Affären: mindestens 11 hartnäckige Irrtümer über Untreue

Ich will es gar nicht schön reden. Als Paartherapeutin in Berlin habe ich tagtäglich mit den Tränen zu tun, die wegen Affären vergossen werden. Doch rund um dieses Thema gibt es nicht nur viele Studien, sondern auch eine ganze Menge hartnäckiger Irrtümer. 

Lesen Sie selbst:

1. Männer gehen immer fremd:

Schon klar. Wegen der Spermien und so. Dunkle Instinkte sollen dafür sorgen, dass Männer nahezu fremdgehen müssen. Somit sind Affären eine typische Männersache?

Biologische Fakten sprechen dafür. Jedoch auch fürs Fremdgehen der Frauen! Vor allem dann, wenn sie einen besseren Partner im Auge haben. Mit wem sind eigentlich untreue Männer untreu? Doch meist mit untreuen Frauen. 

2. Untreue von Frauen ist impulsiv:

Mit Sicherheit kommt spontanes und leidenschaftlich kopfloses Fremdgehen auch bei Frauen vor. Die Mehrheit der Affären wird jedoch plant. Es wird gezielt nach einem bestimmten Typ Mann Ausschau gehalten, die Dates inszeniert. Oft wird auch gezielt über ein Seitensprung Portal gesucht. Des Weiteren hat beinahe jede Affäre einer Frau eine Vorgeschichte. Häufig berichten Frauen, dass Sie zuvor mit ihrem Ehemann in einer Paartherapie gewesen waren. Dieser jedoch nicht richtig mitgemacht habe und das ganze über sich ergehen lies. Gespräche hätten nichts genutzt. Er würde sich einfach nicht bewegen, ändern oder interessierter sein an ihr- sie habe alles versucht. Oft stand die Frau innerlich vor der Entscheidung, sich zu trennen oder auszubrechen.

3. Frauen gehen weniger fremd als Männer:

Die Statistiken sind fast gleich. Häufig wird auch behauptet, dass Frauen haben mehr Affären als Männer, würden dies nur geschickter anstellen. Sie wären besser im lügen und vertuschen. Dennoch gibt es keinen geschlechter-spezifischen Unterschied.

4. Frauen gehen fremd, um aus der Ehe auszubrechen:

Frauen gehen eher fremd, weil sie sich selbst verloren haben. Sie fühlen sich nicht mehr lebendig in der Beziehung. Vermissen das Gefühl, gesehen, wahrgenommen, gewollt und begehrt zu werden. Wie oben schon geschrieben: häufig gab es im Vorfeld viele Gespräche- auch beim Paartherapeuten. Durch die Affäre fühlen sie sich wieder wertvoll. Plötzlich interessiert sich jemand intensiv für sie. Fragt nach. Hat Sehnsucht. Ist leidenschaftlich.

5. Frauen gehen nur fremd, wenn sie sich verlieben:

Hier muss man die Begriffe Fremdgehen, One- Night- Stand, Affäre und Verlieben auseinander halten. Fremdgehen an und für sich ebenso wie ein One- Night- Stand hat auch bei Frauen nichts mit Verlieben zu tun! Sondern mit innerem Mangel, einem offenen Weltbild oder einer guten und unwiderstehlichen Gelegenheit zu tun.

6. In der Beziehung hat was nicht gestimmt:

Generell ist das falsch. Meist jedoch gab es Tendenzen, dass sich der Fremdgehende mit der Liebe seines Partners paradoxerweise überschüttet gefühlt hatte. Meist war es rückwirkend zu harmonisch. Andere wiederum sagen genau das Gegenteil: sie hätten Harmonie vermisst. Deshalb kann man der Beziehung nicht die Schuld geben.

7. Untreue ist ein Indiz für fehlende Liebe:

Die Untreue und Liebe zum Partner haben nichts miteinander zu tun. DennUntreue ist das Gegenteil von Treue. Treue ist eine Kulturtat- ein Wert. Den hat ein Mensch oder hat ihn nicht. Liebe ist eine Emotion.

8. Der Betrogene hat etwas falsch gemacht:

Das wäre noch schöner. Schuld sind die Anderen. Was der Betrogene falsch macht, ist meistens nur, dass er den Beteuerungen des Partners mehr Bedeutung beimisst als dem eignen Bauchgefühl.

9. Der Untreue will insgeheim ertappt werden:

Vielleicht stimmt das manchmal. Meistens jedoch kommt man erst hinterher zu diesem Eindruck. Denn ist der Knoten erstmal geplatzt, hört das Doppelleben auf. Häufig fühlt der Fremdgeher im Gegensatz zum Betrogenen nach dem Ertappt werden auch Erleichterung. Das schlechte Gewissen ist entlastet, da nun alles auf dem Tisch ist. Doch die Rechnung ist unfair, den der betrogene Partner hat nun ums vielfach schlimmere Gefühle.

10. Affären frischen langweiligen Sex „zuhause“ auf:

Um langweiligen Sex haben zu können, gehören zwei Langeweile! Die Aussage: “schlecht im Bett” ist meist so zu sehen wie der eine Finger, der zwar auf einen Anderen zeigt, Vier jedoch auf einen selbst. Vielleicht gibt es unterschiedliche Vorlieben, Zeiten oder Fetische. Aber weder durch meckern, maulen oder durch fremdgehen findet zuhause mehr Spaß im Bett statt. Anders sieht es aus, wenn das Wechselspiel aus Nähe und Distanz einseitig geworden ist und aus zuviel Symbiose ausgebrochen wird. Dann ist das Fremdgehen zwar nicht die Lösung des Problems, kann aber durch eine Eskalation gleich einer Heilkrise zu einer Auflösung der häuslichen Schieflage führen. Sehr viel häufiger jedoch kommt es zu einem riesigen Vertrauensbruch und sehr viel Leid.

Häufig erscheint eine Trennung nach einer Affäre auch die unausweichliche Konsequenz zu sein.

11. Nach einer Affäre kann man keine Beziehung mehr retten:

Doch! Manchmal entdeckt ein Paar sich sogar völlig neu und eine festgefahrene Beziehung wird dadurch lebendig. Die Partner entdecken sich neu, sind wie frisch verliebt. Versprechen, die nie eingelöst wurden finden nun statt. Lebendigkeit nimmt zu, persönlicher Wachstum, emotionale Freiheit oder einfach nur ein paar Kilo abzunehmen gelingen plötzlich.

Weitere Irrtümer gibt es viele. Sei es, dass der Glaube herrscht, Männer oder auch Frauen seien nicht zur Monogamie bestimmt. Wer einmal fremdgeht, tut es immer wieder. Der Partner ist schuld. Die Eltern sind schuld. Wie auch immer…

Der Situation wird man nur gerecht, wenn jeweils von Mensch zu Mensch versucht, die Gründe für die Untreue heraus zu finden. Affären finden nicht im luftleeren Raum statt. Deshalb kann das Überwinden von Affären auch nicht nach dem Lehrbuch gelingen. Affären sind auch weder kurz, noch hören sie immer von alleine auf. Ebenso hartnäckig hält sich der Glaube, dass eine gut getarnte Affäre keinerlei sichtbare Spuren des Fremdgehens hinterlassen könnte.