Lügen in der Liebe – die traurige Wahrheit

Lügen in der Liebe – die traurige Wahrheit

Wir lügen, dass sich die Balken biegen  – warum tun wir das in zwischenmenschlichen Beziehungen so gern? Aber lügen in der Liebe – ist das nicht ein Widerspruch?

Wenn z.B. Person A fremdgegangen ist und dem Partner B nicht ehrlich sagt, was passiert ist? Wenn, statt die ganze Wahrheit aufzudecken, nur ein stufenweises Herantasten an die Tatsachen stattfindet?

Wie sehr Lügen die Vertrauensbasis einer Partnerschaft erschüttern können, hört man als Paartherapeut jeden Tag. Direkte Ehrlichkeit verletzt jedoch auch. Ebenso grausam kann unhöfliches oder und undiplomatisches Herausplatzen sein. Suchen wir nach dem richtigen Weg zwischen zerstörerischer Lüge und verletzender Offenheit.

Warum lügen Menschen selbst in einer Partnerschaft?

Warum lügen Menschen überhaupt? Lehrte uns nicht schon unsere Mutter, dass es schlecht ist zu lügen?

Das Thema Lügen ist sehr vielfältig

Bereits kleine Kinder lernen das Lügen! Es gibt Studien darüber. In zartem Kleinkindalter beginnen wir mit dem Austricksen und der Vorteilserlangung.

Das Kind fragt die Mama: „Bekomme ich ein Stück Schokolade?“
Die Mama sagt: „Hat dir nicht Papa gerade eins gegeben?“

Worauf das Kind entweder ehrlich sein kann und keine Schokolade mehr bekommt oder schwindelt und das zweite Stück Schokolade genüsslich aufessen kann.

Zu Lügen, ist ein prägendes kindliches Erlebnis! Wir lernen schnell, dass wir Vorteile erzielen können, wenn wir lügen. Das wirkt wie eine Geheim-Formel, die wir aus Erfahrung immer wieder anwenden.

Wenn wir „falsch“ petzen, werden wir nicht bestraft. Wenn das „Falsch-Petzen“ auffliegt, bekommen wir die Strafe, die wir auch bekommen hätten, wenn wir niemanden beschuldigt hätten.

Zu Lügen geht zu 50 Prozent gut.

Wenn es gut geht, kommen wir davon, entgehen einer unangenehmen Konsequenz. Wenn es nicht gut geht, werden wir bestraft.

Doch Ehrlichkeit wird beinahe immer, fast zu 100 Prozent, bestraft.

Babys beginnen recht früh, nicht nur aus Schmerz, Hunger und Ungemach zu weinen, sondern auch, um mehr Zuwendung zu bekommen.

Später legen wir uns eine rosarote Brille zu und wollen weniger schöne Wahrheiten nicht erkennen. Diese wird zum Beispiel beim Verlieben aufgesetzt, wenn der Partner noch idealisiert wird.

Kommt es dann zur Trennung vom vormals als perfekt gesehenen Partner, setzen wir eine andere Brille auf. Sie verstärkt alle schlechten Seiten. Der Partner, der vorher jedem Ideal entsprach, sieht nach der Trennung plötzlich wie ein Dämon aus.

Schwierige Trennungen gehen oft sogar mit dem Vorwurf des Narzissmus an den oder die Ex einher. Auch Borderline-Diagnosen werden beim ausgedienten Partner gern gestellt. Es ist bekannt, dass nach Trennungen nicht immer die Wahrheit über die Konflikte erzählt wird.

Schein-Erinnerungen

Ein weiteres Feld sind Schein-Erinnerungen. Ein Missbrauchs-Verdacht kann sich als falsch herausstellen. Manchmal wird „Betroffenen“ ein schwerwiegender Sachverhalt von außen regelrecht eingeredet. Kirchliche Institutionen oder Gerichte werden so hinters Licht geführt. Einfluss von außen kann wie Gehirnwäsche wirken und zu Schein-Erinnerungen führen.

Dazu gibt es Studien: Fotos wurden mit Photoshop bearbeitet und mit den Originalen ausgetauscht. So wurde Probanden eine Ballonfahrt in der Kindheit suggeriert. Befragte man diese Menschen später, erinnerten sie sich an die scheinbare Ballonfahrt, die in Wahrheit nie stattgefunden hatte.

Es gibt sogar historisch falsche Erinnerungen. Davon kann jeder Geschichtsexperte ein Lied singen, z.B.  Überlebende des Holocausts aus Lagern, aus denen erwiesenermaßen niemand überlebt hatte.

Auch Tiere täuschen!

Auch im Tierreich wird getäuscht. Sich mit fremden Federn schmücken, fremde Gesänge imitieren, seine Fressfeinde oder die Beute täuschen, all das gehört bei vielen Tieren zur Überlebensstrategie. Täuschen sichert also das Überleben.

Unsere Erinnerung ein subjektiv fragiles Konstrukt.

Wo ist die Grenze zur Lüge in der Liebe?

Da wir selbst wahrscheinlich jeden Tag nicht die volle Wahrheit sagen und schon kleine Kinder das Schwindeln entdecken, die brutale Wahrheit als unhöflich gilt, gehört das Lügen anscheinend auch zur Liebe dazu. doch ab wann werden Lügen schädlich für eine Beziehung? Hängt das nur vom Thema ab? Oder von der Häufigkeit?

Selbst kleine Lügen führen zu Enttäuschungen. Sie schmälern das Vertrauen. Was kaum bedacht wird, ist die Erkenntnis, dass der Partner sich nicht mit uns auseinandersetzen möchte, dass ihm seine Komfortzone wichtiger als die Wahrheit ist.

Für sich einzustehen, Beziehungsgespräche zu führen, über Themen, die dem Partner vielleicht nicht gefallen, ist anstrengend und unkomfortabel. Wir sind so gepolt, dass wir gern das Ungemach im Hier und Jetzt vermeiden wollen – auf Kosten einer viel schlimmeren Schieflage In der Zukunft. Doch Langzeit-Beziehungen leben von ehrlicher, authentischer und zeitnaher Auseinandersetzung.

In der Liebe zu lügen, lässt die Liebe nicht wachsen. Es ist respektlos gegenüber dem Partner. Dennoch gibt es Situationen, in denen Lügen in der Liebe verantwortungsvoller als die Wahrheit sein können. Die Ausnahme bestätigt aber auch hier die Regel.

Lügen als Überlebensstrategie

Wir selbst sind Nachfahren von besonders guten Lügnern. Das hat unser Überleben gesichert. Wenn man an das Mittelalter denkt, als Hände abgehackt wurden, Menschen verbrannt wurden usw., durfte man sich weder erwischen lassen noch in Verdacht geraten.

Wieviel Lügen in der Liebe sind erträglich?

Wie die Grenze von Freiheit, Offenheit, Vertrauen hin zum Verschweigen und zu Notlügen verläuft, ist von Paar zu Paar nicht in Stein gemeißelt. Es gibt sogar Paare, die zu Beginn der Partnerschaft festgelegt haben, dass sie im Falle eines künftigen Seitensprunges nicht mit der Wahrheit konfrontiert werden wollen.

Viele Lügen in der Liebe sollen den Partner schützen, Streit und Verletzungen vermeiden.

Lügen zu bestrafen gebiert Lügen

Vielleicht kann man es auch so betrachten: je drastischer die Strafen und Konsequenzen für Dinge sind, die halt so passieren, umso heftiger strebt man an, die drastische Konsequenz zu vermeiden!

Unser Fundament zu schwindeln liegt also einerseits in uralten Verhaltensweisen, wird andererseits ab auch in der Kindheit individuell erlernt.

Deshalb erzählen wir aus Angst vor der befürchteten Konsequenz so oft nicht die ganze Wahrheit. Auch die Angst, den Partner zu verletzen, lässt zur Lüge greifen. Das ist insbesondere beim Fremdgehen häufig die Motivation hinter der Lüge.

Wenn man dann erst einmal die erste Ausfahrt auf der Autobahn verpasst hat, wird es mit jeder weiteren Lüge schwieriger, zur richtigen Straße zurück zu kehren.

Die erste falsche Antwort öffnet weiteren Lügen Tor und Tür

Zum Beispiel fragt der Partner: „was ist denn los? Irgendetwas stimmt doch nicht… Du kommst so spät nach Hause. Ich hab im Büro angerufen und Du warst da nicht…“

Oder: „Du hast gesagt, du schläfst bei einer Freundin, aber deine Freundin war doch gar nicht da…“

Wer sich da eine Geschichte ausdenkt und lügt, muss die Lüge durch weitere Lügen aufrechterhalten, wenn wieder gefragt wird.

Oft sind es auch Kleinigkeiten: „Warst Du mit dem Kollegen einen Kaffee trinken?“
„Nein!“ Das ist dann die erste Lüge.

Oft sind beim Fremdgehen die Lügen das Schlimmste. Als Paartherapeutin höre ich das jeden Tag.

Auch Schutzlügen verletzen den Belogenen extrem. Die gewünschte Schadensbegrenzung macht es schlimmer. Dadurch entstehen Verletzungen, die meist schmerzhafter sind als der Anlass des Lügens.

Wie Aristoteles sagt: „Einen Fehler durch eine Lüge verdecken heißt, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen.“

Was bedeutet das für Ihre Partnerschaft?

  • Gehen Sie davon aus, dass ein bisschen schwindeln ein ziemlich verbreitetes Verhalten ist, so unangenehm das auch sein mag.
  • Lernen Sie Ihren Partner so gut zu lesen, dass Sie erkennen, wie er oder sie gerade denkt. Dann können Sie charmant hinterfragen, ohne zu verhören, misstrauisch zu wirken, in die Enge zu treiben oder Rechtfertigungen zu provozieren.
  • Meistern Sie selbst die erste Hürde und stehen Sie niederschwellig zu dem, was Sie tun. Tun Sie das, was Sie sagen und sagen Sie das, was Sie tun.
  • Drohen Sie nicht mit Sanktionen und Konsequenzen. Denn sonst sinkt der Mut, ehrlich zu sein, wenn man Mist gebaut hat.
  • Vermeiden Sie Wut, Vorhaltungen und Gezeter, wenn Ihr Partner ehrlich zu Ihnen war. Richtig toll wäre es, den Ehrlichen zu belohnen – für die Ehrlichkeit.

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Lügen in der Liebe – die traurige Wahrheit

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