, das Paar so zu spiegeln, dass es sich selbst erkennt.

Kommunikation

Wie reden wir miteinander? Schulz von Thun hat das durch sein 4 Ohren und 4 Münder Modell versucht zu fassen. Im NLP kennen wir sehr viel mehr Ansätze, wie Kommunikation gelingen kann. Man sagt nicht umsonst: Missverständnis ist das wahrscheinlichste Resultat von Kommunikation. In der Hypnose wird mit dem Unbewussten kommuniziert. Wir alle nutzen hypnotische Sprachmuster, ob wir das nun wissen oder nicht. Dies beeinflusst den andern immens. Durch Sprache kann man nicht nicht- manipulieren.

Kommunikation von Mann und Frau

Männer sind anders – Frauen auch. Toller Titel. Es ist tatsächlich so. Frauen sprechen unter Frauen ganz anders als Männer unter Männern. Dennoch erwarten sowohl Frauen als auch Männer, dass Kommunikation ohne eigenes Zutun gelingt. Soviel sei verraten: klappt nicht.

3 Sprachen der Liebe – in 5 Dialekten

Hat Frau gelernt, keine verklausulierten Sätze zu bilden und klar zu sagen, was sie meint, ist es noch lange nicht getan. Es kann immer noch sein, dass das Paar zwar die selben Worte benutze, aber 3 verschiedene Sprachen spricht. Dazu noch in 5 sehr unterschiedlichen Dialekten. Kein Wunder dass ein „ich liebe Dich“ ausgesprochen selten dazu führt, dass der andere sich wirklich geliebt fühlt.

gemeinsame Werte

Viele fiesen Streits gehen um Werte Verletzungen. Zu wissen, wofür man selbst steht, ist extrem wichtig. Es ist unglaublich wohltuend, dies auch vom Partner zu wissen. Oftmals sind Werte Hierarchien bei Paaren sehr ähnlich. Dann kann man gleich daran arbeiten, diese zu verwirklichen. Häufig stehen sich aber auch zentrale Werte polar gegenüber. Zum Beispiel ist dem einen viel gemeinsame Zeit wichtig, dem anderen aber viel Zeit für sich alleine. Dies birgt Konfliktpotential.

Stress

Stress ist ein umfassendes und spezielles Thema. Unser Gehirn reagiert äußerst empfindlich auf dieses Gefühl. Nicht nur werden wir bei Streß sehr viel anfälliger für allerlei Infektionskrankheiten, sondern können auch nicht mehr so klar denken als sonst. Gerade in Beziehungen kann eine Schieflage oder ein Konflikt zu großem Streß führen. Statt mit der vollen Kapazität aller Ressourcen an einer Lösung arbeiten zu können, kommt es zu einer eingeschränkten Reaktionsfähigkeit. Das ist weder gut zum Streiten noch zum Probleme lösen. Ernsthafte Krisen entstehen durch Streß.

Streiten

Selbst in den besten Beziehungen wird gestritten. Was aber gute von schlechten Beziehungen unterscheidet ist die Art, wie gestritten wird. In einer schlechten Beziehung sind Streitereien verletzend, abwertend und beleidigend. In einer guten Beziehung findet der Streit auf Augenhöhe statt und bleibt Wertschätzend. Positionen werden geklärt, Meinungen transparent gemacht und nach Lösungen gesucht. Das kann man lernen!

Liebe und Nähe

Man sollte meinen, in einer Partnerschaft wären Liebe und Nähe selbstverständlich. Spricht man von präventiver Paartherapie, ist dies meist auch noch der Fall. Kommt ein Paar erst sehr viel später aus einer Krise heraus, wird häufig mit Liebesentzug gearbeitet. Dies kann Kalkül sein um den anderen zu manipulieren oder einfach so geschehen. Geht man davon aus, dass Liebe und Nähe menschliche Grundbedürfnisse sind, so wird klar, wie weh der Entzug von Liebe und Nähe tun kann.

Gute Angewohnheiten

Statt guter gemeinsamer Angewohnheiten zu haben kann ein Paar auch ziemlich destruktive Verhaltensweisen chronifizieren. Das kann alles mögliche betreffen. Meist klagen Frauen darüber, dass ihre Männer sich keine Mühe mehr zuhause geben würden, am Wochenende nur im Jogging- oder gar Schlafanzug ungewaschen abhängen würden. Männer beklagen eher eine lieblose Art des Umganges und fühlen sich viel zu selbstverständlich behandelt. Sich gegenseitig zu überraschen oder unterstützen, sich Komplimente machen, Überraschungen für einander zu planen wären gute Angewohnheiten. Dies ist zu Beginn einer Partnerschaft leicht und ein Anliegen. Man will den geliebten Menschen ja für sich gewinnen und beeindrucken. Später versickert dieses gegenseitige Bemühen umeinander oft. Dann kann es sein, dass jeder vergeblich auf ein Zeichen des anderen wartet. Über Erwartungen zu sprechen ist wichtig.

Vertrauen, Eifersucht und Fremdgehen

Hier kann man im Vorfeld durch präventive Paartherapie einiges vermeiden. Kennt man die natürlichen Pole von Nähe und Distanz, weiß man, dass zu viel quantitative Nähe leicht Symbiose erzeugen kann. Dies führ zu der Sehnsucht, zu wissen, wer man selbst ist, wenn man gerade mal nicht „wir“ ist. Hier ist die Wurzel von sowohl Eifersucht als auch vom Fremdgehen. Emotionale Unabhängigkeit kann schon früh in einer Beziehung gepflegt werden. Dabei ist es wichtig, den anderen gut im Herzen zu tragen. David Schnarch hat hier hervorragende Therapie Ansätze erarbeitet.

Arbeitet man hier Anfangs vor, kann sich ein gesunder Umgang entwickeln. Hier hat sich Paartherapie mit Hypnose hervorragend bewährt.

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr Themen. Vieles davon ist anfangs leicht zu installieren. Später jedoch können diese Themen zu schwerwiegenden Problemen führen. Hier nur ein kurzer Überblick:

  • emotionale Unabhängigkeit, Bedürfnis nach Freiheit
  • emotionale Sicherheit, Geborgenheit
  • Selbstdifferenzierung
  • Zärtlichkeit und Sexualität
  • Konflikte und Streit
  • gemeinsame Rituale
  • Alltagsverwaltung, Haushalt
  • Lebensthemen
  • Altlasten
  • Zu viel oder zu wenig Paarzeit
  • Langeweile und Routinen
  • Partnerschaft oder Selbstentfaltung
  • Kinder bekommen, Erziehungsfragen, Pubertät, Patchwork, Kinder ziehen aus
  • familiärere Probleme, Probleme mit der Schwiegerfamilie
  • Beziehungsformen
  • den richtigen Partner finden

Präventive Paartherapie sollte als Beziehungskunde Unterrichtsfach sein

Es reicht nicht, ein bisschen Ethik zu lernen oder zu wissen, wie die Geschlechtsorgane zu benutzen sind. Durch Tinder, Facebook und den ganzen Dating Seiten ist ein Partner austauschbar geworden. Freunde und potentielle Partner sind immer verfügbar. Nur einen Klick entfernt. Dass aber eine stabile und gefestigte Persönlichkeit entwickelt werden muss, um eine stabile und gefestigte Partnerschaft leben zu können, ist nicht nur einen Klick weit weg- es sind Meilen. Oft ist eine Trennung das wahrscheinlichste Resultat- wieder und wieder.

Hier mein Interview zu präventive Paartherapie in der FAZ:

Brauchen wir Beziehungskunde? Interview in der FAZ

am 23.12.2017 war ich zum Interview zum Thema präventive Paartherapie für junge Paare im Deutschlandradio

Mein Interview zu Präventive Paartherapie in der Emotion erscheint im März 2018

Hypnose ist nur eine Möglichkeit, gut präventiv zu arbeiten. Was passiert in Hypnose? So einiges!

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